Erste Hilfe

I. BlankErstversorgung von Wunden – schnell un

Jederzeit kann es zu Unfällen mit kleineren oder größeren Verletzungen kommen. Die Verletzten und deren Angehörige sind dann oft hilflos oder reagieren falsch. Ein Apotheker sollte jedoch imstande sein, Verletzten professionell zu helfen. Die effektiv durchgeführte Erstversorgung einer Wunde verhindert einen größeren Blutverlust und verringert das Risiko einer Infektion. Die weiteren Maßnahmen richten sich im Wesentlichen nach der Art und dem Schweregrad der Verletzung. Der Apotheker sollte beurteilen können, ob er einen Rettungsdienst rufen muss oder ob er dem Verletzten empfiehlt, eine Arztpraxis aufzusuchen.

So verschieden Wunden auch sein mögen, ihre Heilung läuft immer nach dem gleichen dreiphasigen Schema ab. Dessen einzelnen Phasen überschneiden sich zeitlich.

  • Entzündungsphase (Exsudationsphase). Nach einer Verletzung setzt die Aktivierung der Blutgerinnung ein. Es entsteht ein Blutpfropf, der die Wunde verschließt und vor Infektionen schützen soll. Zusätzlich reinigt eine starke Wundsekretion die Wunde.
  • Gewebsbildungsphase (Granulationsphase). In dieser zweiten Phase bildet sich neues, gut durchblutetes Gewebe.
  • Regenerationsphase (Epithelisierungsphase). Nach Rückbildung der Blutgefäße füllt sich die Wunde mit faserreichem Bindegewebe. Darüber bildet sich eine Narbe, die anfangs blutrot erscheint, später fester wird und sich nach und nach farblich dem umliegenden Gewebe angleicht.

Welches Verbandmaterial nehmen?

Eine blutende Wunde sollte an den Wundrändern zuerst mit einem nicht reizenden Desinfektionsmittel behandelt und dann zum Schutz abgedeckt werden. Nur reißt die Wunde leider bei jedem Verbandwechsel immer wieder auf, was die Wundheilung verzögert. Für eine störungsfreie Wundheilung gibt es verschiedene Wundauflagen:

  • Die Saugkompressen dienen sowohl zur Blutstillung als auch zur Aufnahme des Wundsekretes. Sie schützen vor Durchnässung und polstern die empfindliche Wunde nach außen hin ab. Ihr großer Nachteil besteht in der Tendenz, mit der Wunde zu verkleben.
  • Solange die Wunde nicht trocken ist, sind silberbeschichtete Kompressen vorzuziehen, weil sie nicht mit der Wundoberfläche verkleben. Man kann sie mit einem Stück Heftpflaster oder besser mit einem hautfreundlichen Rollenpflaster fixieren. Es haftet gut, ist aber trotzdem ohne Schmerzen ablösbar und enthält keine allergenen Bestandteile.
  • An Arm oder Bein wird eine Mullbinde gute Dienste tun.
  • Für eine flächige Abdeckung dient ein vollflächig klebendes Fixierpflaster.

Die Erstversorgung Verletzter

Der Verletzte sollte sich hinsetzen oder besser hinlegen, um seinen Kreislauf zu schonen. Es besteht die Gefahr, dass ihm übel wird oder dass er das Bewusstsein verliert. Um sich selbst und den Verletzten vor Infektionen zu schützen, sollte der Erstversorger Einmalhandschuhe tragen. Eine Wunde niemals mit der nackten Hand berühren! Fremdkörper nicht aus der Wunde entfernen, weil dies die Blutung verstärken kann. Um nicht zusätzliche Infektionsquellen zu schaffen, dürfen Wunden nicht ausgewaschen werden (Ausnahme: Verbrennungen oder Bisswunden). Ebenso werden keine Medikamente oder Hausmittel in die Wunde eingebracht (Ausnahme: Schürfwunden, s.u.).

Jede größere Wunde muss innerhalb von sechs Stunden von einem Arzt endgültig beurteilt und versorgt werden. Sie sollte so wie vorgefunden mit einem möglichst keimfreien Verband abgedeckt werden.

Professionell verbunden wird eine stärker blutende Wunde in folgender Weise: Wunde mit einer sterilen Kompresse säubern, anschließend mit einer weiteren sterilen Kompresse vollständig abdecken. Falls nötig, diese durch ein Fixierpflaster befestigen und danach eine elastische Mullbinde anlegen. Diese kann wiederum mit einem Fixierpflaster oder speziellen Klammern vor dem Verrutschen gesichert werden.

Ein Verletzter muss unbedingt zum Arzt, wenn eine Kopf- oder Bissverletzung oder eine schwere Verbrennung vorliegt, wenn Zweifel bestehen, wie schwer wiegend die Verletzung ist, oder wenn sich die Blutung nicht stoppen lässt. Weiterhin empfiehlt sich ein Arztbesuch, wenn der Verdacht besteht, dass Nerven (Taubheitsgefühl) oder Sehnen betroffen sind (eingeschränkte Beweglichkeit), oder wenn sich die Wunde schmerzhaft verändert (Schwellung, Rötung).

Schürfwunden

Schürfwunden sind Verletzungen der obersten Hautschicht (Epidermis), die durch geradlinig streifende Gewalteinwirkung auf die Haut entstehen. Häufig treten sie nach einem Sturz an Ellenbogen und Knie auf. Typisch sind unregelmäßige Wundränder und evtl. kleine Steinchen oder Verunreinigungen in der Wunde.

Bei Schürfwunden steht der Schmerz im Vordergrund. Blutungen sind eher selten, da tiefer liegende Hautschichten meist nicht betroffen sind. Falls diese beteiligt sind, dann als punktförmige kleinere Blutungen. Bei Schürfwunden tritt Gewebsflüssigkeit aus der Wunde, da der Organismus sofort nach der Verletzung die Wundfläche mit Fibrin, Thromben und Blut füllt.

Die Gefahr einer Wundinfektion ist recht hoch, daher sollen Schürfwunden vorsichtig mit einem alkoholfreien Wunddesinfektionsmittel von Verunreinigungen gesäubert und anschließend, je nach Größe, mit sterilem Heftpflaster oder steriler Kompresse abgedeckt werden, wobei die Kompresse durch parallel angebrachte Pflasterstreifen fixiert wird. Nicht steriles Material wie Papiertaschentücher sind für den Wundverband nicht geeignet. Bei größeren Schürfwunden ist es richtig, im Anschluss an die Erstversorgung einen Arzt aufzusuchen, da sich doch noch Fremdkörper in der Wunde befinden können, die eine Infektion auslösen. Der Arzt entscheidet dann, ob die Wunde mit steriler Bürste und Desinfektionsmittel zu reinigen ist.

Während der Granulationsphase (s.o.), die bei Schürfwunden bis zehn Tage dauert, ist der Körper bestrebt, die Wunde selbsttätig zu schließen. Er bildet vermehrt Fasern, die die Wundfläche verkleinern und die Wundränder dadurch näher zusammen bringen. In der anschließenden Regenerationsphase werden die Fasern immer stabiler, bis die Wunde nach etwa zwei Wochen vollständig geheilt ist. Eine Wundinfektion kann diese Zeit erheblich verlängern.

Der Verband ist nur so lange nötig, bis sich auf der Wunde ein Schorf gebildet hat. Danach kann die Wunde unbedeckt besser abheilen. Der Schorf sollte nicht entfernt werden, da er für die sich darunter bildende neue Haut ein optimaler Schutz ist. Ebenso sollte bei Schürfwunden im Gelenkbereich die sportliche Betätigung, vor allem Wassersport, eingeschränkt werden, um ein Einreißen oder Ablösen des Schorfes zu vermeiden, was den Heilungsprozess verlängern würde.

Platzwunden

Platzwunden entstehen durch Einwirkung von stumpfer Gewalt an Körperstellen, an denen direkt unter der Haut ein Knochen liegt und nur wenig Unterhautfettgewebe vorhanden ist. Typische Beispiele sind die Kopfplatzwunde bei einem Sturz oder die Platzwunde am Schienbein beim Fußballspiel.

Unter dem heftigen Druck zerplatzen das Hautgewebe sowie Blutgefäße. Dadurch entstehen Wunden mit unregelmäßigen, zerfetzten und schlecht durchbluteten Wundrändern. Unter den Wundrändern bilden sich oft Taschen, in denen sich Schmutz, Staub oder Ähnliches verstecken kann. Die Wundränder sehen meist bläulich aus, da sie blutunterlaufen sind. Oft ist das Gewebe nekrotisch, also völlig zerstört.

Das Ausmaß einer Platzwunde ist nicht immer zweifelsfrei feststellbar, da sowohl eine Sickerblutung als auch eine spritzende arterielle Blutung auftreten kann. Die Infektionsgefahr ist besonders bei stark zerklüfteten Platzwunden sehr hoch. Besonders starke Schmerzen treten auf, wenn der Knochen mit verletzt wurde.

Die Versorgung der Wunde beginnt mit der Blutstillung. Sickerblutungen wie auch leichte Blutungen werden mit sterilen Kompressen der passenden Größe abgedeckt und mit einer elastischen Mullbinde fixiert. Seltener sind arterielle Blutungen zu versorgen. Sollte ein Verband durchbluten, so wird er nicht wieder abgenommen, sondern es wird zusätzlich ein Druckverband angelegt: Auf den durchbluteten Verband wird ein Druckpolster (etwa ein Verbandpäckchen, Rollenbinde oder zusammengefaltete Kompressen) gelegt, und dann wird er mit einer weiteren Binde unter Druck umwickelt. So sollte die Blutung zum Stillstand kommen. Ein Hochlagern der verletzten Körperstellen unterstützt die Blutstillung.

Bei Platzwunden ist die Reinigung der Wunde zu unterlassen, da eventuell in der Wunde befindliche Fremdkörper noch tiefer in die Wunde gedrückt werden könnten. Damit Platzwunden ohne Infektion und Narbenbildung verheilen, ist es richtig, sie immer von einem Arzt weiterbehandeln zu lassen. Er kann die Wunde gründlich reinigen und desinfizieren, sowie die zerfetzten Wundränder mit dem Skalpell gerade schneiden. Nur so ist eine schnelle und problemfreie Wundheilung möglich.

Bei Platzwunden am Kopf sollte in jedem Fall ein Arzt konsultiert werden, da er durch Röntgen oder Computertomographie eine mögliche Schädelverletzung feststellen und falls nötig behandeln kann.

Schnittwunden

Verletzungen der Haut durch scharfe und scharfkantige Gegenstände wie Messer oder Glasscherben führen zu mehr oder weniger stark blutenden Schnittwunden. Weil bei dieser Wundart die Haut durchschnitten wird, klaffen die Wundränder häufig weit auseinander. Bei tieferen Schnitten kommt es zu starken Blutungen. Die Gefahr einer Wundinfektion ist eher gering, weil das austretende Blut Schmutzpartikel und Krankheitserreger aus der Wunde ausspült.

Bei tieferen Schnitten können Sehnen oder Nerven verletzt sein. Symptome wie Gefühlsstörung, Einschränkungen bei der Beweglichkeit oder etwa eine Lähmung weisen darauf hin und bedürfen dringend der ärztlichen Behandlung.

Kleinere, oberflächliche Verletzungen kann auch der Laie schnell behandeln. Die Umgebung der Wunde sollte zuerst bis nahe an die Wundränder desinfiziert werden. Die Schnittwunde selbst wird nicht berührt oder desinfiziert! Dann wird ein Heftpflaster aufgeklebt.

Aufklaffende Wundränder kann man mit sterilen Pflasterstreifen (z.B. Steri-Strip) zusammenhalten. Sollte die Wunde länger als ein Zentimeter sein, muss möglichst innerhalb von sechs Stunden ein Arzt aufgesucht werden, der die Wunde näht, klammert oder - im Gesichtsbereich - mit Gewebekleber verschließt. Nach dieser Zeit setzt schon die offene Wundheilung ein, welche keine chirurgische Versorgung mehr zulässt. Die Wunde müsste dann offen ausheilen, was sehr viel länger dauert und eine größere Narbe hinterlässt. Ebenfalls sollte der Verletzte bei zunehmender Schwellung, Rötung oder Schmerzen der Schnittwunde zum Arzt gehen.

Stark blutende Schnittwunden sind wie Platzwunden (s.o.) zu versorgen. Ist allerdings eine größere Arterie an den Extremitäten verletzt und die Blutung auch durch einen Druckverband nicht zu stoppen, kann eine zeitweise Unterbrechung der Blutzufuhr nötig sein. Dazu werden die Arterien an bestimmten Stellen, wo man den Puls fühlen kann, mit mehreren Fingern gegen den darunter liegenden Knochen gepresst. Am Oberarm ist diese Stelle am innenseitigen Rand des Bizeps zu finden, am Bein eignet sich besonders die Mitte der Leistenbeuge zum Abdrücken. Während eine Person so die Blutung stoppt, sollte möglichst eine zweite Person die Schnittwunde verbinden. Dagegen soll man Arme oder Beine nicht mit Hilfsmitteln wie Gürtel oder Seil komplett abbinden, da dadurch schwere Schäden wegen fehlender Durchblutung zu erwarten sind.

Schnittwunden in der Nähe von Gelenken wird der Arzt mittels einer Schiene ruhig stellen, weil die Wundränder dann schneller zusammenwachsen. Sind Wunden genäht oder geklammert worden, wird das Nahtmaterial etwa am zehnten Tag entfernt.

Richtig versorgte Schnittwunden heilen meist problemlos, jedoch bleibt eine Narbe zurück. Verläuft diese über ein Gelenk oder ungünstig über eine Beugefalte der Haut, kann sie die Beweglichkeit einschränken, doch kann eine kosmetische Operation den Betroffenen helfen.

Riss- und Quetschwunden

Riss- und Quetschwunden entstehen durch das Einwirken von stumpfer Gewalt auf einen Körperteil mit Weichteilgewebe (vgl. Platzwunden). Das Ausmaß der Quetschung ist rein äußerlich meist nicht abzuschätzen, da vor allem tiefer liegende Hautschichten mit betroffen sind. Große Blutergüsse und Ödeme können sich anfangs unentdeckt bilden, da Blut und Lymphflüssigkeit in umliegendes Gewebe eindringen. Die Wundränder sehen zerfetzt aus, das Gewebe in Wundnähe ist blass oder blassbläulich verfärbt. Tiefere Hautschichten sind unregelmäßig eingerissen. Große Quetschungen können vor allem an den Extremitäten zu Durchblutungsstörungen führen, die bleibende Schäden verursachen.

Die Erstversorgung von Riss- und Quetschwunden beschränkt sich auf die keimfreie Abdeckung der Wunde mittels sterilen Mullkompressen, eventuell bei großflächigen Quetschungen auch sterilen Verbandtüchern, die mit elastischen Binden fixiert werden.

Riss- und Quetschwunden müssen in jedem Fall durch einen Arzt behandelt werden, der die Verletzung von Blutgefäßen, Nerven oder Muskeln feststellt und die Wunde chirurgisch versorgt. Die Infektionsgefahr ist sehr hoch, wenn sich eingeschleppte Keime und Schmutz in der Wunde befinden. Wegen der Zerstörung von Gewebe und der geringen Blutungsneigung ist die Widerstandskraft gegen Eitererreger gering, die Heilung dadurch erschwert. Wundödeme und Blutergüsse erhöhen den Druck auf das umliegende Gewebe, was starke Schmerzen auslöst. Daher ist nach der Wundversorgung eine rasche Kühlung der betroffenen Stellen sinnvoll.

Bisswunden

Zu Bissverletzungen kommt es häufig durch Hundebisse, aber ebenso können uns Katzen oder andere kleine Haustiere beißen. Seltener sind Verletzungen durch wildlebende Tiere wie etwa Füchse oder Schlangen. Nicht zu unterschätzen sind aber auch Bisse durch Menschen.

Bisswunden sind ungleichmäßig tief und sehr verschieden. Die obere Hautschicht ist zerstört, es blutet aus der Wunde. Großflächige Abschürfungen können ebenso auftreten, wie tief ins Gewebe reichende Löcher durch scharfe Zähne. Bei Bissen durch stärkere und größere Tiere sind zusätzlich Quetschungen im Wundbereich anzutreffen. Infektionen, die vor allem bei tiefen Bisswunden zu Komplikationen führen können, drohen hauptsächlich durch Keime aus dem Speichel. Symptome für eine Wundinfektion sind vor allem Rötung und Schwellung sowie Schmerzen und eine Überwärmung der Wunde.

Um die Gefahr der Infektion zu mindern, sollte die Blutung nicht sofort gestillt werden, es sei denn, eine Arterie ist verletzt. Die Blutung hat eine reinigende Wirkung. Tiefe Verletzungen sind mit sauberem Wasser, wenn möglich mit einer Natriumchloridlösung auszuspülen. Anschließend wird ein alkoholfreies Wunddesinfektionsmittel aufgetragen. Nach dem Abtrocknen der Wunde wird diese mit sterilen Kompressen abgedeckt und verbunden. Wunden an Arm oder Bein sollten, wenn die Blutung gering ist, locker verbunden und hoch gelagert werden. Starke Blutungen werden mit einem festeren Verband versorgt.

In jedem Fall soll nach Bissverletzungen umgehend ein Arzt aufgesucht werden, der die Wunde säubern und nekrotisiertes Gewebe entfernen kann. Der Arzt entscheidet je nach Zustand der Bisswunde, ob die Wunde genäht wird oder offen ausheilen muss. Er überprüft die Notwendigkeit von Impfungen und führt diese, wenn erforderlich, durch. Besonders wichtig ist hier die Tetanus-Impfung.

Verbrennungen

Die Gefahr einer Verbrennung besteht u.a. durch Feuer, heißes Wasser oder Wasserdampf (Verbrühung), eine erhitzte Herdplatte, Reibung (z.B. durch schlecht sitzende Schuhe) und UV-Strahlung (Sonnenbrand). Verbrennungen sind die schmerzhaftesten äußeren Verletzungen. Schon bei Einwirkung von Temperaturen ab 50 °C kommt es wegen der schlechten Wärmeleitfähigkeit der Haut zur Schädigung. Je länger die hohen Temperaturen einwirken, desto intensiver ist die Gewebeschädigung in tieferen Hautschichten.

Verbrennungen 1. Grades beschränken sich auf die Oberhaut. Sie führen zu Hautrötungen, Schwellungen und Schmerzen. Nach wenigen Tagen sind diese Erscheinungen verschwunden, und es bilden sich keine Narben.

Bei Verbrennungen 2. Grades ist zusätzlich auch der obere Teil der Lederhaut betroffen. Je nach Heftigkeit der Verbrennung bilden sich sofort oder noch nach Stunden Blasen, die prall mit Flüssigkeit gefüllt sind und eine recht stabile Haut haben. Die Blasen sollten wegen der Infektionsgefahr des Wundgrundes nicht aufgestochen werden, die austretende Wundflüssigkeit wäre ein idealer Nährboden für Bakterien. Verbrennungen 2. Grades schmerzen stark, weil die Funktion von Tast- und Schmerzrezeptoren, Drüsen und Haarwurzeln erhalten bleibt (zur Schmerzstillung Acetylsalicylsäure oder Paracetamol geben). Die Wundheilung kann zwei bis drei Wochen dauern, es bilden sich aber keine Narben. Bei größeren betroffenen Gebieten können Pigmentflecken sichtbar bleiben.

Verbrennungen 3. Grades verursachen eine tiefgreifende Zerstörung von Oberhaut und Lederhaut zum Teil bis in das Unterhautfettgewebe hinein. Es kommt zur Zerstörung von Haarwurzeln, Drüsen und Rezeptoren, wodurch die Verbrennung selbst schmerzlos ist. Am Wundrand sind die Verbrennungen geringergradig, weshalb diese Bereiche stark schmerzen. Die Wunde blutet nicht, weil Blutgefäße ebenfalls verbrannt sind, und kann im Wundgrund weißlich aussehen oder aber schwarz verkohlt sein. Die Infektionsgefahr dieser Wunden ist sehr hoch. Bei dem sehr langwierigen Heilungsprozess kommt es zu starker Narbenbildung, die oftmals eine anschließende Hauttransplantation oder andere kosmetische Operation erfordert. Sind Gelenkbereiche betroffen, können die Narben die Beweglichkeit einschränken.

Die wichtigste Maßnahme bei Verbrennungen ist das Kühlen der betroffenen Hautpartien, um die Wärme aus den tiefen Hautschichten abzuführen. Dazu wird bei oberflächlichen, leichten Verbrennungen möglichst fließendes, etwa 20 °C warmes Wasser angewendet, bis die Schmerzen nachlassen, mindestens aber 15 Minuten lang. Der Patient darf aber nicht unterkühlt werden, gerade Kinder sind hierbei gefährdet. Die Kleidung soll sofort entfernt werden, da der Stoff die Hitze lange speichern kann. Wenn der Stoff an der Wunde haftet, diesen notfalls mit einer Schere um die Verbrennung aufschneiden. Bei leichten Verbrennungen helfen nach der akuten Phase feuchtigkeitspendende, wundheilende Substanzen wie Dexpanthenol oder Aloe.

Bei intensiveren Verbrennungen sind hydroaktive Gel-Kompressen empfehlenswert (Info unter: www.waterjel.net/de/overview_de.htm). Diese absorbieren die Hitze im Wundbereich schneller, als es mit Wasser möglich wäre, vermeiden aber andererseits eine Hypothermie des Patienten, sind steril und verkleben nicht mit der Wunde. Alternativ können Brandwundenverbandtücher oder metallbedampfte Vliestücher zur Anwendung kommen, die nur locker aufgelegt werden. Die Wahl des richtigen Spezialverbandes ist für den Heilungsprozess mit ausschlaggebend. Keinesfalls dürfen zur Erstversorgung Cremes oder alte Hausmittel aufgetragen werden.

Sind beim Erwachsenen mehr als 10%, bei Kindern mehr als 5% der Körperoberfläche durch schwere Verbrennungen geschädigt, muss der Verletzte dringend zur weiteren Behandlung in eine Spezialklinik gebracht werden. Die Alarmierung von Rettungsdienst und Notarzt ist bei jeder größeren Verbrennung angebracht, da sich durch den Flüssigkeitsverlust (Absonderung von Körperflüssigkeit im Wundbereich, Bildung von Blasen und Ödemen) ein Schock ausbilden kann und die Verbrennungskrankheit droht (s.u.). Bei Verbrennungen durch Feuer sollte außerdem an eine mögliche Rauchgasvergiftung gedacht werden.

Speziell bei Verbrennungen im Gesicht können Atemwege und Lunge ebenfalls mit betroffen sein. Besteht der Verdacht, dass Rauchgase eingeatmet wurden, muss der Patient unbedingt einen Arzt aufsuchen. Auch nach Stunden kann auf Grund eingeatmeter Giftstoffe noch ein toxisches Lungenödem auftreten.

Bei Temperaturen über 42 °C verändert sich die Eiweißstruktur im Wundbereich, es entstehen Giftstoffe die in die Kapillaren eingeschwemmt werden. Daraus folgen Durchblutungs-, Regulations- und Funktionsstörungen. Als Spätkomplikation kann Tage bis Wochen später die potenziell lebensbedrohliche Verbrennungskrankheit auftreten. Die Narben großer Verbrennungen bleiben leider ein Leben lang bestehen.

Fazit

  • Verletzten Personen erste Hilfe zu leisten gehört nicht zum alltäglichen Geschäft der Apotheke. Umso dankbarer sind Hilfesuchende, auch in solchen Notfällen in der Apotheke fachgerecht versorgt zu werden.
  • Die richtige Erstversorgung von Wunden fördert die spätere Wundheilung und verringert das Risiko von Komplikationen.
  • Um schnell und kompetent helfen zu können, ist es wichtig, die Art einer Verletzung zu erkennen und über die jeweiligen Erste-Hilfe-Maßnahmen Bescheid zu wissen.

Jederzeit kann es zu Unfällen mit kleineren oder größeren Verletzungen kommen. Die Verletzten und deren Angehörige sind dann oft hilflos oder reagieren falsch. Ein Apotheker sollte jedoch imstande sein, Verletzten professionell zu helfen. Die effektiv durchgeführte Erstversorgung einer Wunde verhindert einen größeren Blutverlust und verringert das Risiko einer Infektion. Verbrennungen sind umgehend zu kühlen, um Komplikationen zu vermeiden oder zu mildern. Die weiteren Maßnahmen richten sich im Wesentlichen nach der Art und dem Schweregrad der Verletzung. Davon hängt es auch ab, ob der Ersthelfer einen Rettungsdienst rufen muss oder ob er dem Verletzten empfiehlt, selbstständig eine Arztpraxis zur weiteren Behandlung aufzusuchen.

Tetanus-Impfschutz noch aktuell? Weil eine Wunde immer eine Quelle zum Eindringen eines Erregers in den Organismus sein kann, sollten Verletzte auf ihren Tetanusschutz angesprochen werden. Da die meisten Menschen Tetanus, den Wundstarrkrampf, nur aus dem Impfpass kennen, wissen sie nicht, welche gefährliche Krankheit sich hinter dem Namen verbirgt. Die weltweit verbreiteten Tetanusbakterien nisten sich mit Vorliebe in Erde, Staub, fauligem Holz oder in Tiermist ein. Zwangsläufig trifft man dort auf die Erreger der schweren Infektionskrankheit, die ohne Impfschutz tödlich enden kann. Die Impfung sollte daher keinesfalls länger als zehn Jahre zurückliegen und falls erforderlich, in einer Arztpraxis erneuert werden.

Aktuelle Informationen zu Infektionskrankheiten, Gesundheitsrisiken und Impfungen bietet das Robert Koch-Institut im Internet: www.rki.de.

Infektionen von Bisswunden Nur bei etwa 5% aller Hundebisse kommt es zu Infektionen. Häufiger infizieren sich menschliche Bisse mit etwa 15 bis 20%. Noch wahrscheinlicher ist eine Infektion nach Katzenbissen, die immerhin in 30 bis 50% aller Fälle auftritt. Statistisch erfasst ist allerdings kein Fall, bei dem das HI-Virus durch Biss einer infizierten Person übertragen wurde.

Neuner-Regel Die Prozentzahl verbrannter Hautfläche errechnet sich beim Erwachsenen aus der Neuner-Regel: Dabei wird die Körperoberfläche in Regionen eingeteilt, die jeweils 9 oder 18% ausmachen: vordere und hintere Rumpfseite je 18%, Arm, Oberschenkel, Unterschenkel und Kopf je 9%. Für den Genitalbereich wird 1% gerechnet. Für Kinder kann die Neuner-Regel nicht angewendet werden, da das Größenverhältnis von Kopf und Extremitäten gegenüber dem Rumpf völlig anders ist. Die Handfläche macht bei Erwachsenen und Kindern 1% der Körperoberfläche aus.

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Ingo Blank Wundversorgung und Verbandwechsel 138 Seiten, 16,85 Euro Verlag Kohlhammer, Stuttgart 2001 ISBN 3-1701-6219-5 Dieses Buch informiert über:

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  • die verschiedenen Wundarten und ihren Heilungsverlauf und
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H. Brandt, G. Kammerlander, T. Eberlein, A. Huhn Wundversorgung Manuale zur Pharmazeutischen Betreuung, Band 5 270 Seiten, 51,- Euro Govi-Verlag, Eschborn 2003 ISBN 3-7741-0982-6 Dieses Buch informiert über die professionelle Wundversorgung zur Unterstützung natürlicher Selbstheilungskräfte, insbesondere über die vier Stützpfeiler der Wundversorgung:

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  • Wundverschluss,
  • Abdecken der Wunde und
  • Stimulation der Wundheilung.

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