Arzneimittel und Therapie

Anämische Tumorpatienten: Erythropoese-stimulierender Faktor nur alle drei Woch

Die European Organisation for Research and Treatment of Cancer, kurz EORTC, hat konkrete Empfehlungen für den Einsatz von Erythropoese-stimulierenden Faktoren bei anämischen Tumorpatienten herausgegeben. Klar indiziert sind sie bei symptomatischen Patienten mit einem Hämoglobinwert unter 11 g/dl. Darbepoetin alfa (Aranesp®) muss wegen seiner langen Halbwertszeit dann nur alle drei Wochen appliziert werden.

Häufiges Problem bei Tumorpatienten ist die Anämie. 20 bis 60% sind bereits zum Zeitpunkt der Diagnosestellung anämisch. Der Abfall des Hämoglobinwerts (Hb-Wert) kann direkte Folge der Krankheit sein, aber auch durch eine Chemo- oder Strahlentherapie induziert werden. Oft wird dies nicht diagnostiziert und bleibt daher unbehandelt. Die Folgen, etwa eine ausgeprägte Fatigue, werden häufig unterschätzt. Als Meilenstein in der Therapie von Tumorpatienten gelten die EORTC-Empfehlungen zum Einsatz Erythropoese-stimulierender Faktoren (ESF) bei erwachsenen anämischen Patienten mit soliden Tumoren oder hämatologischen malignen Erkrankungen.

Die ESF-Therapie hat danach im Wesentlichen zwei Ziele: die Verbesserung der Lebensqualität und die Vermeidung von Transfusionen. Empfohlen wird sie bei Tumorpatienten bei einem Hb-Wert zwischen 9 und 11 g/dl, und zwar basierend auf Symptomen, die in Zusammenhang mit einer Anämie stehen. Dies gilt für Tumorpatienten, die eine Chemo- oder Strahlentherapie erhalten (Evidenzgrad A), aber auch ohne entsprechende Therapie (Evidenzgrad B). Auch bei asymptomatischen anämischen Patienten sollte ab einem Hb-Wert von 9 bis 11 g/dl eine ESF-Therapie erwogen werden um einem weiteren Absinken vorzubeugen. In die Entscheidung sollen individuelle Faktoren wie etwa Art und Intensität der Chemotherapie und der Hb-Ausgangswert einfließen. Angestrebt wird ein Hämoglobinwert zwischen 12 und 13 g/dl. Die prophylaktische Gabe bei Tumorpatienten mit normalem Hb-Wert zu Beginn einer Chemotherapie wird abgelehnt.

Nur alle drei Wochen applizieren

Darbepoetin alfa hat fünf stickstoffgebundene Kohlenhydratketten, während das endogene Hormon und die rekombinanten humanen Erythropoetine (r-HuEPO) drei derartige Ketten haben. Die zusätzlichen Zuckerreste unterscheiden sich molekular nicht von denen des endogenen Hormons. Aufgrund seines erhöhten Kohlenhydratanteils hat Darbepoetin alfa eine lange terminale Halbwertszeit von 73 Stunden. Trotz dieser Veränderungen am Molekül behält Darbepoetin alfa eine sehr enge Spezifität für den Erythropoetinrezeptor bei. Die lange terminale Halbwertszeit macht eine Applikation im Abstand von drei Wochen möglich.

Wirksamkeit und Verträglichkeit der gewichtsadaptierten dreiwöchigen Gabe von Darbepoetin alfa wurde in zwei Studien bei insgesamt über 300 Patienten mit soliden und nicht-myeloischen Tumoren untersucht. 74% sprachen auf die Therapie an und erreichten einen Hb-Wert über 12 g/dl oder einen Anstieg des Hb-Werts um 2 g/dl innerhalb von zwölf beziehungsweise 16 Wochen. Bereits nach sechs Wochen war der Hämoglobinwert bei 66% der Patienten um mindestens 1 g/dl angestiegen.

81% der Patienten benötigten ab der fünften Woche bis zum Therapieende keine Bluttransfusion mehr. Wichtig für die Sicherheit: Die Hämoglobinwerte stiegen nicht unkontrolliert an. Thrombotische Ereignisse, Krampfanfälle und Hypertonie waren unter Verum und Placebo vergleichbar. Und: Der Erythropoese-stimulierende Faktor kann gleichzeitig mit der Chemotherapie gegeben werden. Zwischen synchroner und asynchroner Gabe war kein Unterschied in der Wirkung. Das macht dem Patienten die Therapie einfacher.

Weniger Bluttransfusionen erforderlich

Laut EORTC-Empfehlungen sollten bei Patienten mit Körpergewicht im Normbereich fixe Dosen des Erythropoese-stimulierenden Faktors ESF eingesetzt werden (Evidenzgrad B). Eine aktuelle Studie mit 705 anämischen Tumorpatienten (Hb-Wert unter 11 g/dl) zeigte nun, dass Darbepoetin alfa 500 µg als Fixdosis alle drei Wochen der einmal wöchentlichen gewichtsadaptierten Gabe von 2,25 µg/kg überlegen ist. So benötigten 32% weniger Patienten ab Woche fünf bis zum Therapieende eine Bluttransfusion (28% versus 19%). Den sekundären Endpunkt, einen Hb-Wert über 11 g/dl, erreichten 82% gegenüber 70% der Patienten. Beide Regimes waren gut verträglich und zeigten keine Unterschiede bezüglich Toxizität und thromboembolischer Ereignisse. Klarer Vorteil der dreiwöchigen Applikation ist der geringere Aufwand und die hohe Patientenfreundlichkeit durch weniger Injektionen. Darbepoetin alfa steht in verschiedenen Konzentration als Injektionslösung in einer Fertigspritze zur Verfügung. Die innovative Injektionshilfe SureClick™ erleichtert die Applikation. Wichtig: Ist das therapeutische Ziel, ein Hb-Wert zwischen 12 und 13 g/dl erreicht, muss die Dosis um 25 bis 50% reduziert werden, um den Hb-Wert zu halten und ein weiteres Ansteigen zu verhindern.

Richtiger Einsatz von Erythropoetin Die wichtigsten Empfehlungen aus den Richtlinien der European Organisation for Research and Treatment of Cancer, die es ermöglichen sollen, Anämie wirkungsvoller zu behandeln:

  • Zusätzliche Anämieursachen (wie z. B. Eisenmangel, Blutungen, Mangelernährung oder Hämolyse) sollten vor Beginn der Erythropoetin-Therapie beseitigt werden.
  • Durch die Verabreichung von Erythropoetin bei Krebspatienten mit Anämie kann die Lebensqualität verbessert und die Notwendigkeit von Bluttransfusionen reduziert werden.
  • Die Behandlung der Anämie mit Erythropoetin sollte früh, bei einem Hämoglobinspiegel von 9 bis 11 g/dl einsetzen und sollte solange fortgesetzt werden, wie der Hb-Spiegel unter 12 bis 13 g/dl liegt und der Patient eine Verbesserung der Symptome verspürt.
  • Eine geringere Dosierung von Erythropoetin ist bei der Behandlung einer durch Chemotherapie induzierten Anämie oder als Vorbeugung einer Krebsanämie sinnvoll.

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