Pharmaspektrum

Bieterwettstreit um Betapharm

AUGSBURG (tmb). Die internationale Konzentration in der Generikabranche hat erneut einen deutschen Hersteller zum Ziel. Für die Augsburger Betapharm, den viertgrößten deutschen Generikaanbieter, interessieren sich offenbar zwei bedeutende indische Unternehmen.

Nachdem bereits Anfang Februar in verschiedenen Zeitungen über ein Angebot des indischen Generikaherstellers Dr. Reedy's Laboratories in Höhe von 466 Millionen Euro berichtet worden war, meldeten der indische "Business Standard" und das "Wall Street Journal Asia" am 8. Februar ein weiteres Übernahmeangebot. Demnach biete ein anderer indischer Generikaproduzent, die Ranbaxy Laboratories, sogar 500 Millionen Euro. Im Gegensatz zu Dr. Reedy's ist Ranbaxy bereits auf dem deutschen Markt vertreten. Das Unternehmen hatte 2000 von Bayer den Generikahersteller Basics GmbH übernommen.

Eigentümer von Betapharm ist die britische Beteiligungsgesellschaft 3i, die das Unternehmen 2004 von der Hexal-Gründerfamilie Strüngmann gekauft hatte. Von keinem der angesprochenen Unternehmen liegen bisher aussagekräftige Stellungnahmen zu den gemeldeten Angeboten vor. Dies lässt Raum für Spekulationen über weitere mögliche Interessenten. Genannt wird dabei – wie immer bei Übernahmegerüchten zu großen deutschen Generikafirmen – die israelische Teva. Denn der bedeutende deutsche Markt gilt als wichtige Lücke im Portfolio dieses international tätigen Generika-Riesen. Die Übernahme eines großen deutschen Anbieters durch Teva wird daher schon lange erwartet.

Doch auch die Angebote der beiden indischen Unternehmen erscheinen plausibel, weil die Inder den Zugang zu neuen großen Märkten brauchen, um ihre auf Expansion angelegten Strategien fortsetzen zu können. Die gemeldeten Kaufpreise würden Betapharm mit dem gut dreifachen Umsatz ähnlich bewerten wie andere Generikaunternehmen bei früheren Übernahmen. Denn die Schweizer Novartis hatte für Hexal und Eon Labs 5,65 Milliarden Euro und damit das 3,1-fache des Umsatzes gezahlt. Im Jahr 2004 hatte Betapharm 161 Millionen Euro umgesetzt. Im Jahr 2005 setzten die beiden indischen Unternehmen, die nun als mögliche Käufer für Betapharm im Gespräch sind, nach eigenen Angaben 1178 Millionen US-Dollar (Ranbaxy) und 446 Millionen US-Dollar (Dr. Reedy's) um.

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