GEK fordert unabhängige Arzneimittelinformationen für Ärzte

BERLIN (ks). Auch die Gmünder Ersatzkasse (GEK) verzeichnete 2005 bei ihren Arzneimittelausgaben einen Anstieg von knapp 17 Prozent gegenüber 2004. Verantwortlich hierfür waren insbesondere die Rabattabsenkungen für Hersteller und Apotheken sowie die Verordnung unnötig teuerer Medikamente und Großpackungen, erläuterte GEK-Chef Dieter Hebel am 31. Januar in Berlin. Gemeinsam mit Prof. Gerd Glaeske vom Gesundheitssachverständigenrat und Peter Einhell von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), forderte Hebel, den Einfluss der Pharmaindustrie auf Ärzte und den Gesetzgeber einzudämmen.

Die Absenkung des Herstellerabschlages von 16 auf 6 Prozent belastete die GEK und ihre gut eine Million Mitglieder 2005 mit Mehrausgaben in Höhe von 21 Mio. Euro. Für Hebel ist dies schlicht "eine zusätzliche Spende in die Gewinnkasse der Pharmaindustrie". Auch der "Pfingstfriede" mit den Apothekern liegt dem Kassenchef noch schwer im Magen: Die Absenkung des Apothekenrabatts von zwei auf 1,85 Euro im zweiten Halbjahr 2005 habe die GEK rund 1,1 Mio. Euro gekostet. "Das tut nur dem Apotheker gut - für die Gesundheit unserer Versicherten hat es keinen Vorteil gebracht", so Hebel.

Auch der Arzneimittelversandhandel, auf den die GEK in besonderen Maße setzt, konnte offenbar noch nicht dazu führen, dass die GEK-Ausgaben für Medikamente deutlich unter dem GKV-Schnitt liegen. Ende 2005 erreichte die Kasse mit dem Versand einen Umsatzanteil von 6,4 Prozent an ihren gesamten Arzneimittelausgaben. Für 2006 hat sich die Kasse die 12-Prozent-Marke zum Ziel gesetzt.

KV Bayern: Praxisverbot für Pharmareferenten

Die anhaltende Verordnung teurer Analogpräparate ohne Zusatznutzen bereitet der GEK ebenfalls Sorge. Sie setzt darauf, dass Ärzten künftig mehr unabhängige Arzneimittelinformationen zukommen und der Einfluss der Pharmareferenten sinkt. Einen Mitstreiter hat die Kasse in der KVB. KVB-Geschäftsführer Einhell betonte, dass die Ärzte nicht allein Schuld seien an den steigenden Ausgaben. Zwar seien sie es, die den Rezeptblock in die Hand nehmen - doch die Steuerung werde ihnen schwer gemacht. So erfahren die Mediziner erst nach einem halben Jahr, wie viel ihre Verordnungen gekostet haben. Darüber hinaus seien Ärzte einem massiven Industrieeinfluss ausgesetzt.

Doch das Beispiel der KVB zeige, dass sachliche Information das Verordnungsverhalten beeinflussen könne: "Wir tun vieles, um Ärzte zu einem preisgünstigen Verordnungsverhalten zu bewegen". Die KVB setzt auf eine aktive Beratung - knapp 3500 Ärzte wurden im vergangenen Jahr telefonisch oder persönlich von Medizinern und Apothekern der KVB beraten. Nicht zuletzt darauf sei es zurückzuführen, dass Bayern bundesweit die geringsten Ausgaben für Arzneimittel habe.

Einhell würde sich allerdings noch weitere Schritte wünschen, damit seine Klientel künftig nicht mehr als Buhmann dasteht: So sollten Besuche von Pharmavertretern in Arztpraxen sowie Ärztemuster verboten werden - jedenfalls in den ersten zwei Jahren nach der Markteinführung. Auch für ein Verbot von Anwendungsbeobachtungen und die Einführung einer Positivliste macht sich die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns stark.

"Plage" Analogarzneimittel

Die Industrie hat auch Glaeske im Visier. Für ihn sind Analoga "die Plage des Pharmamarktes". An diese Mittel würden Gelder gebunden, die für die ärztliche Honorierung verloren gingen. Glaeske ist überzeugt: 20 bis 30 Prozent der Ärzte sind in Arzneimittelfragen beratungsbedürftig. Um diese zu einer wirtschaftlichen Verordnung zu bewegen, wäre es angebracht, statt der 16.000 Pharmareferenten der Arzneimittelhersteller 1000 unabhängige Berater zu beschäftigen.

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