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Neue Allergieauslöser

Ambrosia auf dem Vormarsch

(zil). Laut Experten des bayerischen Gesundheitsministeriums breitet sich die Allergie-auslösende Pflanze Ambrosia in Bayern immer weiter aus. Die äußerst allergenen Pollen sind leicht über den Luftweg übertragbar, weshalb sich immer häufiger Ambrosia-Pflanzen in Hausgärten und an Straßenrändern finden. Das Biologische Bundesamt fordert nun dazu auf, verstärkt auf das Unkraut zu achten und es entsprechend zu entsorgen.

Ambrosia artemisiifolia (Beifußblättriges Traubenkraut) stammt ursprünglich aus Amerika, wo es als Unkraut weit verbreitet ist. Die Pflanze gehört zur Familie der Korbblütler. Obwohl es mehrere Ambrosia-Arten gibt, ist nach dem derzeitigen Wissensstand nur das Beifußblättrige Traubenkraut allergologisch bedeutsam. Das wichtige Inhalationsallergen vermehrt sich ausschließlich über Samen, von denen je nach Ambrosia-Spezies bis zu 60.000 pro Jahr gebildet werden. Die Samen keimen schon ab dem Monat März und erreichen in den Monaten August bis September die höchste Pollenkonzentration. Zwar ist die Pflanze selbst nur einjährig, doch die Samen besitzen eine lange Überlebensfähigkeit von bis zu 40 Jahren, wenn sie sich im Boden festgesetzt haben.

Die Pollen des bis zu zwei Meter hohen Krautes haben ein hohes allergisches Potenzial: bereits eine Berührung löst bei vielen Menschen starken Juckreiz und Hautrötungen aus. Laut der Amerikanischen Allergie- und Asthma-Gesellschaft leiden 10 bis 20% der Amerikaner an einer Ambrosia-Allergie, was ca. 50% der dortigen Allergiker betrifft, zudem gelten die Pollen in den USA inzwischen als Hauptauslöser des allergischen Schnupfens. Wie bei anderen Aeroallergenen kann es durch den Übertragungsweg Luft zu Kreuzreaktionen mit anderen Nahrungsmittelallergenen kommen. Nahrungsmittel-unverträglichkeiten auf Bananen und Melonen wären dann die Folge. Deutsche Allergologen sind besonders wegen der Schwere der beobachteten Krankheitsbilder beunruhigt, vor allem die des allergischen Asthmas, das bei amerikanischen Patienten stark verbreitet ist. Zudem ist bemerkenswert, dass Ambrosia erst dann blüht, wenn die meisten Allergie auslösenden Pflanzen bereits verblüht sind. Auch steigen durch die starke allergologische Potenz der Ambrosia-Pollen die Sensibilisierungsmöglichkeiten für andere Allergene.

Verbreitungsgebiete

Das Beifußblättrige Traubenkraut wurde schon vor 150 Jahren aus Nordamerika über Kanada nach Europa eingeschleppt. Seitdem berichtet die Literatur vom Vorkommen der Pflanze in Ungarn, Kroatien, Regionen in Frankreich, Italien, Polen, Russland und der Schweiz. In Deutschland ist das Auftreten des Unkrauts seit 1863 dokumentiert. Diese Ausbreitung ist deshalb möglich, weil die Samen über größere Strecken durch den Wind getragen oder durch Autos und sonstige Nutzfahrzeuge verschleppt werden. Die Pflanzen besiedeln dann Flächen wie Baustellen, Ackerränder, Brachen, Weg- und Straßenränder. Auch das Aussähen von kontaminiertem Vogelfutter oder Saatgut aus Ambrosia-verseuchten Regionen führt zur Verbreitung der Pflanze.

Eindämmung

Im Sommer 2006 trat in der Schweiz ein angepasstes Pflanzenschutzgesetz in Kraft, bei dem eine Melde- und Bekämpfungspflicht der Ambrosia-Pflanze verordnet und auch der Einsatz von Bußgeldern bei Nicht-Bekämpfung gestattet wurde.

Da die Pflanze sich nun ebenfalls in Deutschland auszubreiten droht, ist hierzulande die Mithilfe jedes einzelnen gefragt. Beim Kauf von Vogelfutter sollte darauf geachtet werden, Ambrosia-freie Ware zu kaufen, auch sollte die Futterstelle auf junge Triebe untersucht werden. Falls man eine Ambrosia-Pflanze findet, sollte man sie mit Handschuhen noch vor der Samenreife mit der Wurzel ausreißen und im Hausmüll entsorgen. Bereits blühende Pflanzen sollten mit Handschuhen und Mundschutz entsorgt werden, Allergikern ist diese Arbeit nicht zu empfehlen. Größere Bestände, z. B. im öffentlichen Grün, sollten an das zuständige Landratsamt gemeldet werden.

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