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Bei Wechseljahresbeschwerden: Hormone oder Phytoöstrogene?

Eine Hormontherapie in den Wechseljahren findet heute nur bei gravierenden Beschwerden statt, und zwar so niedrig dosiert wie möglich und so lang wie nötig. Für manche Frauen sind Phytoöstrogene eine Alternative, wobei die Entscheidung zwischen Soja-Isoflavonen und Traubensilberkerze vom Leitsymptom abhängen sollte.

In den Wechseljahren erlischt die Funktion der Eierstöcke. Das Klimakterium ist der Übergang von der fruchtbaren in die unfruchtbare Zeit. Es gliedert sich in Prä-, Peri- und Postmenopause. Heute leben Frauen nach Erlöschen der Fortpflanzungsfähigkeit noch durchschnittlich 30 Jahre.

Etwa ein Drittel der Frauen in den Wechseljahren leidet an starken klimakterischen Beschwerden. Die wichtigsten Leitsymptome sind Hitzewallungen und Schlafstörungen. Während in den 80er und 90er Jahren Hormontherapien als Jungbrunnen galten und fast allen Frauen im Klimakterium verordnet wurden, ist man seit den Ergebnissen großer Studien wie HERS, One Million Women Study und WHI-Studie vorsichtiger geworden.

Welche Hormone werden wie eingesetzt? Bei Frauen, denen die Gebärmutter entfernt wurde, genügt die alleinige Gabe von Östrogen. Frauen mit Gebärmutter müssen zusätzlich ein Gestagen erhalten, um einem Gebärmutterkrebs (Zervixkarzinom) vorzubeugen.

Als Östrogen wird Estradiol (-valerat) verwendet; Estriol wird nur zur vaginalen Lokaltherapie eingesetzt.

Als Gestagene werden meist synthetische Verbindungen oder aber mikronisiertes Progesteron (Utrogest®) angewendet.

Der Trend der Hormontherapie geht eindeutig in Richtung trans–dermale Applikation in Form von Gel oder Pflaster. Unter transdermal applizierter Hormontherapie scheint das Thromboserisiko geringer zu sein als unter oraler Gabe. Auch das Brustkrebsrisiko ist vermutlich niedriger.

Lieber Progesteron als synthetisches Gestagen Eine neue Beobachtungsstudie aus Frankreich – die E3N-Studie – erfasste knapp 100.000 Frauen in den Wechseljahren mit unterschiedlichen Hormontherapien. Das Brustkrebsrisiko war

  • unter alleiniger Östrogen-Gabe nur minimal erhöht,
  • unter gleichzeitiger Gabe von Östrogen und synthetischem Gestagen deutlich erhöht und
  • unter gleichzeitiger Gabe von Östrogen und mikronisiertem Progesteron nicht erhöht.

Die therapeutische Beratung der Frau in den Wechseljahren erfolgt individuell und berücksichtigt Alter, persönliche und familiär bedingte Risiken, wie Brustkrebs, Thrombose und Osteoporose, aber auch die Bedürfnisse und die Persönlichkeit der Frau.

Traubensilberkerze bei Hitzewallungen Als Alternative zu Hormon–präparaten werden zunehmend pflanzliche Präparate beworben, die östrogen wirkende Verbindungen (Phytoöstrogene) enthalten. Dazu zählen Extrakte der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) und des Rhapontikrhabarbers (Rheum rhaponticum) sowie Isoflavone (aus Soja u.a.).

Cimicifuga eignet sich insbesondere bei Hitzewallungen und allgemein bei psychischen und neurovegetativen Beschwerden im Klimakterium.

Isoflavone schützen vor Osteoporose Soja-Isoflavone beeinflussen die Hitzewallungen kaum, schützen aber in üblichen Dosierungen (mindestens 40 bis 50 mg täglich) gut vor Osteoporose. Außerdem scheinen sie durch eine günstige Wirkung auf die Blutlipide einen guten kardiovaskulären Schutz zu bieten.

Unklar ist bislang, ob Soja-Isoflavone vor Brustkrebs schützen. Dass Japanerinnen ein niedrigeres Brustkrebsrisiko haben als Europäerinnen, scheint damit zusammenzuhängen, dass der regelmäßige Verzehr von Soja bereits in der Jugend das Duktusepithel der Brustdrüse unempfindlicher gegen kanzerogene Noxen macht. Im Reagenzglas und im Tierexperiment wurden einerseits hemmende, andererseits aber auch stimulierende Wirkungen der Soja-Isoflavone auf das Brustkrebszellwachstum festgestellt.

Die Erfahrung zeigt, dass viele Frauen Präparate mit Soja-Isoflavonen drei bis vier Monate lang einnehmen, dann aber wegen zu geringer Wirkung und hoher Kosten (ca. 30 € monatlich, günstiger: Gynomunal®) aufgeben.

Präparate für Prä-, Peri- oder Postmenopause Abhängig von der Phase des Klimakteriums dominieren unterschiedliche Symptome. In der Prämenopause spielen Stimmungsschwankungen und Zyklusstörungen eine wichtige Rolle. Hier kommen pflanzliche Präparate mit einer Tagesdosis von 40 bis 80 mg Isoflavonen sowie mit Extrakten aus Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) oder Rhapontikrhabarberwurzel (Phytoestrol®) zum Einsatz. Eine Hormontherapie beschränkt sich auf die Gabe eines Gestagens in der zweiten Zyklushälfte; vorzugsweise sollte Progesteron gewählt werden (s.o.).

In der Perimenopause dominieren Amenorrhö, Schlafstörungen und Hitzewallungen. Bewährt haben sich pflanzliche Präparate mit Cimicifuga – auch kombiniert mit Isoflavonen – sowie Phytoestrol®. Als Hormonpräparate werden Östrogen-Gestagen-Kombinationen zyklisch oder kontinuierlich verabreicht (nach einer Hysterektomie allein das –Östrogen, s.o.). In der Postmenopause spielen Müdigkeit, Depressionen und Osteoporose die Hauptrolle. Auch hier können die in der Perimenopause bewährten pflanzlichen Präparate eingesetzt werden. Eine Hormontherapie sollte spätestens nach fünf Jahren ausschleichend beendet werden. Möglich ist auch eine dosis–reduzierte Hormontherapie in Kombination mit der Gabe von Isoflavonen.

Trend zu Ultra-low-dose-Präparaten Ist eine Hormontherapie erforderlich, sollte sie so kurz und so niedrig dosiert wie möglich erfolgen, was jeweils individuell entschieden werden muss.

Es kommen immer mehr Ultra-low-dose-Hormonpräparate für Frauen mit klimakterischen Beschwerden auf den Markt.

Generell ist das Brustkrebsrisiko bei einer fünfjährigen Hormontherapie praktisch nicht erhöht.

Susanne Wasielewski

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