Arzneimittel und Therapie

Thrombolytika: Alfimeprase löst Blutgerinnsel auf

Alfimeprase ist ein neuartiges Präparat zur Auflösung von Blutgerinnseln. Es wird derzeit zur Behandlung bei zentralvenösem Katheterverschluss in zwei Phase-III-Studien getestet, wie die Firmen Bayer HealthCare (BHC) und Nuvelo Inc. mitteilten.

Alfimeprase ist ein gentechnisch hergestelltes Enzym, das Blutgerinnsel rasch auflöst. Es baut unmittelbar Fibrin ab, das die Grundlage für Blutgerinnsel liefert. Alfimeprase wird zurzeit in klinischen Studien der Phase III auf Behandlungsmöglichkeiten für akute periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) und Katheterverschluss geprüft. Eventuell ist es auch bei einer großen Bandbreite von thrombotischen Erkrankungen wie Schlaganfall, tiefer Venenthrombose (TVT) und Myokardinfarkt von Nutzen. Diese Erkrankungen gehören zu den häufigsten Todes- und Morbiditätsursachen in der westlichen Welt. Die Unternehmen planen weitere klinische Programme mit Alfimeprase bei Schlaganfall und TVT.

Zentralvenöse Katheter offen halten

Alfimeprase kann Blutgerinnsel auflösen und in kurzer Zeit dafür sorgen, dass durch vorher verschlossene Katheter wieder lebenswichtige Arzneimittel wie Chemotherapeutika oder Antibiotika verabreicht werden können. In Studien der Phase II konnte Alfimeprase verschlossene Katheter in höchstens 15 Minuten wieder durchgängig machen.

Chemotherapeutika, Nahrungsergänzungsmittel, Antibiotika und Blutprodukte werden über zentralnervöse Katheter appliziert. Außerdem werden diese Zugänge für die häufige Entnahme von Blutproben für Laboruntersuchungen benötigt. Jedes Jahr werden bei Patienten in den Vereinigten Staaten rund fünf Millionen Katheter gelegt, von denen sich bis zu 25 Prozent zusetzen. Da solche Katheter in erster Linie bei Patienten eingeführt werden, die lebensrettende Medikamente (z. B. eine Chemotherapie) bekommen, muss bei einem Verschluss der Durchfluss durch den Katheter möglichst rasch wiederhergestellt werden. Bei thrombotischen Verschlüssen ist die Behandlung mit Thrombolytika eine weniger invasive und kostengünstigere Alternative zum Ersatzkatheter.

Besser als Alteplase?

In den USA ist derzeit Alteplase (Cathflo®Activase®) für die Wiederherstellung der Funktionstüchtigkeit zentralvenöser Katheter zugelassen. Bereits veröffentlichte Ergebnisse einer randomisierten, doppelblinden Multicenter-Studie der Phase II bei 55 Patienten mit zentralvenösem Katheterverschluss belegten, dass Alfimeprase fünf Minuten nach der ersten Gabe 40 Prozent und nach 15 Minuten 50 Prozent der verschlossenen Katheter wieder durchgängig machte.

Im Vergleich dazu stellte die schon länger eingeführte Alteplase zu keinem dieser Zeitpunkte den Durchfluss wieder her. Außerdem waren nach der ersten Gabe von Alfimeprase 60 Prozent der verschlossenen Katheter und nach der zweiten Applikation des Präparats 80 Prozent der zugesetzten Katheter nach 120 Minuten wieder durchgängig. Die Werte für Alteplase lagen jeweils 120 Minuten nach der ersten Gabe bei 46 Prozent und nach der zweiten Verabreichung bei 62 Prozent.

Phase-III-Studie zum Einsatz bei Katheterverschluss

Die aus einem einzigen Therapiearm bestehende offene Studie SONOMA-3 ("Speedy Opening of Non-functional and Occluded catheters with Mini-dose Alfimeprase-3") ist die zweite von zwei sich überschneidenden internationalen Untersuchungen im Rahmen des Phase-III-Programms für Katheterverschluss. Sie soll zur Evaluierung der Sicherheit und Wirksamkeit von 3 mg Alfimeprase bei 800 Patienten mit zentralvenösem Katheterverschluss dienen.

SONOMA-2, die erste Studie im Rahmen des laufenden klinischen Phase-III-Programms zum Katheterverschluss, begann im September 2005, und die Aufnahme von Patienten soll in der zweiten Hälfte dieses Jahres abgeschlossen sein. Bei dieser randomisierten Doppelblindstudie geht es um den Vergleich der Wirksamkeit von 3 mg Alfimeprase mit Placebo bei 300 Patienten mit zentralvenösem Katheterverschluss. Zwei Drittel der Teilnehmer erhalten Alfimeprase, die übrigen ein Placebo. Der primäre Endpunkt ist die Wiederherstellung der Katheterfunktion innerhalb von 15 Minuten.

Zur Therapie der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit ebenfalls in Phase III

Alfimeprase wird zurzeit auch in einem als NAPA (Novel Arterial Perfusion with Alfimeprase) laufenden Phase-III-Programm zur Therapie der akuten peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAKV) – auch Schaufensterkrankheit – geprüft. Das Programm besteht aus zwei sich überschneidenden randomisierten, doppelblinden, internationalen Studien.

Hier werden bei insgesamt 600 Patienten 0,3 mg/kg Alfimeprase mit Placebo verglichen. Der primäre Endpunkt in beiden Studien ist das Vermeiden eines offenen gefäßchirurgischen Eingriffs innerhalb von 30 Tagen nach der Therapie. Außerdem werden zurzeit eine Reihe sekundärer Endpunkte evaluiert, darunter Sicherheitsendpunkte wie die Inzidenz von Blutungen und pharmakoökonomische Endpunkte wie die Dauer des Krankenhausaufenthalts und die Verweilzeit auf der Intensivstation.

Bei der ersten Studie in diesem Programm, NAPA-2, soll die Rekrutierung von Patienten in der ersten Jahreshälfte abgeschlossen sein. Die zweite Studie, NAPA-3, soll Anfang 2006 starten und läuft nach einem SPA-Verfahren (Special Protocol Assessment) der FDA ab. Ein SPA ist eine schriftliche Vereinbarung über das Design und den Umfang klinischer Prüfungen, die als Grundlage für eine neue Arzneimittelanwendung dienen sollen.

Im Januar 2006 wurde Nuvelo von der amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde FDA der Fast-track-Status für das NAPA-Programm gewährt. Der Fast-track-Status ist neuen Arzneimitteln vorbehalten, die potenziell einen noch unbefriedigten medizinischen Bedarf decken und für die Therapie eines schwerwiegenden oder lebensbedrohlichen Krankheitsbildes gedacht sind.

Ferner kündigte Nuvelo vor kurzem Pläne an, in der zweiten Jahreshälfte 2006 eine Phase-II-Studie von Alfimeprase zur Behandlung eines ischämischen Schlaganfalls sowie im Jahr 2007 eine Phase-II-Studie von Alfimeprase zur Behandlung der tiefen Venenthrombose einzuleiten.

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