Arzneimittel und Therapie

Atypische Antipsychotika: Gut oder schlecht für die Kognition?

Patienten mit unterschiedlichen neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen werden mit Antipsychotika und in zunehmendem Maße mit den modernen atypischen Antipsychotika behandelt. Auch bei Demenzpatienten kommen die Wirkstoffe zum Einsatz, wenn die Erkrankten starke Verhaltensstörungen aufweisen und unter Wahn und Halluzinationen leiden oder zu Aggressionen und feindseligem Verhalten neigen.

Eine britische Studie bei 93 Patienten im Pflegeheim, die wegen einer Alzheimer-Demenz mit Quetiapin behandelt wurden, deutet allerdings ungünstige Effekte auf die Kognition an. Zur Relevanz solcher Beobachtungen sprachen wir mit Dr. Martin Lambert von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Hamburg.

DAZ:

Herr Dr. Lambert, wie relevant sind Beobachtungen, wonach Quetiapin den geistigen Abbau bei Alzheimer-Patienten noch beschleunigt?

Lambert:

Es gibt bislang kaum Studien zur Behandlung von Patienten mit Alzheimer-Demenz und Verhaltensstörungen mit dem Wirkstoff Quetiapin, der zudem für diese Indikation nicht zugelassen ist. Die zitierten Ergebnisse müssen zunächst in größeren Studien bestätigt oder widerlegt werden, bevor man eine abschließende Beurteilung abgeben kann. Allerdings wird unter der Behandlung mit Quetiapin bei anderen psychischen Störungen über eine positive Wirkung auf die Kognition berichtet.

DAZ:

Um welche Erkrankungen handelt es sich?

Lambert:

Quetiapin gehört zur Standardtherapie bei der Schizophrenie und auch bei der Manie bei bipolarer Erkrankung. Es wird außerdem beim Morbus Parkinson eingesetzt, wobei bei keiner der genannten Erkrankungen in den kontrollierten Studien eine Einschränkung oder Verschlechterung der kognitiven Leistungsfähigkeit gesehen wurde. Im Gegenteil: Bei schizophrenen Patienten wurde klar belegt, dass Quetiapin die Kognition verbessert ebenso wie auch andere atypische Antipsychotika. Es gibt ferner Metaanalysen zu dieser Frage. Sie zeigen, dass nicht in jedem Bereich der Kognition durch die Atypika eine Verbesserung erzielt wird, wohl aber in den wichtigen Bereichen wie der Aufmerksamkeit, der Konzentrationsfähigkeit und dem Gedächtnis. Diese Ergebnisse halte ich allerdings durchaus für relevant. Denn durch die medikamentöse Behandlung erlangen vielen Patienten ihre normale Funktionalität zurück und es wird ihnen wieder möglich, zur Arbeit oder zur Schule zu gehen und wieder ihre normalen sozialen Aktivitäten aufzunehmen – Aktivitäten, die eindrucksvoll auch die Verbesserung der Kognition belegen.

DAZ:

Herr Dr. Lambert, wir danken Ihnen für das Gespräch!

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