Glosse: Anleitung zum Glücklichsein oder wie betreibe ich eine (Prä-)Apotheken

Angesichts der neuesten Ereignisse im Apothekenmarkt mag sich mancher fragen, wie ein Franchise- oder Prä-Kettenmodell funktionieren kann. Vielleicht haben Sie sich sogar schon einmal gefragt, wie man selbst so eine Franchisekette aufziehen kann. Deshalb hier eine kleine, fachmännische Anleitung (Ähnlichkeiten mit real existierenden Modellen sind rein zufällig und natürlich nicht gewollt).

1. Kaufe ein geeignetes, am besten schon marktbekanntes Unternehmen und halte Deine Aktivitäten im-mer schön ausgegliedert. Man weiß ja nie. Solange der Rubel rollt, tut es ein zünftiger Gewinnabführungsvertrag. Vielleicht kommt aber der Tag, an dem man das Geschäft doch lieber schnell wieder los wäre. Notfalls lässt man den Laden einfach pleite gehen.

2. Nimm Eintrittsgebühr in Deinen Verein! Und zwar nicht zu knapp. Mehr ist hier wirklich mehr. Wer mit-verdienen will, muss erst einmal leiden. Zudem: Was man vorab in der Kasse hat, nimmt einem keiner mehr! Packe dies in wohlklingende Markennamen, viel Brimborium und eine Ummöblierung der Apotheke. Merke: Lackiere lediglich neu, berechne aber eine neue Einrichtung!

3. Die Leidensgeschichte der Teilnehmer (ergo: Dein Gewinn!) erschöpft sich natürlich nicht in der Startgebühr. Richtig Spaß machen die laufenden Einnahmen. Doch sei hier anfangs vorsichtig, verschrecke die Deinen nicht zu sehr. Das holst Du später über satte Steigerungen locker wieder rein. 10% mehr pro Jahr – warum denn nicht? Wenn die Gewerkschaft schon 6,5% mehr fordert ... Schließlich wird alles teurer. Denke nur, was Dein S-Klasse-Benz vor zehn Jahren gekostet hat, und was heute! Und wer wird schon seine teure Ummöblierung so einfach wieder aufgeben und das Markenlabel wieder abschrauben? Wäre doch Selbstmord. Und so viel lässt Du den Deinen schon noch übrig, dass solche finsteren Gedanken nicht aufkommen. Schließlich bewegen wir uns im Heilberufsmarkt, und ein soziales Gewissen hast Du doch auch, zumindest rudimentär?

4. Unterstütze Deine Schäfchen, wo Du kannst. Einige Beispiele:

  • Betriebswirtschaft ist den meisten Apothekern schon immer ein Gräuel gewesen. Tu was dagegen! Der gemeinsame Steuerberater – mit Online-Zugang in den Apothekenrechner – nimmt diesen lästigen Druck auf die Kollegen. Die BWA verdichtet sich auf eine Zahl – was als "Gewinn" (Gehalt?) noch übrig bleibt. Alles andere verwirrt nur. Die sollen schließlich beraten, vor allem aber verkaufen. Kassieren tun andere, die haben ja BWL studiert und das von der Pike auf gelernt ... Ein jeder nach seinen Fähigkeiten!
  • Ermuntere Deine Mitglieder zur Filialisierung! Helfe auch hier, wo Du kannst. Besorge zum Beispiel geeignete Ladenlokale, die Du grundsätzlich selbst anmietest (siehe Punkt oben: Fernhalten von lästigen, nicht-pharmazeutischen Tätigkeiten). Lege auf die Miete im Untermietvertrag 10 Euro oben drauf. Pro Quadratmeter, versteht sich.
  • Leiste auch Hilfestellung beim Einkauf und biete die Zentralregulierung an! Führe die Verhandlungen mit den Lieferanten selbst. Achte darauf, dass nur Du und die Hersteller die Konditionen kennen. Behalte mindestens 10%-Punkte der jeweiligen Kondition ein. Den Rest packst Du in möglichst wohlklingende, bloß nicht zu einfach zu durchschauende Saison-, Erfolgs- und Zielvereinbarungsmodelle. Die kaufmännische Logik dahinter kennst nur Du.
  • Vergiss die Krankenkassen nicht! Natürlich verdient man am Rezept nichts mehr, so jedenfalls tönt es an der Basis. Lass sie das weiter reden – Du weißt es besser! Deshalb laufen Versorgungs- und Rabattverträ-ge bevorzugt über Dich. Behalte auch hier Deinen reichlichen Anteil ein. Die Details kennen wiederum nur Du und Deine Vertragspartner – das ist sehr wichtig! Vergiss aber an dieser Stelle nicht, laut über die gierigen Kassen und die mickrigen Renditen zu klagen. Kein Tanz ohne die richtige Begleitmusik!

5. Wähle Deine Schäfchen mit Bedacht. An dieser Stelle ist weniger tatsächlich mehr! Gut, der Standort sollte stimmen. Ein Ladenlokal, in das sich 20 Kunden am Tag verirren, davon die Hälfte, um nach dem Weg zum nächsten Grillplatz zu fragen, ist sicher nicht der Bringer. Selbst wenn Du solche Angebote reichlich zu besten Konditionen bekommst – halte Dich in Deiner Gier zurück! Bei manchen Läden ist selbst mit Draufzahlen nichts mehr zu machen. Kein Wunder, dass die sich nur auf Deine Kosten zu sanieren glauben! Aber sei vor allem mit der Wahl der Person achtsam. Merke: Große Organisationen funktionieren nach dem Prinzip der "Regression zum Mittelwert (= hier Mittelmaß)". Und Du willst doch groß werden, oder? Deshalb: Lieber weniger im Kopf, dafür fixer auf den Beinen. Mehr arbeiten, weniger fragen! Rezepte beliefern und Aspirin über die Theke schieben können viele. Aber das Ganze mit der nötigen Portion Frechheit und Skrupellosigkeit steuern – das können sie nicht. Das ist Dein Vorteil! Nutze ihn!

6. Sieh zu, dass dieser Artikel verschwindet, und am besten auch das ganze Blatt, in dem er steht! Sonst lesen das womöglich die anderen und wachen doch noch auf. Dann tritt womöglich der zweite Teil von Punkt 1 (siehe oben) schneller ein als gedacht! .

Dr. Reinhard Herzog

Philosophenweg 81

72076 Tübingen

E-Mail: Heilpharm.andmore@t-online.de
Reinhard Herzog, Apotheker und Ökonom

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