Arzneimittel und Therapie

Informationen zum Mammakarzinom: Neue europäische Leitlinie zur Früherkennung

Zur Früherkennung, Diagnostik und Therapie des Mammakarzinoms existieren mehrere nationale und internationale Leitlinien. Eine wichtige deutsche Leitlinie zur Früherkennung ist die Evidenz-basierte Stufe-3-Leitlinie "Brustkrebs-Früherkennung in Deutschland". Parallel dazu wurden auf Europaebene weitere Leitlinien zur Früherkennung von Brustkrebs entwickelt. Die vierte Auflage einer europäischen Leitlinie liegt seit April dieses Jahres vor.

Mehrere deutsche Leitlinien befassen sich mit dem Mammakarzinom, darunter zwei S-3-Leitlinien (Anmerkung: in der Onkologie gibt es nur drei S-3-Leitlinien, zwei davon für das Mammakarzinom). Die Stufe-3-Leitlinie "Brustkrebs-Früherkennung in Deutschland" ist unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Senologie, der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Krebshilfe und der World Society of Breast Health entstanden. Daran beteiligt waren zusätzlich die relevanten Fachgesellschaften (27 medizinische Fachgesellschaften), die Berufsverbände und Vertretungen von Patientinnen-Organisationen. Die Leitlinie entspricht den Kriterien der Stufe 3 der AWMF und der ÄZQ (siehe Kasten "Wichtige Leitlinien") und ist ein wichtiges Element des nationalen Krebskontrollprogrammes. Sie bildet die wissenschaftlich-medizinische Grundlage für eine Verzahnung der Versorgung mit zertifizierten Brustzentren und Disease-Management-Programmen.

Deutsche Leitlinie Die Stufe-3-Leitlinie "Brustkrebs-Früherkennung in Deutschland" (2003) integriert die Anforderungen der Europäischen Leitlinien. Sie befasst sich unter anderem mit der Risikoberatung der Frau, Tastuntersuchungen, Aufklärung, Information und Anleitung zur Selbstuntersuchung, Mammographie, der zusätzlichen apparativen Diagnostik (u. a. durch Ultraschall), invasiven Techniken (minimale Gewebsprobengewinnung durch Stanz- oder Vakuumbiopsie mit Hilfe von Ultraschall oder Röntgenkontrolle), mit der offenen Biopsie nach Markierung (für eine gezielte operative Abklärung von Befunden, die nicht durch eine minimale Gewebsentnahme gewonnen werden können) und mit der pathologischen Untersuchung (spezifische Untersuchungen und Begutachtungen von Gewebsproben der Brust). Die Leitlinie ist abrufbar unter: www.senologie.org; Buchversion Zuckschwerdt Verlag (ISDN 3-88603-812-2)

Neue EU-Leitlinie Die Europäische Kommission hat am 7. April 2006 die vierte Europäische Leitlinie zur Qualitätssicherung bei der Brustkrebsvorsorge und -diagnose veröffentlicht. Diese "European guidelines for quality assurance in breast cancer screening and diagnosis" sind unter finanzieller Förderung der Europäischen Union entstanden. Sie sind Teil des Projektes "Europa gegen den Krebs" und wurden vom Europäischen Brustkrebs-Netzwerk (European Breast Cancer Network, EBCN) gefördert und koordiniert. Sie enthalten die wichtigsten Elemente aus regionalen und nationalen Brustkrebsvorsorgeprogrammen der letzten 20 Jahre auf EU-Ebene und sollen die Überlebensrate bei Brustkrebs in ganz Europa erhöhen.

Angestrebt ist eine 25%ige Reduktion der Brustkrebsmortalität in Europa. Die Leitlinien dienen als Orientierung und basieren auf Beiträgen von über 200 Experten aus 18 EU-Mitgliedstaaten sowie Norwegen, Schweiz, Israel, Kanada und den Vereinigten Staaten. In die aktuelle Ausgabe wurden unter anderem die Abschnitte über Kommunikation und digitale Mammographie neu aufgenommen. Die Leitlinien umfassen zwölf Kapitel und gehen auf folgende Punkte ein:

  • Epidemiologie
  • Mammographie Screening
  • radiographische Richtlinien
  • radiologische Richtlinien
  • multidisziplinäre Aspekte
  • Pathologie
  • Chirurgie
  • Datensammlung
  • Brustkrebszentren
  • Training
  • Zertifizierung
  • Kommunikation

Das Dokument umfasst 416 Seiten und kann u. a. beim Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften bestellt werden: bookshop.eu.int, ISBN: 92-79-01258-4, Katalognummer: ND-73-06-954-EN-C. Internet: www.europaweb.de/europa/03euinf/07eukomm/brustkrebs.htm

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

Wichtige Leitlinien zum Mammakarzinom (Auswahl)

Die AGO-Leitlinie (Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft für gynäkologische Onkologie) ist eine interdisziplinäre kurzgefasste Leitlinie, die jedes Jahr aktualisiert wird. Die aktuelle 5. Version (Stand Januar 2006) enthält 24 Themengebiete zum frühen und metastasierenden Mammakarzinom; neu im Vergleich zur letzten Version sind Früherkennung und Diagnostik, duktales Karzinom in situ, lobuläre Neoplasien, adjuvante Antikörpertherapie sowie das Thema Mammakarzinome in besonderen Lebenslagen (während der Schwangerschaft, im jungen/höheren Lebensalter). www.ago-online.org

S-3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms (aktuelle Version 2004). Diese sehr umfangreiche Leitlinie wird zur Zeit unter Mitwirkung zahlreicher Fachgesellschaften überarbeitet und soll bis Herbst 2006 in ihrer neuen Version erscheinen. www.krebsgesellschaft.de; Buchversion Zuckschwerdt Verlag ISBN 3-88603-852-1

EUSOMA Guidelines 1–6 (Positionspapiere der European Society of Mastology; EUSOMA); diese Richtlinien sind parallel zu den Richtlinien der deutschen Gesellschaft für Senologie und der deutschen Krebsgesellschaft entstanden. www.eusoma.org

Leitlinien

Leitlinien werden unter anderem von den Arbeitsgemeinschaften der Wissenschaftlich Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) aufgestellt (zur Zeit sind dies 151 wissenschaftliche Fachgesellschaften) und sind systematisch entwickelte Hilfen für Ärzte zur Entscheidungsfindung. Sie beruhen auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und in der Praxis bewährten Verfahren und sorgen für mehr Sicherheit in der Medizin, wobei auch ökonomische Aspekte berücksichtigt werden sollen. Diese Leitlinien sind für Ärzte rechtlich nicht bindend, spielen aber zunehmend bei gutachterlichen Stellungnahmen und Prozessen eine Rolle. Neben den Leitlinien der AWMF gibt es weitere nationale Leitlinien wie z. B. Versorgungsleitlinien der ÄZQ (ärztliche Zentralstelle Qualitätssicherung) oder die Leitlinien des IQWiG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen), das Leitlinien auf ihre Finanzierbarkeit hin überprüft.

Leitlinien werden in drei Evidenzgrade unterteilt:

  • S1 (Expertenempfehlung)
  • S2 (Empfehlungen nach Evidenz-Recherche oder durch formale Konsensusfindung)
  • S3 (Leitlinie mit allen Elementen systematischer Entwicklung; d.h. Evidenz-Recherchen plus formale Konsensusfindung plus Beteiligung der Patientenvertretungen) Die Erstellung Evidenz-basierter Leitlinien für die Deutsche Krebsgesellschaft wird vom ISTO (Informationszentrum für Standards in der Onkologie) koordiniert. Das ISTO orientiert sich dabei am Leitlinien-Manual der ÄZQ/AWMF bzw. an internationalen Vorgaben wie z. B. des Europarates.

Internet: www.uni-duesseldorf.de/AWMF/

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