Arzneimittel und Therapie

Behandlung der Gicht: Neues Urikostatikum Febuxostat

Konkurrenz für Allopurinol? Mit Febuxostat befindet sich ein neuer selektiver Xanthinoxidase-Hemmer in der Entwicklung, der in einer multizentrischen Vergleichsstudie leichte Vorteile gegenüber Allopurinol aufwies. Febuxostat führte zu einer stärkeren Abnahme des Harnsäurespiegels; im Hinblick auf klinische Parameter wie dem Ausmaß der Gichtknoten oder der Häufigkeit von Gichtanfällen, wurde kein signifikanter Unterschied festgestellt.

Erhöhte Harnsäurewerte können auf zwei verschiedenen Wegen gesenkt werden: Urikostatika wie Allopurinol reduzieren die Harnsäurebildung und Urikosurika wie Probenecid und Benzbromaron erhöhen die Harnsäureausscheidung. Zur Reduktion der Harnsäurebildung steht bislang nur der Xanthinoxidase-Hemmstoff Allopurinol zur Verfügung. Durch die Hemmung der Xanthinoxidase werden vermehrt Hypoxanthin und Xanthin im Harn ausgeschieden, was zu einer Absenkung des Harnsäurespiegels in Serum und Harn führt. Allopurinol ist im allgemeinen gut verträglich; in seltenen Fällen können vor allem bei Patienten mit Nieren–insuffizienz schwerwiegende bis lebensbedrohliche Blutbildveränderungen auftreten. Des Weiteren sind Interaktionen (vor allem mit Azathioprin, Theophyllin, Warfarin und 6-Mercaptopurin) zu berücksichtigen.

In einer US-kanadischen Studie wurde ein neues Urikostatikum untersucht. Es handelt sich um den selektiven Xanthinoxidase-Hemmer Febuxostat, der dasselbe Wirkprinzip wie Allopurinol aufweist. Febuxostat (Abbott Laboratories) besitzt keine Purinstruktur und zeigt keine Interaktionen mit Enzymen des Purin- und Pyrimidinmetabolismus. Seine Ausscheidung erfolgt über eine Glucuronidierung und Oxidation in der Leber.

Vergleich zwischen Allopurinol und Febuxostat Für die multizentrische Studie wurden 762 Patienten mit einer erhöhten Harnsäurekonzentration (mindestens 8 mg/dl) und Gicht ausgewählt und randomisiert drei Gruppen zugeteilt.

  • Patienten der Gruppe 1 (Febuxostat-80-mg-Gruppe) erhielten 52 Wochen lang einmal täglich 80 mg Febuxostat.
  • Probanden der Gruppe 2 (Febuxostat-120-mg-Gruppe) erhielten 52 Wochen lang einmal täglich 120 mg Febuxo–stat.
  • Patienten der Gruppe 3 (Allopurinol-Gruppe) nahmen 52 Wochen lang einmal täglich 300 mg Allopurinol ein.

Alle Studienteilnehmer erhielten prophylaktisch während der ersten acht Wochen Naproxen oder Colchicin, um möglichen Gichtanfällen zu Beginn der Therapie vorzubeugen. Im Verlauf der Studie wurden die Probanden regelmäßig untersucht, ihre Nierenfunktion überprüft sowie die Harnsäurekonzentration gemessen. Der primäre Studienendpunkt war der Anteil der Patienten, deren Harnsäurekonzen–tration während der letzten drei Monate unter 6,0 mg/dl gesenkt wurde. Sekundäre Studienendpunkte waren klinische Parameter wie die Reduktion der Gichtanfälle und eine Abnahme der Gichtknoten.

Abnahme der –Harnsäurekonzentration 53% der Patienten der Febuxo–stat-80-mg-Gruppe und 62% der Febuxostat-120-mg-Gruppe erreichten den primären Studienendpunkt (Absenken der Harnsäurekonzentration unter 6,0 mg/dl). In der Allopurinol-Gruppe traf dies nur für 21% zu (p<0,001 für den Vergleich jeder der beiden Febuxostat-Gruppen mit der Allopurinol-Gruppe). Ab der neunten Therapiewoche nahm die Inzidenz der Gichtanfälle in allen Gruppen ab; die Inzidenzraten unterschieden sich in den drei Gruppen statistisch nicht signifikant. Bei 83% der Febuxostat-80-mg-Gruppe, 66% der Febuxostat-120-mg-Gruppe und 50% der –Allopurinol-Gruppe wurde ein Rückgang der Gichtknoten verzeichnet.

Die Rate unerwünschter Wirkungen war in allen drei Gruppen ähnlich. Die Nebenwirkungen wurden meist als mild bis moderat eingestuft. Patienten der Febuxostat-120-mg-Gruppe brachen die Therapie aufgrund unerwünschter Wirkungen häufiger ab als Probanden der Febuxo–stat-80-mg- und der Allopurinol-Gruppe. In den Febuxostat-Gruppen verstarben vier Patienten, in der Allopurinol-Gruppe niemand. Diese Todesfälle wurden von den Prüfärzten nicht mit dem Studienmedikament in Verbindung gebracht. Langzeitstudien zum Sicherheitsprofil von Febuxostat werden zurzeit durchgeführt.

Konkurrenz für Allopurinol? In dieser Studie wurde gezeigt, dass Febuxostat den Harnsäurespiegel effektiver absenkt als Allopurinol. Diese Aussage muss allerdings im Kontext der Studienbedingungen betrachtet werden: Allopurinol wurde in einer fixen Dosis von 300 mg verabreicht und nicht – wie üblich – austitriert. Ein Kommentator der Studie hält es für durchaus möglich, dass bei einem praxisbezogenen Vorgehen (das heißt einer individuellen Allopurinoldosierung) Febuxostat und Allopurinol gleich effektiv die Harnsäure senken. Ferner sind Langzeitdaten erforderlich, um das Sicherheitsprofil von Febuxostat genauer einschätzen zu können. Auch wenn der Benefit von Febuxostat noch nicht eindeutig definiert werden kann, führte die Studie zu zwei wichtigen Aussagen:

  • Die kontinuierliche Absenkung der Harnsäure ist mit einer Reduktion der Gichtanfälle korreliert.
  • Klinische Effekte (Abnahme der Gichtknoten, Reduktion der Gichtanfälle) treten vor allem bei einer Absenkung der Harnsäure unter 6 mg/dl auf.

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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