Prisma

"Dank" Schlaganfall zum Nichtraucher

Amerikanische Wissenschaftler haben bei einem Schlaganfallpatienten eine Entdeckung gemacht, die neue Ansätze für die Raucherentwöhnung bietet. Der Mann, der zuvor täglich 40 filterlose Zigaretten geraucht hatte, verlor durch seinen Schlaganfall über Nacht die Lust auf Nicotin.

Die Erkrankung hatte die Insula beschädigt, eine Hirnregion, von der man zuvor schon vermutet hatte, dass sie mit dem Suchtverhalten zu tun hat. Die Wissenschaftler machten sich daraufhin auf die Suche nach ähnlichen Fällen. Tatsächlich konnten sie 19 weitere Patienten ausfindig machen, die Raucher waren und Verletzungen der Insula erlitten hatten. 12 der Betroffenen verloren wie der erste diagnostizierte Patient die Lust auf das Rauchen direkt nach der Verletzung. Ein weiterer Patient hörte nach der Verletzung "unter Anstrengung" mit dem Rauchen auf. Unklar ist laut den Wissenschaftlern, warum nicht alle 19 Patienten mit Insula-Verletzung das Rauchen beendeten. Dennoch sehen sie in ihren Erkenntnissen neue Ansätze für die Raucherentwöhnung. ral

Quelle: Bechara, A. et al.: Science 315 (5811), 531 – 534 (2007).

Methylphenidat macht keine Genschäden

Im Jahr 2005 verunsicherte eine Studie aus den USA Ärzte und Eltern von Kindern mit einem Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom. Das bei ADHS zur Behandlung übliche Methylphenidat sollte Schäden am Erbgut verursachen. Würzburger Wissenschaftler geben nun Entwarnung.

"In einer eigenen Studie fanden wir keine verstärkten Schäden am Erbgut", beruhigt Prof. Dr. Helga Stopper. Die Würzburger Forscher untersuchten Blutproben von 30 ADHS-Kindern vor und kurz nach Beginn einer Behandlung mit Methylphenidat. Nach drei Monaten Therapie wurde bei 21 Kindern erneut Blut genommen, bei acht Studienteilnehmern ein weiteres Mal nach einem halben Jahr. In den Lymphozyten der Blutproben fahndeten die Wissenschaftler nach vermehrt beschädigten Chromosomen, wurden aber nicht fündig. Die schlechte Nachricht stammte seinerzeit von Randa El-Zein von der Universität von Texas. "Allerdings wurden dort nur zwölf Kinder untersucht. Die Ergebnisse waren bei allen ungewöhnlich einheitlich und die Werte deutlich erhöht, so dass eine weitere Studie erforderlich schien", kommentiert Stopper die amerikanische Untersuchung. ral

Quelle: Environ. Health Perspect., Online-Vorabpublikation, DOI: 10.1289/ehp.9866

Neue Erkenntnisse zur Ursache von Autismus

Eine internationale Forschergruppe hat auf der Suche nach den Ursachen für Autismus zwei neue Genabschnitte entdeckt, die bei der Entstehung der Krankheit eine wichtige Rolle spielen.

Die Wissenschaftler des "Autism Genome Projects" untersuchten über 1100 Familien, in denen mindestens zwei Mitglieder an Autismus erkrankt sind, auf genetische Gemeinsamkeiten. Die Analyse brachte zwei "verdächtige" Genabschnitte zu Tage: Eine Region auf Chromosom 11 sowie das Gen für Neurexin 1. Neurexin ist ein Protein, das bei der Entwicklung von Synapsen von Bedeutung ist. Es interagiert mit Neuroligin, einem anderen synaptischen Protein, dessen Gen früher schon als Risikogen für Autismus in Betracht gezogen wurde. Durch die Identifizierung des Neurexin-Gens rücken Glutamat-Neuronen sowie deren Gene in den Mittelpunkt der Untersuchungen. Sie könnten eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Autismus spielen. Die Forscher hoffen, dass die Aufdeckung der an Autismus beteiligten Gene in der Zukunft Diagnose und Behandlung der Krankheit verbessern hilft. ral

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums vom 19.2.2007

Nächtlicher Fluglärm macht krank

Nächtlicher Fluglärm führt dazu, dass die Betroffenen häufiger den Arzt aufsuchen und vermehrt Arzneimittel verschrieben bekommen. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Epi.Consult GmbH Bremen, die im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) durchgeführt wurde.

Für die Studie wurden die Daten von mehr als 800.000 Krankenversicherten analysiert, die im Umfeld eines deutschen Flughafens mit Nachtflugbetrieb leben. Anlass für die Studie waren unter anderem Beobachtungen einer Gruppe von Ärzten, die in ihren Praxen vermehrt Patienten mit psychovegetativen Störungen wie Herzbeschwerden, Nervosität und Leistungsminderung beobachteten. Die Mediziner vermuteten, dass die gehäuft auftretenden Befunde auf den Nachtflugverkehr des Flughafens zurückgehen könnten.

Die Studie bestätigt nun diese Vermutung. Es zeigte sich in ihr, dass Menschen, die nächtlichem Fluglärm ausgesetzt sind, deutlich erhöhte Verordnungsraten und Verordnungsmengen bestimmter Arzneimittel mit blutdrucksenkender Wirkung, zur Behandlung von Herz- Kreislauferkrankungen, zur Beruhigung sowie zur Behandlung von Depressionen erhalten. Dabei war eine ausgeprägte Abhängigkeit zwischen der Intensität der Beschwerden und der zeitlichen Einwirkung des Fluglärms feststellbar: Für diejenigen, die unter nächtlichem Fluglärm zwischen drei und fünf Uhr litten, waren die stärksten Erhöhungen der Verordnungshäufigkeit und des Verordnungsvolumens der verschiedenen Arzneimittelgruppen nachweisbar. Die Ergebnisse stützen Untersuchungen aus dem Ausland, die ebenfalls darauf hinweisen, dass Fluglärm Bluthochdruck sowie Herz- und Kreislauf-Erkrankungen hervorrufen kann. ral

Quelle: UBA-Pressemitteilung vom 22.2.2007

Leben nur im Hier und Jetzt

Bei Patienten mit einer Amnesie ist die Erinnerung an vergangene Ereignisse teilweise oder komplett ausgelöscht. Doch nicht nur die Vergangenheit "fehlt". Wie britische Forscher nun herausgefunden haben, ist auch die Zukunftsvorstellung beeinträchtigt. Das Leben von betroffenen Patienten findet daher gezwungener Maßen nur in der Gegenwart statt.

Unfälle, traumatische Erlebnisse, Hirnhautentzündungen oder Arzneimittelmissbrauch können für umfangreiche Gedächtnisausfälle verantwortlich sein. Erinnerungen an spezifische Vorgänge oder Ereignisse sind in vielen Fällen vollkommen ausgelöscht. Dass auch die Vorstellungskraft für künftige Begebenheiten unter einer Amnesie stark leidet, haben britische Wissenschaftler des University College of London herausgefunden. Fünf Patienten, die aufgrund beschädigter Hirnregionen im Hippocampus unter starkem Gedächtnisschwund litten, wurden dazu mehreren Tests unterzogen. Zusammen mit zehn gesunden Probanden sollten sie sich alltägliche Situationen, z. B. einen Strandtag oder Waldspaziergang, möglichst intensiv vorstellen und anschließend ihre Ideen mit den dazugehörigen Sinneseindrücken detailliert wiedergeben. Eine weitere Aufgabe bestand darin, für bevorstehende Ereignisse wie den nächsten Geburtstag gewisse Vorstellungen zu entwickeln und dabei der Phantasie freien Lauf zu lassen. Bei der Testauswertung spielten sowohl Inhalt der ausgedachten Ereignisse, räumliche Zusammenhänge und Lebhaftigkeit der Darstellung, als auch die Selbstbeurteilung eine Rolle. Es wurde deutlich, dass Patienten mit Amnesie starke Schwierigkeiten haben, frei erfundene Szenarien vor ihrem inneren Auge aufzurufen. Im Vergleich zu gesunden Menschen mangelt es ihnen an der Fähigkeit, ein Gesamtbild von Ereignissen zu konstruieren. So bleiben lediglich einzelne Bilder ohne Zusammenhang, so die Forscher. Für die Betroffenen gibt es demnach keine Vergangenheit oder Zukunft, nur die Gegenwart. war

Quelle: PNAS, Online-Vorabpublikation, DOI: 10.1073/pnas.0610561104, 17.01.07

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