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Parlamentarischer Abend: Apotheker übernehmen ökonomische Verantwortung

BERLIN (ks). Die Apotheker sind für die steigenden Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Arzneimittel nicht verantwortlich. Sie sind jedoch bereit, mehr ökonomische Verantwortung für eine wirtschaftliche Arzneimittelversorgung zu übernehmen. Diese Botschaft übermittelten die Präsidenten des Landesapothekerverbandes (LAV) und der Landesapothekerkammer (LAK) Baden-Württemberg den Bundestagsabgeordneten, die am 8. März zu einem parlamentarischen Abend in Berlin erschienen waren.

LAV-Präsident Fritz Becker und LAK-Präsident Dr. Günther Hanke konnten in diesem Jahr eine Reihe von Gesundheitspolitikern und Abgeordneten aus baden-württembergischen Wahlkreisen in der Berliner Landesvertretung begrüßen – unter ihnen die Unionspolitiker Annette Widmann-Mauz und Wolf Bauer, die SPD-Abgeordnete und parlamentarische Staatssekretärin Marion Caspers-Merk und der FDP-Politiker Daniel Bahr. Becker gab ihnen einen Überblick über die wesentlichen Kennzahlen der baden-württembergischen Apotheken im vergangenen Jahr und erläuterte, welche Gründe hinter den steigenden Arzneimittelausgaben stecken. Der LAV-Präsident verwies darauf, dass die Ausgabensteigerung in Baden-Württemberg mit 14,9 Prozent gegenüber 2004 knapp 1,5 Prozentpunkte unter dem bundesdeutschen Durchschnitt lag. Im Vergleich zum Jahr 2003 habe der Anstieg lediglich 1,4 Prozent betragen – von einer Ausgabenexplosion könne daher keinesfalls die Rede sein. Becker erläuterte, dass die faktischen Mehrausgaben auf einer Vielzahl von Gründen beruhen: Insbesondere auf der Absenkung des Herstellerabschlages, dem Verordnungszuwachs, dem Vorzieheffekt und der niedrigeren Zuzahlungsquote. Der größte Teil der Mehrkosten erkläre sich jedoch über die Struktureffekte.

Apotheken zahlen höhere Rabatte als Hersteller

Die Apotheken können hingegen nicht für die Ausgabensteigerungen verantwortlich gemacht werden, betonte Becker. Im Gegenteil: So haben sie im vergangenen Frühjahr auf millionenschwere Rückzahlungsansprüche gegenüber der GKV wegen zuviel gezahlter Rabatte verzichtet. Damit hätten die Apotheken unter Beweis gestellt, dass sie ihre Verantwortung gegenüber dem System sehr ernst nehmen, sagte der LAV-Präsident. Er veranschaulichte zudem, dass die Apotheken mit ihren Rabattzahlungen kontinuierlich und erheblich zur Entlastung der Kassen beitragen: Die GKV in Baden-Württemberg erhielt 2005 von Apotheken und Herstellern Rabatte in Höhe von 180,8 Mio. Euro – zwei Drittel dieses Betrages wurden von den Apotheken aufgebracht. Zugleich machte Becker klar: "Die Stellschraube ,Rabatte' ist im Apothekenbereich bis zum Anschlag gedreht". Ein weiteres Drehen bedeute die Aufgabe der flächendeckenden Arzneimittelversorgung.

"Wir können mehr als wir dürfen!"

Becker warb dafür, Apotheken mehr ökonomische Verantwortung zu übertragen. Er verwies darauf, dass im Generika-Bereich nach wie vor Einsparpotenziale schlummerten. Diese könnten etwa im Rahmen einer neuen Aut-idem-Regelung durch die Pharmazeuten erschlossen werden. Eine Änderung der Regelung im Sinne der Apotheker hat die ABDA den Gesundheitspolitikern bereits vor einiger Zeit unterbreitet – und diese sind den Vorschlägen offenbar auch nicht abgeneigt (siehe auch AZ Nr. 11, 2006, S. 8). Für Becker ist klar: "Wir Apotheker können mehr als wir dürfen!" Aber auch im Rahmen der mit der letzten Reform neu geschaffenen Möglichkeiten sind die baden-württembergischen Apotheker engagiert: Becker berichtete, dass mehr als 2000 Apotheken des Bundeslandes am Barmer-Hausarzt-Hausapothekenmodell teilnehmen. An der integrierten Versorgung zwischen homöopathischen Ärzten, Apotheken und Betriebskrankenkassen engagieren sich bereits mehr als 500 Apotheken.

Apotheken als Mehrwertbringer

LAK-Präsident Hanke verdeutlichte, dass Apotheken ein echter "Mehrwertbringer" für das deutsche Gesundheitssystem sind: Sie verkaufen nicht nur Arzneimittel, sondern bieten auch eine Reihe von Dienstleistungen an – von der flächendeckenden 24-Stunden-Versorgung über die Beratung und Betreuung bis hin zum kostenlosen "Problemlöser" für Patienten in allen Lebenslagen. In der zunehmend technisierten Welt sei die Apotheke zudem als niedrigschwellige Anlaufstelle und Sozialplattform nicht zu unterschätzen. Für viele allein lebende und kranke Patienten stelle die Apotheke einen der letzten Orte des sozialen Austauschs dar, betonte Hanke. Darüber hinaus fungierten Apotheken als Mittler zwischen Arzt und Patienten. Häufig bleibe in der Arztpraxis keine Zeit für eingehende Informationen – im Rahmen der Hausapothekenmodelle könne sich der Apotheker hingegen im verstärkten Maße um die Patienten kümmern und die Arzneimitteleinnahme individuell begleiten. Hanke ist überzeugt, dass sich das breite Spektrum der Apotheken auch für die Krankenkassen rechnet: Der Apothekenbesuch werde immer mehr zum "kleinen Arztbesuch zwischendurch".

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