Arzneimittel und Therapie

Grippeschutz-Impfung: "Kommen Sie der Grippe zuvor. Jedes Jahr"

Unter diesem Motto startete am 12. Oktober 2006 eine gemeinsame Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) und des Robert Koch-Institutes. Mit Unterstützung der Bundesärztekammer (BÄK) soll die Informationsaktion die Inanspruchnahme der jährlichen Grippeimpfung insbesondere von chronisch Kranken und älteren Menschen fördern. Denn der wirksamste Schutz vor einer Influenza ist die rechtzeitige Impfung mit einem geeigneten Impfstoff!

Die Initiatoren stellen hierfür Informationsmaterialien zur Verfügung, durch deren Weitergabe an die Patienten das Impfbewusstsein gestärkt werden soll. Die Plakatmotive können im Internet auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (www.bzga.de/pressemotive) herunter geladen werden, ein Informationsfaltblatt erklärt die wesentlichen Aspekte der Grippe-Erkrankung und der vorbeugenden Impfung.

Saisonabschlussbericht der Arbeitsgemeinschaft Um über die aktuelle Verbreitung und die Aktivität der Influenza zu informieren, hat sich 1992 die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) gegründet. Sie ist ein System zur Überwachung der Influenza in Deutschland, durchgeführt vom Robert Koch-Institut, Berlin (Federführung), dem Deutschen Grünen Kreuz e. V., Marburg, und dem Nationalen Referenzzentren für Influenza (NRZ) in Berlin. Die Arbeit der AGI wird von vier pharmazeutischen Herstellern von Influenza-Impfstoffen (GlaxoSmithKline, Novartis Behring, Sanofi –Pasteur MSD, Solvay) finanziell unterstützt. Das Robert Koch-Institut selbst erhält keine finanzielle Unterstützung und wird ausschließlich vom Bund getragen.

Ziel des Influenza-Surveillancesystems der Arbeitsgemeinschaft Influenza ist die zeitnahe Überwachung und Berichterstattung des Verlaufs der Influenza-Aktivität, vor allem über Morbiditäts–indikatoren wie den Praxisindex und die Konsultationsinzidenz. Das frühzeitige Erkennen des Auftretens neuer Influenzavirus-Varianten und der Vergleich der saisonal zirkulierenden Viren sowohl mit Viren aus früheren Jahren als auch mit den im aktuellen von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Impfstoff enthaltenen Stämmen ist das Hauptanliegen der virologischen Surveillance innerhalb des AGISentinelsystems.

Um überhaupt Aussagen über die Influenzasaison treffen zu können, gibt es in Deutschland das freiwillige Meldesystem der Arbeitsgemeinschaft Influenza von etwa 1000 Arztpraxen, die wie Wetterstationen über ganz Deutschland verteilt sind. Diese Ärzte melden die Häufigkeiten von akuten Atemwegserkrankungen, bei einem Teil der Patienten werden auch Abstriche abgenommen, um das Auftreten von Influenzaviren nachweisen zu können. Die letzte Influenzasaison 2005/2006 war dominiert durch Influenzaviren des Typs B und die Influenzaaktivität war im Verhältnis zur Saison davor (2004/05) sehr mild.

Die AGI schätzt, dass infolge der Grippewelle in der vergangenen Saison etwa 860.000 zusätzliche Atemwegserkrankungen, die von Hausärzten betreut wurden, auftraten und etwa 5500 Menschen stationär eingewiesen wurden. In der Saison 2004/05 waren diese Zahlen dagegen etwa fünfmal so hoch.

Wer sollte sich impfen lassen? Eine Infektion mit Influenzaviren bedeutet für Personen mit Grundleiden, zum Beispiel Herz-Kreislauf-Krankheiten oder chronischen Lungenerkrankungen und für ältere Menschen (über 60 Jahre), eine erhöhte Gefährdung. Bei ihnen kann es im Krankheitsverlauf häufiger zu Komplikationen kommen, zum Beispiel bakteriellen Lungenentzündungen, die tödlich enden können.

Die Impfung gegen Influenza ist aus medizinischer Sicht eine der wirksamsten präventiven Maßnahmen, die es gibt. Ziel sollte es daher sein, eine möglichst hohe Impfrate insbesondere bei den Risikogruppen zu erreichen. Deutschland hat hier erheblichen Nachholbedarf: Nur etwa die Hälfte der über 60-jährigen machen von der Möglichkeit zur Impfung Gebrauch.

Impfen lassen sollten sich nach einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut z. B. Erwachsene und Kinder mit folgenden Grunderkrankungen:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • chronische Erkrankungen der Atemwege,
  • chronische Nierenerkrankungen
  • Diabetes mellitus oder andere chronische Stoffwechselerkrankungen
  • chronische Blutarmut (Anämie)
  • angeborene und erworbene oder durch Behandlung bedingte Immunstörungen sowie
  • Personen über 60 Jahren
  • Bewohner von Alten- und Pflegeheimen
  • Personen, die berufsbedingt erhöhter Ansteckungsgefahr ausgesetzt sind.

Die Grippeschutzimpfung ist für Patienten der gesetzlichen Krankenversicherung kostenlos. Sofern keine weiteren Untersuchungen erforderlich sind, ist für die Impfung keine Praxisgebühr zu zahlen.

Welches Virus wird zirkulieren? Unter allen vom Nationalen Referenzzentren für Influenza isolierten bzw. feintypisierten Viren überwog in der Saison 2005/2006 Influenza B (70%) gefolgt von A/H3N2 mit 20% und A/H1N1 mit 10%. Die im NRZ angezüchteten A/H1N1- und A/H3N2-Viren stimmten gut mit den aktuellen Impfstämmen A/New Caledonia/20/99 bzw. A/California/07/04 überein. Die feintypisierten Influenza B-Viren entsprachen jedoch nur zu 5% dem empfohlenen Impfstamm B/Jiangsu/10/03 aus der Yamagata-Linie, während 95% Vertreter der nicht im Impfstoff enthaltenen B/Victoria-Linie waren und dem Referenzstamm B/Malaysia/2506/04 sehr ähnlich waren.

Für die Saison 2006/07 wurde eine Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die Impfstoffzusammensetzung für die nördliche Hemisphäre bekannt gegeben: Während für die A/H1N1-Komponente A/New Caledonia/20/99 beibehalten wurde, wurde der A/H3N2-Impfstamm durch A/Wisconsin/67/2005 ersetzt und als Influenza B-Komponente der Stamm B/Malaysia/ 2506/2004 aus der Victoria-Linie gewählt. ck

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