Versandapotheken: Mängelbei der Beratung

BERLIN (ks). Die in Deutschland geläufigen Versandapotheken mausern sich. Bei der Lieferung gibt es kaum noch Anlass zu Beschwerde – die Beratung lässt allerdings oft noch zu wünschen übrig. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest, die für das Oktober-Heft von "Test" erneut deutsche und holländische Versandapotheken unter die Lupe genommen hat. Während vor zweieinhalb Jahren noch die Hälfte der 20 getesteten Versender mit "mangelhaft" abschnitten, ist es nun nur noch einer von 15, der im Test durchgefallen ist.
Stiftung Warentest erkennt Verbesserungen im Lieferservice

Im Test waren 13 deutsche und zwei holländische Versandapotheken sowie zwei Apothekenportale. Überprüft wurden die Beratung zur Medikamentenanwendung – dazu wurden sieben Testanrufe durchgeführt – sowie die Erreichbarkeit, die gemeinsam zu 35 Prozent in die Gesamtbewertung einflossen. Ebenso großes Gewicht wurde dem Bestell- und Lieferservice beigemessen; die Informationen, Funktionen und Benutzerfreundlichkeit der Website gingen mit 30 Prozent in die Bewertung ein. Letztlich reichten die Qualitätsurteile auch im neuen Test von "gut" bis "mangelhaft". Testsieger ist wie schon im Jahr 2005 die Versandapotheke Sanicare aus Bad Laer (1,9). DocMorris schaffte dank erheblich verbesserter Beratung ebenfalls den Sprung auf "gut" (2,2) – im Vortest erhielten die Holländer noch ein "mangelhaft". Mit "mangelhaft" schnitt diesmal lediglich apopack ab – eine Versandapotheke aus Kaiserlautern. Hier war die Beratung völlige Fehlanzeige, sodass auch ein "befriedigend" für den Bestell- und Lieferservice sowie für Website bei der Gesamtbewertung nichts mehr ausgleichen konnten. "Das ist nicht akzeptabel, möglicherweise sogar riskant für Patienten, die falsche Auskünfte bekommen", so die Stiftung Warentest. Nur "ausreichend" mit vielen fehlerhaften Antworten waren zudem Apo-Buy, Medikamente-per-Klick, Shop-Apotheke und Apotal.

Auch die Apothekenportale apotheke.com und aponet.de sowie ihre Partnerapotheken konnten die Tester nicht überzeugen. Hier wählt der Kunde eine Apotheke aus der Anbieterliste aus, die dann den Bestell- und Lieferservice organisiert und zu Medikamentenfragen berät. Über Apotheke.com wurde z. B. ein Grippemittel nach zehn, ein Allergiemittel nach zwölf Tagen angeliefert. Die angeschlossenen Apotheken berieten nur mittelmäßig oder schlechter zur Anwendung von Medikamenten.

BVDVA nimmt Kritik sehr ernst

Johannes Mönter, Inhaber der Sanicare-Inhaber freut sich nicht nur über das gute Abschneiden seiner Apotheke. Als Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Versandapotheken (BVDVA) betonte er: "Es ist gut und wichtig, dass Institutionen wie die Stiftung Warentest regelmäßig die Qualität in Apotheken überprüfen und die deutschen Apotheker an ihren Beratungsauftrag erinnern." Der Verband nehme einige Kritikpunkte sehr ernst, freue sich aber, dass viele der laut Warentest "guten" Versandapotheken das BVDVA-Gütesiegel tragen. Die Verbandsmitglieder, die beim Test der Stiftung nicht mit "gut" bewertet wurden, müssten sich auf verstärkte Kontrollen des Verbandes einstellen. Mönter behielt sich vor, denjenigen das Gütesiegel zu entziehen, die die Defizite nicht kurzfristig und nachhaltig behöben. .