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Nichtrauchen muss zum Normalfall werden – diese Parole hat die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium Marion Caspers-Merk zum Weltnichtrauchertag (31. Mai) ausgegeben. Man kann sie in ihren Bemühungen, dieses Ziel zu erreichen, nur unterstützen. Rauchen ist das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko unserer Zeit. Die über 110.000 tabakbedingten Todesfälle jährlich in Deutschland müsste es nicht geben.

Immerhin, in den letzten dreißig Jahren hat sich viel getan in Sachen Nichtrauchen. Zwar wusste man bereits in den siebziger Jahren, dass der Rauch von Tabakerzeugnissen viele Schadstoffe enthält und sogar Krebs hervorrufen kann, aber vielleicht ja auch nicht bei jedem.

Die Einsicht, deswegen gar mit dem Rauchen aufzuhören, war kaum verbreitet. So konnte damals der Arzt seinem Patienten diese Erkenntnisse noch verkünden, während er selbst erstmal einen tiefen Zug an seiner Zigarette machte. In Filmen gehörte es noch zum guten Ton, wenn die Hauptdarsteller mit Kippe im Mund ihre Rollen spielten und überhaupt – die Zigarette davor oder danach gehörte dazu wie ein Espresso nach dem Essen. Gaststätten, Restaurants, Bars und Szenelokale waren nur gut und "in", wenn in ihnen die rauchgeschwängerte Luft "zum Schneiden" war. Dass alle Kleider am nächsten Morgen nach Rauch stanken, war in den 70ern nichts Ungewöhnliches und gesellschaftlich toleriert.

Vor allem seit der Jahrtausendwende zeichnet sich ein "Klimawechsel" beim Rauchen ab: Die Luft ist im wahrsten Sinn des Wortes besser geworden. Die Bundesregierung hat, obwohl sie über die Tabaksteuer selbst kräftig am Tabakkonsum mitverdient, zahlreiche Ansätze und Vorstöße unternommen, Jugendliche und Erwachsene vom Rauchen abzuhalten.

Tabaksteuererhöhungen, Warnhinweise auf den Packungen und ein Abgabeverbot von Tabakwaren an Jugendliche unter 16 Jahren sind zum Beispiel solche Maßnahmen. Hinzu kamen Gesetze zum Schutz der Nichtraucher am Arbeitsplatz, die rauchfreien Zonen in Gaststätten, partielle Werbeverbote und die Abgabe kostenloser Zigaretten zu Werbezwecken.

Solche aufklärenden und gesetzlichen Maßnahmen haben langsam aber stetig dazu beigetragen, dass Nichtrauchen heute immer mehr zum selbstverständlichen Verhalten wird. Einen Erfolg kann man auch daran ablesen, dass sich die Raucherquote in der Altersgruppe der 12- bis 17-Jährigen von 28% im Jahr 1997 auf 20% im Jahr 2005 gesenkt hat. Rauchen ist "uncool" heißt es beispielsweise bei "Help", der Jugendkampagne der Bundesregierung für ein rauchfreies Leben. Help soll in den nächsten vier Jahren mit Fernsehspots, Plakaten, einem Internetportal und einer mobilen Informationsplattform junge Leute zum rauchfreien Leben motivieren.

Auch auf anderen Ebenen lässt die Regierung nicht nach, gegen den Tabakkonsum zu kämpfen. So werden ab Januar 2007 Zigaretten an öffentlich zugänglichen Automaten nur noch mit Altersnachweis erhältlich sein. Der Chip der zum Bezahlen notwendigen EC-Karte wird mit einem Jugendschutzmerkmal ausgestattet, mit dem die Benutzer nachweisen, dass sie älter als 16 Jahre sind.

Das Bundesland Bayern macht einen bemerkenswerten Vorstoß: Ab 1. August 2006 gilt an allen bayerischen Schulen Rauchverbot für Schüler und Lehrer. Ich frage mich: Wo bleiben die anderen Bundesländer?

Angesichts solcher Antiraucherbewegungen in unserer Gesellschaft und Rauchfrei-Kampagnen sind mir die Aktivitäten von Seiten der Apotheker noch zu gering. Zwar findet man hin und wieder eine Apotheke, die ein Schaufenster mit Raucherentwöhnungsmitteln dekoriert hat oder sogar mit Flugblättern und kleineren Aktionen für die Raucherentwöhnung wirbt (Raucherentwöhnungsmittel gehören zum Apothekensortiment!), aber die großen Aktionen, die durch alle Apotheken gehen, zentral von unserer Öffentlichkeitsarbeit gesteuert werden (vielleicht mit pfiffigeren Ideen und Plakaten als zum "Tag der Apotheke") und die Öffentlichkeit nachhaltig durchdringen, fehlen. Immer wieder wird gepredigt, dass die Prävention eine Domäne der Apotheke ist. Mit einer groß angelegten bundesweiten und intensiven Antiraucherkampagne könnten wir uns profilieren und einen positiven Namen in der Bevölkerung machen.

Zum diesjährigen Weltnichtrauchertag forderte der Präsident der Bundesärztekammer Hoppe ein gesetzliches Rauchverbot in Gaststätten – auch zum Schutz der Passivraucher. Die Meldung erschien in nahezu allen großen Tageszeitungen. Von Forderungen der Apotheker zum Weltnichtrauchertag hatte ich nichts in den Medien gehört oder gelesen.

Peter Ditzel

Nichtrauchen als Normalfall

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