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M. Oppenkowski: Viermal lautstark gegen die Gesundheitsreform

Mit der Großdemonstration in Hamburg am 22. November hat der Protest von Apothekenangestellten und Apothekenleitern gegen die Gesundheitsreform seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Die Veranstalter Ų ADEXA und die jeweiligen Landesorganisationen Ų haben rund 40.000 Menschen mobilisieren können: aus allen Apothekenberufen, aber auch Pharmaziestudierende, PTA-SchülerInnen und PKA-Azubis.

Monika Oppenkowski, als ADEXA-Vorsitzende und Mitglied des ABDA-Gesamtvorstandes maßgeblich an der Vorbereitung beteiligt, hat auf jeder der vier Kundgebungen auf dem Podium gesprochen. Hier ihr persönliches Resümee der Protestaktionen:

"Mein Eindruck von den vier Demonstrationen war, dass die Apothekenangestellten nur darauf gewartet haben, ihrem Ärger und ihren Ängsten endlich lautstark Luft machen zu können. Die Stimmung war auf allen vier Veranstaltungen ähnlich intensiv – auch wenn mich die erste Demo in Leipzig vielleicht am meisten beeindruckt hat. Ich war einfach überwältigt von den Emotionen, die von den dort versammelten TeilnehmerInnen ausgingen. Die zu befürchtenden Auswirkungen des geplanten GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetzes sind bei allen Betroffenen "angekommen". Die Veranstaltung " im Saale" auf dem Apothekertag hatte die Angestellten offenbar nur zu einem kleinen Teil erreicht. Der Zeitpunkt der Demonstrationen war gut gewählt, denn er fällt in die Phase, wo die Parlamentarier sich ernsthaft und abschließend mit dem Gesetzesvorhaben beschäftigen müssen – und die Chance haben, die festgelegten Eckpunkte mit dem fertigen "Werk" zu vergleichen. Jetzt ist es Zeit, mit dem Ohr am Volke Entscheidungen zu treffen.

Aber auch die Publikumpresse hat die Kundgebungen aufgegriffen und darüber berichtet: im Radio, im Fernsehen und natürlich in den Printmedien. Allerdings hat sich gerade auf den Pressekonferenzen, die in Leipzig, Düsseldorf und Hamburg abgehalten wurden, auch gezeigt: Die Journalisten haben immer noch die alten Vorurteile von "Apothekerpreisen" im Kopf. Wie die Preisgestaltung bei verschreibungspflichtigen Medikamenten aussieht – und um die geht es ja bei den Gesetzesänderungen – ist ihnen nicht klar. Zugegeben eine schwierige Materie. Hier sollte von Seiten der ABDA sowie der Kammern und Verbände noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden.

Ich bin davon überzeugt, dass der Schulterschluss zwischen ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen anlässlich der Demos aus der Überzeugung geboren wurde, dass wir alle in einem Boot sitzen und es kein rein taktischer Schachzug war – von beiden Seiten nicht. An dieser Stelle möchte ich mich auch für die gute Zusammenarbeit mit den Mitgliedsorganisationen vor Ort bedanken. Zwar sind die Angestellten diejenigen, die vom Kostendruck zuerst betroffen sind. Doch auch die Chefs spüren ihn ja: zum Beispiel, wenn sie Nacht- und Notdienste weitgehend selbst übernehmen, um Personalkosten zu sparen. Und spätestens dann, wenn sie ihre Apotheke ganz schließen müssen.

Wichtig war mir, dass auf allen vier Kundgebungen die PatientenvertreterInnen ein überzeugendes Plädoyer für die beratungsstarke Apotheke gehalten haben. Nur zu den ApothekenmitarbeiterInnen vor Ort können chronisch kranke Menschen ein Vertrauensverhältnis aufbauen – zu einem anonymen Call-Center-Agenten können sie das nicht und, so meine persönliche Erfahrung, wollen sie das auch nicht. Das gilt natürlich nicht nur für Chroniker, sondern auch für die Mutter des kranken Kindes, den jungen Mann mit Fußpilz oder die junge Frau mit Essstörungen.

Was mir aber nach den vier Aktionstagen besonders am Herzen liegt, ist der Dank an alle ehrenamtlich Aktiven von ADEXA, die diesen lautstarken und eindrucksvollen Protest durch ihr Engagement erst ermöglicht haben. Sie sind früh aufgestanden, hatten teilweise lange Anfahrten, haben viele Stunden gearbeitet und auch gefroren, sie haben Plakate und Handzettel, Trillerpfeifen und Ratschen verteilt und die Fragen von Passanten beantwortet.

Ihnen allen – aber auch jeder und jedem Angestellten, die mitdemonstriert haben – möchte ich für ihren Einsatz ganz herzlich danken! Nur wenn wir uns gemeinsam für unsere Interessen einsetzen, können wir etwas erreichen. Für ADEXA als Gewerkschaft war der Protest in jedem Fall ein Imagegewinn. Mein Wunsch ist, dass der künftige ADEXA-Vorstand mit diesem Schwung im Januar seine Arbeit aufnimmt.

Ich bin mir sicher, dass unser Protest die Politiker in Berlin erreicht und auch nachdenklich gemacht hat. Das zeigen einige zarte Signale aus der Hauptstadt. Und dass der Protest noch nicht vorüber ist, beweisen die für den 4. Dezember geplanten Aktionen im Rahmen des nationalen Aktionstages zusammen mit den Medizinern und vielen weiteren Betroffenen im Gesundheitswesen. Ich hoffe sehr, dass sich aus dem Protest doch noch positive Änderungen ergeben, damit wir die Beratungsqualität, die Arzneimittelsicherheit und die flächendeckende Versorgung der Patienten weiter sicherstellen können."

Der Protest geht weiter

4. Dezember: Nationaler Protesttag

Am Montag, dem 4. Dezember, finden weitere regionale Protestaktionen gegen die Gesundheitsreform statt, an denen sich neben Ärzten und Krankenhäusern auch die Apotheken beteiligen wollen. In einigen Bundesländern werden die Apotheken bis auf einen Notdienst geschlossen bleiben. ADEXA unterstützt diesen Protest!

Informationen über die Pläne der einzelnen Landesorganisationen für den Aktionstag erhalten Sie bei den Apothekerkammern und unter www.adexa-online.de.

Blitzlicht

Stimmen von Apothekenangestellten zur Hamburger Demonstration:

  • "Diese Demo war gut und wichtig!"
  • "Landapotheken wie die meines Vaters werden nicht durchkommen."
  • "Das ist dann nicht mehr der Beruf, den wir machen wollten."
  • "Wenn an der Preisschraube gedreht wird, wird beim Personal und an der Beratungsqualität gespart."
  • "Dafür habe ich nicht Pharmazie studiert!"
  • "Was uns bei den Reden fehlte, waren konkrete Alternativen zu den Reformplänen.
  • Denn die Kosten in der GKV müssen ja gesenkt werden."

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