Selbstmedikation

Ch. WeberWarzen – auflösen, wegätzen oder ve

Jeder Zweite hat selbst schon ihre Bekanntschaft gemacht: Warzen Ų viral bedingte, infektiöse, multiforme Hornhautwucherungen. So spontan, wie sie auftreten, verschwinden sie oft auch wieder. Manchmal trotzen sie allerdings selbst intensiver Behandlung. Inzwischen steht ein mit innovativen Methoden aufgerüstetes Anti-Warzen-Arsenal für die Selbstmedikation zur Verfügung. Welche Behandlungsstrategie im jeweiligen Fall die geeignete ist, hängt von Art, Lokalisation und Ausbreitungsgrad der Warzen sowie dem Hautzustand des Patienten ab.

Während Warzen in früheren Jahrhunderten Anlass zu allerlei Aberglauben gaben, definiert sie die moderne Medizin recht nüchtern: Warzen (Verrucae) stellen benigne, überwiegend viral bedingte, infektiöse Epithelhyperplasien dar. Es sind normalerweise scharf begrenzte, rundliche bis ovale, papillomatöse, mehr oder weniger hyperkeratotische Wucherungen der Epidermis. Vorzugsweise werden Hände und Füße befallen. Warzen können grundsätzlich jedoch auf allen Hautbereichen und Schleimhäuten auftreten. Gewöhnlich heilen sie narbenlos ab und hinterlassen eine teilweise Immunität.

Weit verbreitet und oft gutartig Bei den Warzenerregern handelt es sich – abgesehen von Dell- und Alterswarzen – um humane Papillomaviren (HPV) aus der Familie der Papovaviridae. Bisher sind über 100 verschiedene Papillomavirus-Typen bekannt. Warzenviren kommen weltweit vor. Fast jeder Mensch wird irgendwann einmal von ihnen befallen. Allein in Deutschland erkranken pro Jahr ca. 750.000 Menschen neu an einer HPV-Infektion, vorwiegend Kinder und Jugendliche. Im Erwachsenenalter nimmt die Infektionshäufigkeit dagegen wieder ab.

Personen mit Immundefiziten (Organtransplantierte, Aids-Patienten) oder verzögerter Wundheilung (z. B. Diabetiker, Raucher) sind besonders gefährdet. Aber auch Neurodermitiker und Daueranwender topischer Steroide sind typische "Warzenopfer".

Hier lauern Papillomaviren Für die gängigen Infektionsquellen von Warzen ist – im Gegensatz z. B. zum Fußpilz – in der Bevölkerung bisher kaum Bewusstsein vorhanden. Vielen Warzenträgern ist auch nicht bekannt, dass sie eine potenzielle Infektionsquelle darstellen. Hier tut Aufklärung also Not: Warzen werden sowohl durch direkten Hautkontakt als auch indirekt durch virushaltige Hautschüppchen übertragen. Große Ansteckungsgefahr besteht daher in Turnhallen, Saunen, Schwimmbädern, Fitness-Studios etc. Aber auch beim Anfassen von Türklinken, Geländern und gemeinsamen Benutzen von Handtüchern kann man sich Warzenviren "einfangen".

Keine Badezimmerchirurgie! Den Papillomaviren reichen schon Mikroverletzungen oder mazerierte Haut, um in die Epidermis einzudringen. Dort vermehren sie sich und induzieren ein verstärktes Keratinozytenwachstum. Warzen bilden sich also stets direkt am Infektionsort. Sie enthalten konzentriertes infektiöses Virenmaterial. Daher sollte man Warzenträger immer wieder eindringlich vor "Badezimmerchirurgie", also dem eigenmächtigen Herummanipulieren an Warzen mit scharfen Gegenständen, warnen. Zwar neigt das HPV nicht zur Virämie, eine blutende Warze kann jedoch Viren ausschwemmen und weitere Hautbezirke (Autoinokulation) sowie andere Personen infizieren. Die Inkubationszeit beträgt bei Warzen in der Regel Wochen bis Monate. Daher lässt sich der genaue Infektionsweg im Rückblick meist nicht mehr rekonstruieren.

Die Hautbarriere stärken Machen Sie jedem Warzengeplagten in der Beratung klar, dass unversorgte Hautläsionen, häufiges Kratzen, trockene Haut oder unsachgemäße Hornhautentfernung Warzenviren Tür und Tor öffnen! Motivieren Sie betroffene Kunden außerdem zu regelmäßiger Hautpflege mit geeigneten Dermatika. So lässt sich die epidermale Schutzbarriere stärken und weiteren Warzeninfektionen vorbeugen. Für Personen, die zu feuchten Händen und Füßen neigen, sind außerdem entsprechende antihydrotische Pflegeprodukte empfehlenswert.

Warze ist nicht gleich Warze Bevor man im Handverkauf Präparateempfehlungen ausspricht, sollte man sich ein Bild von der zu behandelnden Warze gemacht haben. Schließlich gilt es – ohne Dermatologe spielen zu wollen – die gängigsten Warzentypen zu erkennen. Nur so kann man zwischen selbsttherapierbaren und solchen Warzen, die einer ärztlichen Behandlung zugeführt werden müssen, differenzieren.

Die Warzensystematik wird primär nicht vom Erregertyp, sondern von Aussehen und Lokalisation der Warze bestimmt. Die klinisch relevantesten Formen:

  • Vulgäre Warzen = Stachelwarzen (Verrucae vulgaris) sind mit rund 70% die häufigste Warzenform. Sie bilden schmerzlose, derbe, bis zu erbsengroße Knötchen, die zunehmend verhornen. Vulgäre Warzen sind vor allem an Handrücken, Fingern und um die Nägel herum lokalisiert. Sie zeigen dort meist die klassische Kalottenform und sind der Selbstmedikation zugänglich. An empfindlichen Hautregionen (z. B. Bartgegend, Lippen und Augenlidern) dominieren dagegen gestielte Formen (Pinselwarzen). An Händen und Füßen breiten sie sich infolge mechanischer Beanspruchung oft mosaikartig aus (Mosaikwarzen).
  • Dornwarzen = Stechwarzen (Verrucae plantares) entstehen an den Fußsohlen. Durch Druck des Körpergewichts wachsen die Warzen hier wie ein Dorn in die Tiefe. Dornwarzen können deshalb recht schmerzhaft sein und müssen dann vom Arzt versorgt werden. Oft finden sich in ihrer Mitte charakteristische dunkle Punkte, die auf kapillare Einblutungen zurückzuführen sind.
  • Plantarwarzen = Flachwarzen (Verrucae planae) bilden dezente, rundlich-ovale, flache, hautfarbene bis rötlichbraune, weiche Knötchen von 3 bis 4 mm Durchmesser. Sie breiten sich oft großflächig aus, zeigen jedoch eine hohe Spontanheilungsquote. Prädilektionsstellen sind Gesicht, Hand- und Fußrücken sowie Unterarme.
  • Feigwarzen = Feuchtwarzen = Kondylome (Condylomata acuminata) sind hochinfektiös und treten hauptsächlich im Anogenitalbereich von Erwachsenen auf. Sie werden in erster Linie durch Sexualkontakt übertragen. Feigwarzen sind anfangs nur stecknadelkopfgroß, können jedoch konfluieren und blumenkohlartige, infiltrierende Wucherungen bilden, die auch zur Entartung neigen. Zu den prädisponierenden Faktoren gehören Phimose bzw. Urethra- und Vaginalentzündungen. Spontanheilung gibt es hier nicht. Eine Selbstmedikation muss hier strikt abgelehnt werden.

Wann zum Arztbesuch raten?

Faustregel für die Selbstmedikation: Nur vereinzelte, banale Verrucae an unkomplizierter Stelle dürfen in Eigenregie behandelt werden. Sobald Schleimhäute, Gesicht oder der Anogenitalbereich betroffen sind, die Hautwucherung blutet, ständig weiter wächst, behaart ist, schmerzt oder melanomartig erscheint, muss der Patient an den Arzt verwiesen werden. Gleiches gilt auch, wenn ein Selbstmedikationsversuch völlig erfolglos geblieben ist.

Keratolyse erfordert Geduld Die klassische Warzenbehandlung besteht im Abtragen der hyperkeratotischen Masse nach vorangehender Keratolyse mittels Salicylsäure (z. B. Verrucid®). Dabei wird der interzellulare Zusammenhang der Hornzellen gelöst, so dass sich die Warzenmasse anschließend mechanisch ablösen lässt. Auch Kombinationen mit Milchsäure (z. B. Clabin® plus, Collomack®, Duofilm®) stehen zur Verfügung. Bei der Abgabe von keratolytischen Warzenlösungen sollten Sie Ihren Kunden auf eine Behandlungsdauer von – je nach Verhornungsgrad der Warze – sechs bis acht Wochen vorbereiten. In dieser Zeit müssen die Lösungen konsequent zwei- bis viermal täglich appliziert werden. Erklären Sie Ihrem Kunden, dass der weißliche Film, den die Collodium-haltigen Lösungen auf der Haut hinterlassen, vor dem nächsten Auftragen abgezogen bzw. abgerubbelt werden muss. Weiterer wichtiger Hinweis: "Um die umliegende gesunde Haut zu schützen, sollten Sie diese zum Beispiel mit Vaseline oder Zinkpaste abdecken". Damit sich die aufgeweichten Hornschichten mittels Bimsstein oder Hornhauthobel (nie mit Messer oder Schere!) leichter abtragen lassen, ist es sinnvoll, die Haut zuvor in warmem Seifen- oder Salzbad zusätzlich aufzuweichen.

Pflaster für hartnäckige Fälle Bei stark verhornten Warzen sind Salicylsäure-Pflaster (z. B. Guttaplast®, Spezial-Warzen-Pflaster Wurzeltod®) effektiver. Das Pflaster muss mittig auf die Warze platziert und gegebenenfalls zusätzlich fixiert werden. Das umgebende Gewebe lässt sich durch ein Fixierpflaster (z. B. in Spezial-Warzen-Pflaster Wurzeltod® mit dabei) schützen. Nach drei bis fünf Tagen wird das Pflaster entfernt und dann versucht, die nun weißlich gewordene Hautschicht wie oben beschrieben vorsichtig abzutragen. Manchmal gelingt dies erst nach einigen Tagen Wartezeit. Wenn nicht, muss die Prozedur wiederholt werden.

Echt ätzend Mit Ätzmitteln wie Monochloressigsäure (z. B. Acetocaustin®) oder Silbernitrat (z. B. Höllenstein Ätzstift) lässt sich das Warzengewebe verätzen und auf diese Weise devitalisieren. Die Applikation einmal pro Woche, bei geringem Verhornungsgrad auch seltener, reicht dabei meist aus. Warnen Sie auf jeden Fall vor "viel hilft viel": Bei Überdosierungen kann es mit Ätzmitteln zu tieferen Gewebeschäden mit Narbenbildung kommen. Im Gesicht und auf andere empfindliche Hautbereiche sowie auf wunde, vorgeschädigte Warzen dürfen die Präparate nicht aufgebracht werden. Aber auch die ordnungsgemäße Anwendung kann etwas schmerzhaft sein oder Reizungen verursachen. Daher ist es hier besonders wichtig, die umliegende Haut mittels gut haftender Salbe zu schützen.

Gezielter Kälteschock Früher war die Kryotherapie (mit flüssigem Stickstoff) dem Arzt vorbehalten. Auf der Basis von Dimethylether-Propan-Gemischen (Wartner®, Scholl Freeze® Warzenentferner) stehen seit einiger Zeit auch Vereisungsprodukte für die Selbstmedikation zur Verfügung. Damit lassen sich Warzen bei ca. -57 °C vereisen. Diese Methode ist vor allem für singuläre, stark verhornte Warzen sowie Patienten, die einen raschen Behandlungserfolg wünschen, eine geeignete Option. Erklären Sie im HV das Wirkprinzip: Das Vereisungsspray erzeugt unter der Warze ein Bläschen, so dass sich diese abhebt und nach einigen Tagen von allein abfällt. Oft ist schon die einmalige Anwendung erfolgreich. Sie darf frühestens nach zehn Tagen und höchstens dreimal (Wartner®) bzw. viermal (Scholl Freeze® Warzenentferner) wiederholt werden. Ergänzender Abgabehinweis: Die Blase keinesfalls aufstechen, sondern am besten mit einem Pflaster abdecken. Liegen mehrere Warzen dicht zusammen, müssen sie nacheinander im Abstand von ca. zwei Wochen behandelt werden.

Gemäß Herstellerangaben können die Vereisungsprodukte für gewöhnliche Warzen, Flach-, Dorn- und Dellwarzen eingesetzt werden. Nicht geeignet sind sie jedoch für dunkle, behaarte, entzündete oder empfindliche Hautbereiche sowie für Kinder unter vier Jahren. Wie bei jeder Kryotherapie kann auch mit Wartner® & Co. eine Depigmentierung auftreten.

Das praktische Handling erklären Fragen Sie Ihren Kunden, ob er mit dem Handling des Produkts schon vertraut ist: Pro Anwendung wird ein neuer Applikator auf die Spraydose gesetzt und mit dem Kältegemisch getränkt. Anschließend platziert man den Applikator für maximal 20 (Wartner®) bzw. 40 Sekunden (Scholl Freeze® Warzenentferner) direkt auf die Warze. Diese kann dabei schmerzen und wird danach weißlich verfärbt sein.

Der Hinweis, dass Vereisungssprays nicht mit anderen Warzen–entfernungsmethoden kombiniert werden dürfen, sollte im Verkaufsgespräch ebenfalls nicht fehlen. Um das narbenfreie Abheilen zu beschleunigen, können Sie zur Abrundung Ihrer Beratung dem Kunden noch eine Dexpanthenolhaltige Wundsalbe empfehlen.

Jeder Zweite hat schon ihre Bekanntschaft gemacht: Warzen – viral bedingte, infektiöse, multiforme Hornhautwucherungen. So spontan, wie sie auftreten, verschwinden sie oft auch wieder. Manchmal trotzen sie allerdings selbst intensiver Behandlung. Inzwischen steht ein aufgerüstetes Anti-Warzen-Arsenal für die Selbstmedikation zur Verfügung. Welche Behandlungsstrategie die geeignete ist, hängt von Art, Lokalisation und Ausbreitungsgrad der Warzen sowie dem Hautzustand des Patienten ab. Die klassische Warzenbehandlung besteht im Abtragen der Hornhaut nach vorangehender Keratolyse mit Salicylsäure. Mit Ätzmitteln lässt sich das Warzengewebe verätzen und auf diese Weise devitalisieren.

Phänomen: Warzen-Spontanheilung "Bei Vollmond eine Nacktschnecke über die Warze kriechen lassen", "Einen abgeschnittenen Hechtkopf drüber streichen" "Die Warze besprechen" – bei der Diskussion über angeblich erfolgreiche, skurrile Behandlungsmethoden gilt es anzumerken: Manche Warzenarten zeigen eine hohe Spontanremissionsquote. Selbst nach monatelanger Persistenz und erfolgloser Behandlung verschwindet schätzungsweise ein Viertel aller Warzen von alleine wieder. Wahrscheinlichster Grund: Der Körper baut eine Immunität gegen das Virus nur allmählich auf und kann dann die Infektion schließlich aus eigener Kraft überwinden.

Hochansteckend: Dellwarzen Dellwarzen werden nicht durch Papillomaviren, sondern durch das Molluscum-contaginosum-Virus aus der Familie der Pockenviren verursacht. Die Übertragungswege sind analog zu denen der Papillomaviren. Betroffen sind vor allem Kinder mit atopischer Diathese. Diese Warzen bilden auf der Haut 2 bis 5 mm große, schmerzlose, perlenartige, rosa Knötchen. Sie sind typischerweise im Zentrum eingedellt und geben auf Druck eine weißliche, virushaltige Masse frei. Dellwarzen sind sehr ansteckend und sollten von einem Arzt begutachtet werden.Apothekerin Christiane Weber

Harmlose Alterswarzen Alterswarzen (seborrhoische Warzen) sind gutartig, haben keine virale Genese und sind damit auch nicht ansteckend. Es handelt sich dabei um epidermale Wucherungen, die nicht in die Tiefe vordringen. Ihre Farbe variiert zwischen gelblich bis braunschwarz. Wegen der Verwechslungsgefahr mit malignen Melanomen sollten sie dermatologisch abgeklärt werden.

Homöopathische Warzenbehandlung

Wer seine Warzen homöopathisch angehen möchte, kann es mit der dreimal täglichen Einnahme von Thuja D6, unterstützt durch die lokale Anwendung von Thuja extern versuchen. Aber auch Causticum D6 (für stark verhornte, persistierende, gestielte Warzen) und Acidum nitricum D12 (für weiche Warzen) haben sich schon bewährt.

Warzenprophylaxe

Einen sicheren Schutz vor Warzen gibt es nicht. Dennoch kann man in puncto Warzenprophylaxe ein paar Verhaltensregeln geben:

  • in öffentlichen Einrichtungen nicht barfuß laufen
  • Hände und Füße möglichst trocken halten
  • intensive Hautpflege betreiben
  • für gute Hautdurchblutung sorgen
  • nur eigene Handtücher benutzen
  • das Immunsystem stärken
  • niemals mit scharfen Gegenständen an einer Warze herummanipulieren

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