Arzneimittel und Therapie

Diskussion um Antioxidanzien

Verbraucher werden verunsichert

Die Ergebnisse der im Journal of the American Medical Association veröffentlichten Metaanalyse (siehe S. 47), nach denen antioxidative Vitaminsupplemente negative Auswirkungen auf die Lebenserwartung haben, werden kontrovers diskutiert. Die Autoren postulieren, dass die Einnahme bestimmter Vitaminpräparate die Mortalität erhöht. Befürworter der Supplementation schätzen den Aussagewert der dänischen Studie nur gering ein. Sie warnen vor allem davor, die Verbraucher zu verunsichern.

Kritiker der Studie weisen besonders auf methodische Mängel hin. Die Metaanalyse weise zwar eine statistische Signifikanz auf, doch sich allein darauf zu berufen, reicht nicht aus, es sollte auch die methodische Qualität der Untersuchung hinterfragt werden. So sei es nur schwer nachvollziehbar, nach welchen Kriterien die einbezogenen Studien von den Autoren in zwei Gruppen eingeteilt wurden: Studien mit geringem Risiko für Mängel in der Studiendurchführung (low-risk of bias) und solche mit hohem Risiko für Mängel in der Studiendurchführung (high-risk of bias). In den 21 methodisch fragwürdigen Studien fehlten eine Placebokontrolle oder die Studienabbrecher wurden nicht berücksichtigt. An den 47 Studien, denen eine bessere Qualität bescheinigt wurde, nahmen 180.938 Patienten teil. In diesem Studienarm ergab sich eine signifikant erhöhte Mortalität nach Einnahme der Antioxidanzien, während die Gesamtanalyse keinen statistisch gesicherten Unterschied in der Sterblichkeit ergab. Solch eine Subgruppenanalyse mag aus statistischer Sicht korrekt sein, es lassen sich daraus aber keine Schlussfolgerungen und Empfehlungen für die Allgemeinbevölkerung ableiten.

Kritisch wird auch angemerkt, dass an den meisten der ausgewerteten Studien Probanden beteiligt waren, die bereits erkrankt waren. Vitamine sollen jedoch das Entstehen der Erkrankung verhindern.

Zudem sei es abwegig, die in der Metaanalyse ermittelte Zunahme der Mortalität darauf zurückzuführen, dass synthetische Vitamine eingesetzt wurden, merkte Prof. Dr. Biesalski vom Institut für Biologische Chemie und Ernährungswissenschaften der Uni Hohenheim an. "Der menschliche Organismus unterscheidet weder bei der Aufnahme noch im Stoffwechsel zwischen isolierten Vitaminen in Supplementen und denen aus Lebensmitteln." Biesalski sieht keine Anlass, Antioxidanzien neu zu bewerten. Die Gesellschaft für angewandte Vitaminforschung e.V. betonte, dass sich Verbraucher "nach wie vor sicher fühlen können, wenn sie Nahrungsergänzungsmittel mit Antioxidanzien in der empfohlenen Dosierung zur Gesundheitsvorsorge einnehmen und die geltenden Höchstmengen beachten."

Quelle

Stellungnahme der Gesellschaft für angewandte Vitaminforschung e.V., Potsdam.

Presseinformation der Hermes Arzneimittel GmbH.

Stellungnahme Prof. Dr. H. K. Biesalski, Institut für Biologische Chemie und Ernährungswissenschaften, Uni Hohenheim.ck

Metaanalysen sind statistische Rechenoperationen, mit deren Hilfe die Ergebnisse verschiedener Studien mit der gleichen Fragestellung bzw. die Ergebnisse aller individuellen Patientendaten aus den eingeschlossenen Studien quantitativ zusammengefasst werden können. So kann die Fallzahl und damit die statistische Genauigkeit erhöht werden. Ziel ist es, einen präziseren und stabileren Schätzwert für die Größe der Effekte zu erhalten.

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