DAZ Feuilleton

Spargel in Küche und Kunst

Jetzt werden sie wieder überall angeboten, in Restaurants, Geschäften und direkt beim Erzeuger: Bis zum Johannistag, dem 24. Juni, haben weißer und grüner Spargel Saison. Schon Griechen und Römer rühmten Spargel als Heilpflanze und "Gewächs für die Liebeskraft". In Schrobenhausen, dem Zentrum des oberbayerischen Spargelanbaus, zeigt das Europäische Spargelmuseum alles Wissenswerte über die beliebte "Genussstange".

1913 heirate ein Bauernsohn aus der Mainzer Spargelgegend eine Schrobenhauserin und begann alsbald auch dort mit dem Spargelanbau. Der Molasseschwemmboden südlich der Donau eignet sich hervorragend dazu, und so nahm die Anbaufläche auf nunmehr 700 Hektar zu.

1985 wurde im Amtsturm von Schrobenhausen, einem Teil der alten Stadtbefestigung, das Deutsche Spargelmuseum eröffnet. Großzügige Beiträge von Spargelfreunden aus 21 europäischen und neun überseeischen Ländern vergrößerten die Sammlung auf über 1000 Exponate. Deshalb durfte es sich 1991 – nach Fertigstellung eines Erweiterungsbaus und der dreisprachigen Beschriftung der Schaustücke – in "Europäisches Spargelmuseum" umbenennen und wurde 1993 zum "European Museum of the Year" gekürt. Kürzlich erfuhr das Museum wieder eine Ehrung: In einem deutschlandweiten Wettbewerb unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Köhler wurde es als einer von 365 "besuchenswerten Orten in Deutschland, dem Land der Ideen" ausgezeichnet.

Alte Arzneipflanze

Das Museum umfasst alle drei Ebenen des früher auch als Gefängnis genutzten Amtsturms mit folgenden Schwerpunkten:

  • Botanik und Kultivierung des Spargels sowie seine Verwendung in der Medizin.
  • Küche und Kulinarik, z. B. Geschirr und Utensilien speziell zum Verspeisen von Spargel; auch Methoden der Konservierung von den ersten Anfängen um 1850 bis heute werden dort dokumentiert.
  • Spargel in der Kunst. Ältestes Schaustück des Museums ist ein römischer Bronzespargel in Originalgröße aus dem 2. Jahrhundert v. Chr., der in den Donauauen bei Linz gefunden wurde.

    Der Spargel (Asparagus officinalis, Asparagaceae, früher: Liliaceae) stammt aus Vorderasien. War der Wildspargel den Griechen eher als Heilpflanze bekannt – Hippokrates von Kos (460–370 v. Chr.) empfahl ihn bei roter Ruhr –, so schätzten die Römer bereits seinen edlen Geschmack und seine aphrodisische Wirkung und bemühten sich, ihn im Garten zu kultivieren. In seiner Schrift "Über den Landbau" widmete der römische Staatsmann Marcus Portius Cato (234–149 v. Chr.) dem Spargel ein eigenes Kapitel.

    Stilgerechtes Tafelgeschirr

    Abgesehen von Kloster-, Apotheker- und sonstigen Heilkräutergärten wird der Spargel in Mitteleuropa erst seit etwa 450 Jahren kultiviert. Das feine Gemüse war anfangs der Oberschicht vorbehalten. Für seine stilgerechte Präsentation auf der Speisetafel überboten sich die Porzellan- und Fayencemanufakturen an Ideen. Aus Frankreich stammen elegant gewölbte "Spargelliegen" – Servierplatten mit Löchern, damit der Spargelsud abtropfen kann. Manches Geschirr wurde mit Spargelbündeln dekoriert. Noch heute sind eigene Spargelteller und -geschirre mit geformten oder gemalten Spargelmotiven üblich. Vornehmheit demonstrierte man auch mit kunstvoll gearbeiteten, silbernen Spargelzangen.

    Spargel als Kunstmotiv

    Die erste bekannte Abbildung von Spargel fand sich auf einem Wandgemälde in Pompeji aus der Zeit um 10 v. Chr. (heute in Neapel). Ein Bündel Grünspargel ist dort von Fischen und anderem Meeresgetier umgeben – eventuell war er eine bevorzugte Zuspeise zum Fisch. Die italienische Renaissance entdeckte das Motiv des Spargelbündels wieder und verwendete es in stuckierten Fruchtgirlanden und gemalten Blumengestecken. Niederländische Maler bildeten Spargel realistisch zusammen mit anderen Nahrungsmitteln auf ihren Stillleben ab, die zur Dekoration von Speisezimmern gedacht waren. Legenden ranken sich um zwei berühmte Stillleben von Manet, das eine mit einem Spargelbündel, das andere mit einer einzigen Spargelstange (nicht im Museum). Viele Künstler – insbesondere der Gegenwart – verwendeten das Motiv "Spargel" auf ihren Bildern, Skulpturen und Cartoons auf ironische Art.

    Anbau: Saison und Turnus

    Am Johannistag, gleich nach der Sommersonnenwende, endet traditionsgemäß die Spargelsaison. Dann dürfen sich die Pflanzen regenerieren, sie wachsen zu den charakteristischen feinbuschigen Stauden aus. Doch findet man im Herbst auf den Spargelfeldern nur noch selten Stauden mit den kleinen, roten Beerenfrüchten. Denn zum Anbau werden die männlichen Pflanzen bevorzugt. Geerntet wird Spargel vom dritten bis zum achten, höchstens zehnten Jahr – danach wird er "tot gestochen" und die Wurzeln ausgepflügt. Etwa genau so viele Jahre benötigt anschließend der Boden zur Erholung.

  • Spargelmuseum

    Europäisches Spargelmuseum Am Hofgraben 3 86529 Schrobenhausen Tel. (0 82 52) 909 85 34 oder 9 02 14 www.museen-schrobenhausen.de Geöffnet: 15. April bis 30. Juni täglich 10–18 Uhr, 1. Juli bis 30. September Di bis So 14–16 Uhr, 1. Oktober bis 14. April Mi, Sa, So 14–16 Uhr

    Lenbachstadt

    Die 1200 Jahre alte Stadt Schrobenhausen, zwischen Ingolstadt und Augsburg gelegen, wartet mit vielen Sehenswürdigkeiten auf: historischer Stadtkern mit gotischer Frauenkirche, Stadtmauer mit Wallumgürtung, mehrere Museen. In seinem Geburtshaus (gleich neben dem Spargelmuseum) ist dem Malerfürsten der Gründerzeit (1870er-Jahre), Franz von Lenbach, eine beeindruckende Erinnerungsstätte mit vielen Originalskizzen und Porträts der "Münchner Gesellschaft" gewidmet.

    Spargel als Arznei

    Fläschchen für homöopathische Asparagus-Urtinkturen und Verdünnungen, Spargelpresssaft oder Spargelwasserdestillate, Teemischungen und (meist nicht mehr im Handel befindliche) Spargelwurzel-Spezialitäten erinnern im Museum an die arzneiliche Verwendung von Spargel.

    Die frischen Sprossen (Spargelstangen), noch intensiver die im Herbst gegrabenen, getrockneten Wurzeln des Spargels zeigen auf Grund der reichlich vorkommenden Steroidsaponine (u. a. Sarsasapogenin) eine harntreibende (aquaretische) Wirkung (die jeder Spargelliebhaber kennt). Sie kann zu einer leichten Blutdrucksenkung führen.

    Die positive Monographie der Kommission E empfiehlt Spargelwurzel zur Durchspülungstherapie bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege und vorbeugend bei Nierengrieß, besonders in Kombination mit Petersilien- oder Liebstöckelwurzel (nicht jedoch bei eingeschränkter Nieren- oder Herzfunktion anzuwenden!). Die Homöopathie setzt Dilutionen aus frischen Sprossen bei Herzschwäche und Nierensteinleiden ein (Kommission D). Aus der Volksmedizin ist die Anwendung von Spargelwurzel bei Wassersucht, Arthritis, Rheuma und Gicht, auch bei Leber- und Milzleiden oder starkem Herzklopfen überliefert.

    Spargel besitzt einen geringen Nährwert, aber viel Vitamin A, C und E und Mineralstoffe – die ideale Diät zum Abnehmen. Der weiße Spargel wurde um 1760 durch Zufall entdeckt: Unter einem Erdhaufen hatte die Wurzel weiße Sprosse getrieben, die sich als nicht weniger wirksam und mindestens so köstlich wie der bis dahin übliche grüne Spargel erwiesen.

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