Ernährung aktuell

Vitamine und Mineralstoffe: Wie viel ist zu viel?

Nicht nur zu wenig, auch zu viel Vitamine und Mineralstoffe können ungesund sein. Das ist bekannt - zumindest in Fachkreisen. Noch vor wenigen Monaten hätten Europas Wissenschaftler allerdings keine einheitliche Antwort auf die Frage geben können, wo die Grenze liegt zwischen gesund und nicht mehr gesund. Das hat sich nun geändert.

Für 15 Nährstoffe hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA ein "Tolerable Upper Intake Level" festgelegt. Das ist die Menge, die auch bei langfristiger täglicher Aufnahme keine Gesundheitsrisiken birgt. Die europäischen Upper Level (UL) gelten für die Vitamine A, D, E, Niacin, B6 und Folsäure sowie für die Mineralstoffe beziehungsweise Spurenelemente Fluor, Jod, Kupfer, Molybdän, Selen, Zink, Bor, Calcium und Magnesium (s. Tabelle). Keinen Grenzwert brauchen nach Auffassung der EFSA die Vitamine B1, B2 und Biotin. Auch bei hohen Zufuhrmengen wurden bei ihnen bisher keine schädlichen Wirkungen beobachtet.

Sechs Jahre lang prüften die Wissenschaftler der europäischen Gremien alle verfügbaren Studien. "Erst war der wissenschaftliche Lebensmittelausschuss SCF zuständig, dann die EFSA", berichtete Prof. Dr. Hildegard Przyrembel vor kurzem auf der internationalen Konferenz des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) "Food Supplements in Europe". Dennoch kann die Behörde bei einigen Nährstoffen wie Betacaroten, Vitamin C oder Eisen noch keine abschließende Bewertung abgeben. Für bestimmte Personengruppen gibt es Hinweise auf nachteilige Wirkungen bei sehr hohen Dosierungen, teilweise werden sie aber auch nur vermutet. Es fehlt an eindeutigen Dosis-Wirkungs-Beziehungen.

"Die Upper Level sind die bestmöglichen Ergebnisse zum gegebenen Zeitpunkt, der Bewertungsprozess wird jedoch weitergehen", betonte Przyrembel. So kommen verschiedene Expertengremien auch zu unterschiedlichen Einschätzungen: Der amerikanische Food and Nutrition Board (FNB) verwendet z. B. für Vitamin E einen anderen Sicherheitsfaktor und hält 1000 Milligramm Vitamin E täglich für unproblematisch (europäischer UL: 300 mg/d). Trotz aller Unsicherheiten sind die Obergrenzen der EFSA eine wichtige Grundlage für die nächsten Schritte: Erst muss die tägliche Nährstoffaufnahme der europäischen Bevölkerung abgeschätzt werden. Wenn auch diese Herausforderung bewältigt ist, dann ist es nicht mehr weit bis zu dem Zeitpunkt, an dem in Europa einheitliche Höchstmengen für die Anreicherung von Lebensmitteln und für Vitamin- und Mineralstoffpräparate beschlossen werden können. aid/ral

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