Arzneimittel und Therapie

Alltag im Alter

Gedächtnistraining lohnt sich Eine Verbesserung der geistigen Fähigkeiten führt auch zu einer Verbesserung der Alltagstauglichkeit und damit zu einem längeren Erhalt der selbstständigen Versorgung. Kognitives ­Training wirkt sich hier positiv aus.

Kognitives Training verbessert die Alltagsfähigkeiten

Mit zunehmendem Alter sinkt meist die geistige Leistungsfähigkeit. Schlechte kognitive Fähigkeiten erhöhen das Risiko, die Aufgaben des täglichen Lebens nicht mehr allein bewältigen zu können. Ob allerdings auch der Umkehrschluss gilt, dass eine Verbesserung der geistigen Fähigkeiten zu einer besseren Alltagskompetenz führt, ist bislang nicht erwiesen. Nun sollte genau dieser Zusammenhang in einer Studie untersucht werden.

Auch im hohen Alter wünschen sich die meisten Menschen, dass sie sich selbst versorgen können. Nun wurde in einer Studie untersucht, ob frühzeitiges Gedächtnistraining die Alltagstauglichkeit alter Menschen länger erhält. Dazu wurden 2832 freiwillige ältere Personen (durchschnittliches Alter 73,6 Jahre), die sich selbstständig versorgten, zufällig auf vier Gruppen verteilt:

Drei Gruppen nahmen an jeweils zehn Sitzungen (60 bis 75 Minuten) teil, in denen spezifische kognitive Aspekte trainiert wurden. Etwa nach ein und drei Jahren wurden jeweils vier Sitzungen zur Auffrischung angeboten.

  • Gruppe 1: Gedächtnistraining (vor allem verbal mit Wörterlisten und Texten)
  • Gruppe 2: Training in logischem und analytischem Denken (Vervollständigen von Zahlen- oder Buchstabenreihen)
  • Gruppe 3: Geschwindigkeitstraining (schnelles Erkennen von Objekten auf Computerbildschirmen)
  • Kontroll-Gruppe: Kein Training

Untersucht wurden die kognitiven Fähigkeiten und die Auswirkungen auf die Alltagtagsbewältigung über fünf Jahre hinweg.

In allen drei Trainingsgruppen war die Leistung des jeweils trainierten Aspekts besser als in der Kontroll-Gruppe. Die Effekte waren auch noch fünf Jahre nach Studienbeginn sichtbar.

Teilnehmer, die zusätzlich das Auffrischtraining besuchten, zeigten deutlich bessere Ergebnisse als Teilnehmer, welche nur die zehn Trainingseinheiten zu Beginn der Studie besuchten.

Zwar zeigten alle drei Gruppen gegenüber der Kontroll-Gruppe eine bessere Erhaltung der Funktionalität im Alltag, allerdings waren die Unterschiede klein und erreichten nur in der Gruppe mit Gedächtnistraining statistische Signifikanz. Obwohl durch die Studie der direkte Beweis, dass eine Verbesserung der geistigen Fähigkeiten auch zu einer Verbesserung der Alltagstauglichkeit und damit zu einem längeren Erhalt der selbstständigen Versorgung führt, nur teilweise erbracht werden konnte, sprechen die Ergebnisse dafür, dass sich Gedächtnistraining im Alter lohnt. Zu Beginn der Studie zeigten die Teilnehmer durchschnittlich eine sehr hohe Alltagskompetenz, so dass es möglicherweise noch länger als fünf Jahre gedauert hätte, bis sich die Verbesserung der geistigen Fähigkeiten auch in einer unterschiedlichen Alltagskompetenz niedergeschlagen hätte.

Dass jeweils genau der kognitive Aspekt verbessert wurde, der trainiert wurde, und auch, dass das Auffrischtraining eine weitere Verbesserung brachte, sind Indizien dafür, dass sich kognitives Training positiv auswirkt.

Weitere Studien, die auf eine Verbesserung der Alltagstauglichkeit durch kognitives Training zielen, sollten unternommen werden. Das Thema ist von großer Bedeutung, insbesondere vor dem Hintergrund der alternden Bevölkerung und den Kosten, die durch nichtselbstständige Versorgung verursacht werden. Zudem kann durch eine bessere Alltagstauglichkeit auch die Lebensqualität älterer Menschen erhöht werden.

Quelle

Willis, S. L.; et al.: Long-term effects of cognitive training on everyday functional outcomes in older adults. J. Am. Med. Assoc. 296, 2805–2814 (2006).

Shumaker, S.A.; et al.: Behavior-based interventions to enhance cognitive functioning and independence on older adults. J. Am. Med. Assoc. 296, 2852–2854 (2006).

Apothekerin Bettina Martini
Häufig eingesetzt zur Messung der Alltagsfähigkeiten (auch in der vorliegenden Studie) wird die IADL-Skala (IADL = Instrumental activities of daily living). Dabei werden sieben Aspekte beurteilt:
  • Benutzung eines Telefonbuchs
  • Autofahren oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren
  • Einkäufe erledigen
  • Mahlzeiten zubereiten
  • Hausarbeit erledigen
  • korrekte Arzneimitteleinnahme
  • Umgang mit Geld

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