Apothekerverband Mecklenburg-Vorpommern: Mehr Umsatz - und doch weniger Gewinn

ROSTOCK (tmb). Die berufspolitische Diskussion wird vom GKV-WSG dominiert. Dies war auch das vorherrschende Thema beim Wirtschaftsseminar des Apothekerverbandes Mecklenburg-Vorpommern am 27. September in Rostock-Warnemünde. Dort wurde aber auch analysiert, wie das Jahr 2006 bisher für die Apotheken in Mecklenburg-Vorpommern verlaufen ist und wie sich das AVWG ausgewirkt hat.

Gemäß den von Guido Michels präsentierten Daten der Treuhand Hannover haben die Apotheken im Osten Deutschlands in der Zeit von Januar bis Juli 2006 einen durchschnittlichen Umsatzzuwachs von 3,7 Prozent, im GKV-Bereich sogar 4,4 Prozent zu verbuchen. Die Apotheken in Mecklenburg-Vorpommern waren daran unterproportional beteiligt. Ihre Umsätze stiegen um 3,3 Prozent insgesamt und um 3,7 Prozent mit der GKV. Allerdings unterschied sich die Entwicklung zwischen den Monaten erheblich, im April gingen die Umsätze gegenüber dem Vorjahr sogar zurück.

Steigende Umsätze sind aber gerade bei der Honorierung mit Festaufschlägen keineswegs eine Garantie für wirtschaftlichen Erfolg. Parallel zu den steigenden Umsätzen sanken die Rohgewinne der Apotheken im Osten im ersten Halbjahr um durchschnittlich 0,4 Prozentpunkte, in Mecklenburg-Vorpommern nur um durchschnittlich 0,2 Prozentpunkte. Ursachen für den Spannenrückgang seien der Wegfall der Einkaufsvorteile als Folge des AVWG, die Preissenkungen bei Generika und Lagerwertverluste gewesen. Die Verteilung der Rohgewinne streut noch immer erheblich. So haben etwa 20 Prozent der Apotheken in Mecklenburg-Vorpommern nur Rohgewinne von höchstens 25 Prozent, während etwas mehr als 20 Prozent der Apotheken Rohgewinne über 28 Prozent erzielen.

Rohgewinne unter 27 Prozent sind bei Apotheken in Ostdeutschland deutlich häufiger als im Westen zu verzeichnen, wie Daten von Uwe Stiftel, Pharmatechnik Rostock, zeigen. Sogar Werte unter 23 Prozent seien im Osten nicht ungewöhnlich. Dies liege am hohen GKV-Anteil und an den hohen durchschnittlichen Packungswerten. Die durchschnittliche Bonhöhe in der Sichtwahl liegt in Mecklenburg-Vorpommern mit 3,74 Euro noch weit unter dem Bundesdurchschnitt von 4,53 Euro. In der Freiwahl ist der Betrag mit 1,65 Euro noch weiter vom Bundesdurchschnitt von 2,34 Euro entfernt. Auch die durchschnittlichen Roherträge der Freiwahl sind in Mecklenburg-Vorpommern besonders niedrig, weil dort vermutlich eher preisgünstige Produkte angeboten werden.

Doch holen die Apotheken in Mecklenburg-Vorpommern ausgehend von ihrem niedrigen Ausgangsniveau bei Frei- und Sichtwahl offenbar auf. Die Freiwahlumsätze stiegen von Januar bis Juli 2006 um 6,8 Prozent im Vergleich zu 4,1 Prozent im Bundesdurchschnitt. Nach den präsentierten Daten stiegen die Sichtwahlumsätze in Mecklenburg-Vorpommern um 2,7 Prozent, während bundesweit die Sichtwahl stagnierte und sich nach Packungen sogar rückläufig entwickelte. In den ersten sieben Monaten des Jahres stieg die Kundenzahl in Mecklenburg-Vorpommern um durchschnittlich 0,66 Prozent, während sie im Bundesdurchschnitt um 1,12 Prozent sank.

Welche beträchtlichen Folgen die durch das GKV-WSG drohenden Änderung für die Apotheken hätten, wurde ebenfalls bei der Veranstaltung erläutert. Einen ausführlichen Bericht hierzu lesen Sie in der nächsten DAZ.

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