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Leistungsorientierung im Tarifvertrag: Gut Ding will Weile haben

Schon seit geraumer Zeit engagiert sich ADEXA für eine Modernisierung des bisherigen Tarifmodells für den Apothekenbereich. Eine entsprechende Arbeitsgruppe mit der Arbeitgebervertretung Ų dem ADA Ų ist dabei, eine tarifliche Gehaltstruktur zu entwickeln, die sich nicht nur an der Berufserfahrung, sondern auch an der persönlichen Leistung der einzelnen MitarbeiterInnen orientiert. Mit Jutta Nörenberg, der Tarifexpertin von ADEXA, sprach Sigrid Joachimsthaler (sjo).

sjo:

Frau Nörenberg, warum soll der Tarifvertrag überhaupt geändert werden? Reicht die Unterscheidung nach Berufsgruppen und Berufsjahren nicht aus?

Nörenberg:

Nach der bisheri–gen Tarifpraxis werden Faktoren wie hoher persönlicher Einsatz, individuelles Leistungsprofil oder besondere Fähigkeiten nicht angemessen honoriert. Finanzielle Anreize zur Weiterqualifizierung lagen bisher im Ermessen der Apothekenleiter – und aus der Rechtsberatung wissen wir, dass sie davon nur sehr zögerlich Gebrauch machen.

sjo:

Es hat ja einige Zeit gebraucht, bis sich auch der ADA für eine solche Modernisierung erwärmen konnte. Welche Gründe haben die Arbeitgeber von der Notwendigkeit solcher struktureller Veränderungen überzeugt?

Nörenberg:

Die bisherige Vergütungspraxis trägt nicht zur wirtschaftlichen und qualitativen Zukunftssicherung der Apotheke bei, weil sie die Angestellten nicht zur stetigen Verbesserung ihrer Beratungsleistung motiviert. Dies haben inzwischen auch die Arbeitgeber erkannt.

sjo:

Wie ist denn der aktuelle Entwicklungsstand? Gibt es schon konkrete Ergebnisse oder klare Tendenzen?

Nörenberg:

Wir arbeiten mit dem ADA zurzeit intensiv an einem Tarifvertrag, der Leistungskriterien in Form von Qualifizierungsmaßnahmen festschreiben soll. Das heißt, es werden Strukturen erstellt, Inhalte der Seminare abgestimmt und natürlich die Gehaltssteigerungen diskutiert.

Als Grundlage kann es eine Art Basistarif geben, auf den dann individuelle Vereinbarungen einer Apotheke aufgesetzt werden. Diese bieten Anreize und Sensibilisierung für den Arbeitnehmer, weil eine schnellere und höhere Dotierung erreicht werden kann. Leistung wird honoriert. Zum anderen bedeutet es aber auch, dass der Unternehmer für seinen Betrieb erkennt und bestimmt, wo er steht bzw. wohin er seinen Betrieb führen will.

Die Kriterien des Tarifvertrages für Qualifizierungsmaßnahmen werden gemeinschaftlich von beiden Tarifparteien festgelegt.

sjo:

Um welche Qualifikationen und Kompetenzen geht es dabei?

Nörenberg:

Vorgesehen ist unter anderem der Bereich Kommunikation, der die kompetente Beratung, aber auch Zusatzverkäufe und richtiges Telefonieren beinhaltet. Die Qualifikation zum Fachapotheker muss berücksichtigt werden, ebenso Weiterbildungen und Sonderaufgaben einzelner Mitarbeiter in den Apotheken.

sjo:

Wird das Prinzip der leistungsorientierten Bezahlung für alle Berufsgruppen in der Apotheke gelten?

Nörenberg:

Aber selbstverständlich. Alle Berufsgruppen – also pharmazeutisches und kaufmännisches Personal – tragen durch ihre Berufsqualifikation dazu bei, dass die Apotheke sich erfolgreich als Kompetenzzentrum für Gesundheit präsentieren kann.

sjo:

Wie sieht der weitere Zeitplan aus? Gibt es schon Prognosen, wann der erste neuartige Tarifvertrag in Kraft treten wird?

Nörenberg:

Solch ein Tarifwerk, das zukunftsweisend und innovativ ist und zudem ein Novum in der deutschen Tariflandschaft darstellt, kann und soll nicht übers Knie gebrochen werden. Offene Fragen zu Strukturen, Inhalten, Partnern und Anbietern von Qualifizierungsmaßnahmen, aber auch Rechtsfragen werden uns noch eine Weile beschäftigen. Ich bin aber zuversichtlich, dass spätestens Anfang 2008 solch ein Tarifvertrag in Kraft treten kann.

sjo:

Frau Nörenberg, vielen Dank für das Gespräch!

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