Arzneimittel und Therapie

Verhütungspflaster: Erhöhtes Thromboserisiko nicht auszuschließen

Das in Europa unter dem Handelsnamen Evra® und in den USA unter Ortho Evra® vertriebene Norelgestromin/Ethinylestradiolhaltige Verhütungspflaster steht im Verdacht, häufiger als orale Kontrazeptiva zu venösen Thromboembolien zu führen. Trotz widersprüchlicher Studienergebnisse hat die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA eine Änderung der Fachinformation von Ortho Evra® verfügt, in der vor der Möglichkeit eines erhöhten Thromboserisikos gewarnt wird.

Evra® bzw. Ortho Evra® ist das erste weltweit zur Kontrazeption zugelassene Matrixpflaster. Es besteht aus drei Schichten und enthält als Gestagenkomponente 6 mg Norelgestromin und als –Östrogenkomponente 600 µg Ethinylestradiol. Innerhalb von 24 Stunden sollen aus dem transdermalen System 150 µg Norelgestromin und 20 µg Ethinylestradiol abgegeben werden. Berichte über schwerwiegende Thromboembolien unter Anwendung des Verhütungspflasters waren Anlass, in zwei epidemiologischen Studien der Frage nachzugehen, ob Verwenderinnen des Verhütungspflasters ein höheres Thromboembolierisiko haben als Frauen, die orale Kontrazeptiva einnehmen. In beiden Studien diente ein orales Kontrazeptivum bestehend aus 35 µg Ethinylestradiol und Norgestimat als Vergleich.

Die erste Fall-Kontroll-Studie wurde durch das Boston Collaborative Drug Surveillance Program durchgeführt und kam zu dem Ergebnis, dass nicht-tödlich verlaufende venöse Thromboembolien (tiefe Beinvenenthrombosen und Lungenembolien) unter dem Verhütungspflaster ähnlich häufig sind wie unter dem oralen Kontrazeptivum. Der Veröffentlichung ist zu entnehmen, dass unter dem oralen Kontrazeptivum mit einer Inzidenzrate von 52,8 pro 100.000 Frauenjahren zu rechnen ist, bei Verwendung des Verhütungspflasters mit einer Inzidenzrate von 41,8 pro 100.000 Frauenjahre. Die zweite Forschergruppe (i3Ingenix) kommt dagegen in einer Zwischenauswertung zu dem Schluss, dass unter dem transdermalen Kontrazeptivum im Vergleich zu einem oralen Kontrazeptivum mit einem 2fach höheren Risiko für venöse Thromboembolien zu rechnen ist. Die FDA weist darauf hin, dass die Estrogenexposition unter dem transdermalen Kontrazeptivum um 60% höher ist als unter einem oralen 35 µg Ethinylestradiol enthaltenen oralen Kontrazeptivum, obwohl Spitzenblutspiegel unter dem Verhütungspflaster um 25% niedriger liegen als unter entsprechender oraler Verhütung. Erhöhte Estrogenexposition kann mit einem erhöhten Nebenwirkungsrisiko einhergehen. Es ist nicht auszuschließen, dass das Thromboembolierisiko steigt. Darauf muss nun in der amerikanischen Fachinformation von Ortho Evra® hingewiesen werden.

Obwohl die Ergebnisse widersprüchlich sind, sollte nach Auffassung der FDA das potenziell höhere Thromboembolierisiko unter dem Verhütungspflaster bei der Auswahl des Kontrazeptivums beachtet und bei Risikofaktoren nach anderen Alternativen gesucht werden. Auf Anfrage teilte die in Europa für Evra® zuständige Firma Janssen Cilag mit, dass die Änderungen der Fachinformation nur das amerikanische Produkt Ortho Evra® betreffen. Die europäischen Behörden würden die Situation zurzeit sehr sorgfältig analysieren. du

Warnhinweise für Ortho Evra®

In der amerikanischen Fachinformation von Ortho Evra® müssen die Warnhinweise um folgenden Passus ergänzt werden:

The pharmacokinetic (PK) profile for the ORTHO EVRA® patch is different from the PK profile for oral contraceptives in that it has higher steady state concentrations and lower peak concentrations. AUC and average concentration at steady state for ethinyl estradiol (EE) are approximately 60% higher in women using ORTHO EVRA® compared with women using an oral contraceptive containing EE 35 µg. In contrast, peak concentrations for EE are approximately 25% lower in women using ORTHO EVRA®. Intersubject variability results in increased exposure to EE in some women using either ORTHO EVRA® or oral contraceptives. However, inter-subject variability in women using ORTHO EVRA® is higher. It is not known whether there are changes in the risk of serious adverse events based on the differences in pharmacokinetic profiles of EE in women using ORTHO EVRA® compared with women using oral contraceptives containing 35 µg of EE. Increased estrogen exposure may increase the risk of adverse events, including venous thromboembolism.

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