Elektronische Gesundheitskarte und Heilberufeausweis sind testbereit

STUTTGART (av/az). Die Testregion Heilbronn ist bundesweit die erste Region, die in sogenannten dezentralen Anwendertests in Arztpraxen, Apotheken und im Krankenhaus die Funktionalitäten der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) im Zusammenspiel mit dem elektronischen Heilberufeausweis (HBA) testen wird. Hierzu gehört auch das Ausstellen und Einlösen von elektronischen Rezepten. Die Arbeitsgemeinschaft zur Einführung der elektronischen Gesundheitskarte in Baden-Württemberg (ARGE eGK BW) wertet das als großen Erfolg für die Testregion.

Erster Test von Karte und Heilberufeausweis beginnt in Heilbronn: Teilnehmer gesucht

"Das Land Baden-Württemberg und die 20 Mitgliedsorganisationen der ARGE testen mit Versicherten, Ärzten, Apothekern und dem Krankenhaus konstruktiv die vorgesehenen Anwendungen der Karte. Die eGK und der HBA werden im Sommer in den ‚Freilandtest’ gehen. Unser Ziel ist es, in dieser Zeit die Chancen der elektronischen Versichertenkarten auszuloten. Andererseits nehmen wir die Aufgabe ernst, und werden auch helfen, Unzulänglichkeiten der eGK aufzudecken und wo möglich zu beheben", so Dr. Rolf Hoberg, ARGE-Vorsitzender und Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg am 17. Januar 2007 in Heilbronn.

Ab sofort werden Ärzte und Apotheker in Heilbronn gezielt angeschrieben, um sie für die Testteilnahme zu akquirieren. Der Test wird mit rund 25 beteiligten Ärzten, bis zu zehn Apotheken und einer Klinik durchgeführt, um eine überschaubare Testanordnung zu erhalten. Die beteiligten elf Krankenkassen wenden sich an ihre Versicherten, um sie über den Test zu informieren und einzubinden. Insgesamt werden rund 10.000 Versicherte die neue Gesundheitskarte bekommen.

"Im Lauf der letzten Jahre wurden in der Politik, bei Versicherten, den Leistungserbringern und auch bei den Krankenkassen große Erwartungen an die elektronische Gesundheitskarte geweckt – aber auch kritische Stimmen melden sich zu Wort", führt Dieter Hillebrand, Staatsekretär im Ministerium für Arbeit und Soziales des Landes Baden-Württemberg aus. "Die Landesregierung engagiert sich aktiv für die Einführung neuer Technologien. Sie stellt sie aber auch auf den Prüfstand. Deshalb hat die Regierung der Hochschule Heilbronn einen regionalen Forschungsauftrag erteilt. Die Erwartungen und Erfahrungen der ersten Nutzer der eGK sollen ermittelt und ausgewertet werden."

Sicherheit und Zeitaufwand im Mittelpunkt

Die unabhängige wissenschaftliche Begleitung und Auswertung der Tests in Heilbronn wird in der Fakultät für Informatik durchgeführt. Im Fokus der Evaluation stehen unter anderem die Sicherheit der elektronischen Gesundheitskarte sowie der Zeitaufwand im Umgang mit der elektronischen Gesundheitskarte bei Leistungserbringern und Krankenkassen. Weiter geht es um die Wahrung der Patientenrechte, die Barrierefreiheit, Zugangsmöglichkeiten zu einem eKiosk und Möglichkeiten zur Modifikation patientenbezogener Daten.

Auch spezielle Anwendungsfälle der elektronischen Gesundheitskarte hinsichtlich des Einsatzes bei Hausbesuchen, in Pflegeheimen und bei Notfällen werden untersucht. Geleitet wird die zweijährige Studie von Prof. Dr. Oliver Kalthoff und Prof. Dr. Nicola Marsden. Gerade für die Leistungserbringer in Praxen und Apotheken ist die wissenschaftliche Begleitung direkt vor Ort ein wichtiger Aspekt. Die Evaluation durch die Hochschule Heilbronn ergänzt die Begleitung des Tests durch die gematik. "Wir stehen für unsere Ärztinnen und Ärzte hinter dem Test zur elektronischen Gesundheitskarte – und das aus einem einfachen Grund: Wenn wir uns am Test beteiligen, haben wir die Chance, den Prozess konstruktiv mit zu gestalten und die Versprechungen zur eGK im Praxisalltag zu testen. Wer nicht testet, der überlässt das Feld der Großindustrie, die das Projekt liebend gerne umsetzt. Ob sich dann die Bedürfnisse und Interessen der Ärzte aber in der eGesundheitskarte wiederfinden, wage ich zu bezweifeln", fasst KVBW-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Zalewski zusammen.

Apotheken gut gerüstet

Die KV tritt nun gemeinsam mit der Landesärztekammer in die Phase der Teilnehmerakquise ein. Gleiches leisten die Landesapothekerkammer und der Landesapothekerverband für ihren Bereich. "In unseren Apotheken finden Sie ein gut bestelltes Feld hinsichtlich der Verwendung und dem Verständnis moderner EDV", versichert Dr. Günther Hanke, Präsident der Landesapothekerkammer. Hanke betonte: "Mit der elektronischen Gesundheitskarte machen wir einen weiteren Schritt im System der patientenindividuellen, sicheren Arzneimittelversorgung durch die Vor-Ort-Apotheke." Er sei davon überzeugt, dass die elektronische Gesundheitskarte auch dadurch ein Erfolg werde. Zuvor gelte es aber durch ausführliche Tests Risiken zu minimieren und sachliche Informationen zu geben.

Für eine Erfolg versprechende Testanordnung, musste nach Vorgaben der gematik mbH eine räumliche Eingrenzung vorgenommen werden. Für die Testregion Heilbronn erfüllen der Stadtteil Heilbronn-Sontheim, die Gemeinden Leingarten und Güglingen die Anforderungen. Außerdem ist es sinnvoll, dass Allgemeinärzte und Fachärzte mit einem höheren Anteil an älteren und chronisch kranken Patienten an dem Test teilnehmen. Eine zentrale Lage einer Praxis mit naher Apotheke erleichtert die Umsetzung der Anwendungen. Auch muss die vorhandene technische Ausstattung der Praxis so gestaltet sein, dass die Testanwendungen dort aufgesetzt laufen können. Ärzte und Apotheker werden in den kommenden Wochen auf speziellen Veranstaltungen zusätzliche Informationen zum Test der eGK in Heilbronn erhalten und sich dann als Test-Arzt oder Test-Apotheker bewerben..

Apotheken gesucht – Neben rund 10.000 Versicherten, 25 Ärzten und elf Krankenhäusern sollen auch bis zu zehn teilnahmewillige Apotheken akquiriert werden.
Foto: TK

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