Prisma

Augenheilkunde: Gezähmte HI-Viren als sichere Genfähren

Ein verändertes HI-Virus verwendete eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern für die Genübertragung in Netzhautzellen von Mäusen. Damit gelang erstmalig die Behandlung einer erblichen Augenerkrankung durch Gentherapie.

Die Wissenschaftler suchten nach einem viralen Vektor, der Gene zu therapeutischen Zwecken in die Netzhaut einer Maus einbringen kann, ohne Mutationen auszulösen. Das Therapie-Gen sollte über möglichst lange Zeit für die defekte, zelleigene Kopie einspringen und von der Zelle vervielfältigt werden. Die Lösung für den Transporter fand sich in Form eines HI-Virus, das seiner gefährlich machenden Sequenzen beraubt wurde und somit als sichere Genfähre fungieren konnte.

Gentherapien sind bereits in früheren Studien zur Behandlung erblicher Blutkrankheiten erfolgreich eingesetzt worden, hatten aber in drei Fällen eine Leukämie-ähnliche Erkrankung zur Folge. Der Grund dafür lag in der unbeabsichtigten Aktivierung eines krebsauslösenden Gens. Das Therapie-Gen hatte sich nahe bei einem solchen Gen in die Erbsubstanz eingefügt und verursachte dadurch abnormales Zellwachstum. In der nun vorliegenden Arbeit umgingen die Forscher dieses Problem, indem sie durch Veränderung der viralen Erbinformation den Einbau in das Genom der Wirtszelle verhinderten. Um zu überprüfen, ob die Zelle die neuen Informationen dennoch ablas und in Proteine übersetzte, ließen die Wissenschaftler das Virus ein Quallen-Gen in die Netzhautzellen injizieren. Dieses enthielt den Bauplan für ein Protein, das nach Belichtung mit Licht einer anderen Wellenlänge grün fluoresziert. Weil die neue Information konstant umgesetzt wurde, leuchteten die Augen der Mäuse grün, sogar noch neun Monate später. Entsprechend effektiv war auch der Einbau des therapeutischen Gens. ral

Quelle: Nature Medicine 12 (3), 348–353 (2006).

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