Arzneimittel und Therapie

Arzneitherapie bei Frauen

Interpharm 2007
Frauen und Männer unterscheiden sich in vieler Hinsicht, unter anderem auch darin, wie Arzneimittel bei ihnen wirken und metabolisiert werden. Hierzu wird Professor Dr. Petra Thürmann Beispiele demonstrieren. So haben mehrere Studien einen beschleunigten Stoffwechsel verschiedener Arzneimittel, wie Methylprednisolon, Nifedipin oder Verapamil, aufgrund der stärkeren Expression des hepatischen Cytochroms P450 3A4/5 wahrscheinlich gemacht. Andererseits wurden für die Betablocker Propranolol und Metoprolol bei Frauen 80 respektive 40 Prozent höhere Plasmaspiegel als bei Männern beobachtet.
Dieser Unterschied, der auf eine Hemmung der CYP2D6-Aktivität zurückgeführt werden kann, ist noch wesentlich stärker bei Frauen ausgeprägt, die orale Antikonzeptiva einnehmen. Auch der Abbau von Omeprazol über CYP2C19 oder vom selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Sertralin über CYP1A2 scheint durch Östrogene erheblich inhibiert zu werden. Jedoch sind nicht nur Phase-1- sondern auch Phase-2-Reaktionen (beispielsweise Glukuronidierung) betroffen, was sich an der 50 Prozent längeren Halbwertszeit von Acetylsalicylsäure bei Frauen im Vergleich zu Männern zeigt. Dagegen wird die Glukuronidierung von Phenprocoumon durch orale Antikonzeptiva gesteigert. Ob sich diese und andere geschlechtsspezifische Einflüsse tatsächlich auf die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Pharmaka beim Menschen auswirken, wurde bislang nur in einer sehr begrenzten Zahl von Studien untersucht, weil bis vor kurzem Frauen fast grundsätzlich von der Teilnahme an Arzneimittelstudien der Phase 1 ausgeschlossen wurden. Dennoch ist bekannt, dass Frauen signifikant früher aus einer Narkose erwachen oder schlechter auf Ibuprofen als Analgetikum ansprechen.
"Besonderheiten der Arzneitherapie bei Frauen", Prof. Dr. Petra Thürmann, Wuppertal, Samstag, 24. März 2007, auf der Interpharm in Hamburg.
Das vollständige Interpharm-Programm finden Sie in dieser Ausgabe der DAZ.

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