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Raucherentwöhnung

Multimodale Ansätze haben den größten Erfolg

Raucherentwöhnung ist ein vielschichtiger Prozess, bei dem neurobiologische und verhaltenstherapeutische Aspekte berücksichtigt werden müssen. Den größten Erfolg verspricht das Vorgehen nach Leitlinien, das medikamentöse und verhaltenstherapeutische Maßnahmen beinhaltet und die individuelle Situation des Betroffenen berücksichtigt, so Prof. Dr. Anil Batra, Tübingen.

Nicotin beeinflusst die Wirkungen vieler Neurotransmitter wie etwa Dopamin, Adrenalin, Noradrenalin und Acetylcholin. Nicotin belegt nicotinerge Acetylcholinrezeptoren und bewirkt eine Zunahme dieser Rezeptoren. Der Entzug führt zu "hungrigen Nicotinrezeptoren" und den typischen Entzugssymptomen wie Craving, Reizbarkeit, Frust, Angst, Schlafstörungen, Appetitsteigerung und Gewichtszunahme. Die Normalisierung dieser neurobiologischen Dysregulation dauert ungefähr sechs Wochen; der gesteigerte Appetit hält länger an und führt bei den meisten Exrauchern zu einer Gewichtszunahme von zwei bis fünf Kilo.

Eine erfolgversprechende Raucherentwöhnung berücksichtigt die verschiedenen Komponenten des Suchtverhaltens. Die verhaltenstherapeutischen Änderungen erfolgen in mehreren Schritten: in der Abstinenzvorbereitung, der Konsumbeendigung und in der Stabilisierung. In der Vorbereitungsphase wird der Raucher motiviert, sein Vorhaben auch umzusetzen. Er analysiert seine typischen Risikosituationen und entwickelt Gegenstrategien. In der Phase der Konsumbeendigung helfen Mechanismen der Selbstkontrolle (wie etwa alle Aschenbecher im Haus entfernen, das Wegwerfen der Zigaretten), Belohnungsstrategien, das Abschließen eines Vertrages mit sich selbst oder mit Dritten und die soziale Unterstützung beim Durchsetzen der Rauchabstinenz. Die Stabilisierungsphase umfasst den Aufbau eines Alternativverhaltens, Entspannungstraining, die Vermittlung des gesundheitsförderlichen Verhaltens und das Erlernen von Strategien zur Rückfallsprophylaxe.

Medikamentöse Therapie

Zur medikamentösen Unterstützung werden als First-line-Therapeutika Nicotin, Bupropion und seit März 2007 Vareniclin eingesetzt. Mit allen drei Substanzen werden im Vergleich zum Placebo bessere Ergebnisse erzielt. Der Nicotinersatz wird in mehreren galenischen Formen angeboten. Die einzelnen Arzneiformen weisen unterschiedliche Vor- und Nachteile auf: Das Pflaster entkoppelt die Nicotinzufuhr vom Verhalten, seine Wirkung setzt allerdings erst nach ungefähr zwei Stunden ein. Mit Hilfe des Kaugummis erfolgt die Nicotinzufuhr rasch, aber ohne Depoteffekt, wichtig ist deshalb die regelmäßige Zufuhr. Die nasale Nicotingabe wirkt sehr rasch, ist aber mit einem Abhängigkeitspotenzial verbunden. Im Einzelfall können verschiedene Darreichungsformen miteinander kombiniert werden.

Bupropion hemmt selektiv die Dopamin- und Noradrenalin-Wiederaufnahme und imitiert die Wirkung von Nicotin. Aufgrund seines Nebenwirkungsspektrums ist es Batra zufolge nur für den "gesunden Raucher" geeignet.

Vareniclin ist ein partieller Nicotinrezeptoragonist, der einerseits wie Nicotin wirkt und daher möglichen Entzugserscheinungen vorbeugt, andererseits aber das Auftreten positiver Empfindungen durch Nicotin verhindert ("Zigarettenrauchen bringt nichts mehr"). Die häufigsten unerwünschten Wirkungen sind Übelkeit und Schwindel, die bei rund einem Drittel der Anwender auftreten und meist passager sind. pj

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