Avie-Prognose: 2015 nur noch 15.000 Apotheken

FRANKFURT/MAIN (ks). Thomas Kerckhoff, Geschäftsführer der Apothekenkooperation Avie, sieht die Apothekenlandschaft in einem unaufhaltsamen Wandel begriffen: "Innerhalb der nächsten Jahre wird sich die Zahl der Apotheken von jetzt 21.500 auf etwa 15.000 reduzieren", erklärte er am 20. Juni in Frankfurt. In seinen Augen besteht deshalb jedoch kein Grund zur Sorge.
Kerckhoff wirbt für Kooperationen

Kerckhoff, einst Vorreiter in Sachen Arzneimittelversandhandel und Begründer des Bundesverbands Deutscher Versandapotheken, ist heute als Avie-Geschäftsführer überzeugt, dass das Fremdbesitzverbot für Apotheken schon in Kürze fallen wird. Bestätigen lässt er sich seine Prognose von Dr. Martin Gersch, einem Privatdozenten für Wirtschaftsinformatik an der Ruhr-Universität Bochum: "Die Übernahme von DocMorris durch Celesio ist nur eine besonders beachtete Episode einer fundamentalen und unumkehrbaren Veränderung des Apothekenmarktes", meint dieser. Denn der Apothekenmarkt wecke auch bei branchenfremden Kapitalgebern Begehrlichkeiten. Neben den Drogeriemärkten und weiteren potenziellen Trägern von Apothekenketten bereiteten sich auch andere Akteure mit neuen Geschäftssystemen auf die Teilnahme am Arzneimittelhandel vor. Die Bandbreite der Unternehmen reiche von Lebensmittel-Einzelhändlern bis zu Wohnungsbaugesellschaften, so Gersch.

Kerckhoff sieht dennoch nicht schwarz für die Apotheker und die Patienten – und natürlich auch nicht für Avie. "Trotz der deutlich geringeren Apothekendichte wird der Kunde eine erhebliche Verbesserung von Preis und pharmazeutischer Leistung in der Offizin erleben", prognostiziert er. Denn das Eindringen von Kapitalgesellschaften werde einen aggressiven Wettbewerb über Service und Preis in der Apotheke um den Kunden einläuten. Kerckhoff geht davon aus, dass gut die Hälfte der heute noch eigenständigen Apotheker ihre unternehmerische Selbstständigkeit verlieren wird.

Apothekern, die "trotz dieser dramatischen Veränderungen selbstständig am Markt bestehen wollen", empfiehlt er, sich frühzeitig einer Verbundgruppe anzuschließen. So biete nach seiner Auffassung das Franchiseunternehmen Avie eine zukunftssichere Perspektive. Bislang bekennen sich allerdings erst rund 50 Apotheken in Deutschland zum kostspieligen Avie-Konzept. Die Kooperation, hinter der der Arzneimittelimporteur Kohl als Gesellschafter steckt, hatte noch im Februar verkündet, in diesem Jahr die Zahl der Avie-Apotheken zu verdoppeln. Wer die Avie-Website genauer studiert, muss zu dem Schluss kommen, dass das Unternehmen von diesem Ziel noch weit entfernt ist. Ob das Beschwören "fundamentaler Änderungen im Apothekenmarkt" etwas daran ändert, wird sich weisen..

Thomas Kerckhoff

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