DAZ Feuilleton

Ausstellung: Apotheker, die Geschichte machten

Auf das Wirken und die Biographien berühmter Apotheker geht eine Kabinettausstellung im Brandenburgischen Apotheken–museum Cottbus ein, die bis Ende Januar 2007 zu sehen ist.

Paul Carl Beiersdorf ist nur einer jener Apotheker, die im 19. Jahrhunderts den Grundstein für die pharmazeutische Industrie legten. Heute ist die Beiersdorf AG ein Unternehmen von Weltruf. Auch Ernst Friedrich Christian Ludwig Schering, Heinrich Emanuel Merck, Willmar Schwabe und zahlreiche weitere Berufskollegen waren Pharmazeuten mit unternehmerischem Geschick und Erfolg.

Durch die Industrialisierung der Arzneimittelherstellung wurden Therapeutika und Hilfsmittel in gleich bleibender Qualität einer breiten Klientel zugänglich. Pharmazeutische Fabriken boten aber auch erheblich bessere Bedingungen für die Forschung als das Apothekenlabor. Ihre Wissenschaftler fanden neue Methode der Darstellung von Naturstoffen, der Abwandlung ihrer chemischen Struktur und schließlich auch ihrer Synthese. Sie entwickelten immer wieder Medikamente mit neuen Ansätzen der Therapie oder Diagnostik. Man denke nur an Progynon, das erste Hormonpräparat, oder an Uroselectan, das erste injizierbare Nierenkontrastmittel (Schering 1928 bzw. 1930).

Wissenschaftler und –Entdecker Bereits in früheren Jahrhunderten haben Apotheker zum wissenschaftlichen Fortschritt beigetragen. Basilius Besler zum Beispiel unterhielt neben der Apotheke "Zum Marienbild" in Nürnberg einen eigenen botanischen Garten sowie ein Naturalienkabinett. Er war einer der kenntnisreichsten Botaniker seiner Zeit. In dem mit 367 Kupfer–stichen illustrierten "Hortus Eystettensis" (Garten von Eichstätt) stellte Besler 1084 Pflanzen vor und verwies den Leser auf weiterführende Fachliteratur.

Weiterhin erinnert die Ausstellung an die Apotheker Johann Friedrich Böttger, der zusammen mit Ehrenfried Walther von Tschirnhaus das Geheimnis der Herstellung von Porzellan löste, und Martin Heinrich Klaproth, der unter anderem das Uranoxid entdeckte. Auch die Forschungen und Entdeckungen von Caspar Neumann (verschiedene Drogenanalysen), Carl Wilhelm Scheele (Sauerstoff, Pflanzensäuren), Friedrich Wilhelm Adam Sertürner (Morphin), Max von Pettenkofer (Pharmazie, klinische Chemie, Hygiene) und etlichen anderen Apothekern waren bedeutende Meilensteine auf dem Weg zur modernen Wissenschaft.

Maler und Schriftsteller Nicht jeder Apotheker blieb indessen zeit seines Lebens der Pharmazie treu. So kehrte Karl-Ludwig Fernow nach zehnjährigem Aufenthalt in Italien nicht in die Offizin zurück, sondern widmete sich der Malerei und Philosophie. Carl Spitzweg ging als der "malende Apotheker" in die Kunstgeschichte ein, nachdem er seinen erlernten Beruf an den Nagel gehängt hatte.

Theodor Fontane, der im Apothekerberuf keine Erfüllung fand, arbeitete ab einem Alter von 30 Jahren als Journalist und Schriftsteller. Auch die gelernten Pharmazeuten Ludwig Bechstein, Georg Trakl, Henrik Ibsen und Hermann Sudermann besaßen großes literarisches Talent und waren mit ihren Werken erfolgreich.

Museum

Brandenburgisches Apothekenmuseum, Altmarkt 24, 03046 Cottbus Tel. 03 55/2 39 97, Fax 3 83 18 48 www.niederlausitzer-apothekenmuseum.de F ührungen: Dienstag bis Freitag 11 und 14 Uhr, Samstag und Sonntag 14 und 15 Uhr oder nach Vereinbarung

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