Kommentar

Protest im Sandkasten

Lobbyarbeit ist leise, erklärte ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf den deutschen Apothekerinnen und Apothekern auf dem Apothekertag auf die Frage, warum die ABDA denn nicht schon längst dazu aufgerufen habe, gegen die anstehende Gesundheitsreform auf die Straße zu gehen. Zunächst habe man den kons–truktiven Dialog und die Auseinandersetzung gesucht – was auch durchaus richtig und verständlich ist –, mit "Haut-den-Lukas-Kampagnen" sei die Politik nicht zu beeindrucken. Aber: Diese Phase des Dialogs und der leisen Lobbyarbeit scheint jetzt auch für die ABDA – endlich – zu Ende zu gehen. Wenn nämlich die Politik den Dialog ablehnt und sich den Angeboten der Apotheker verschließt, dann ist Schluss mit der sanften Art, ließ Wolf die Delegierten wissen.

Mittlerweile gibt es Zeichen dafür, dass man die im Arbeitsentwurf des GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetzes gegen die Apotheken gerichteten Vorhaben nicht mehr kampflos hinnehmen will. Über Flyer unter der Überschrift "Achtung Gesundheitsreform!" kommunizierte die ABDA auf dem Apothekertag ihre Bereitschaft, ihr Nein zum Reformentwurf öffentlich zu artikulieren. Sie rief dazu auf, einem Filmteam, das auf dem Apothekertag unterwegs war, ein Statement abzugeben, warum man gegen die Gesundheitsreform in der vorliegenden Form sei. Man wolle diese gedrehten Videos auf dem ABDA-Stand der Expopharm zeigen. Außerdem würden diese Statements im Internet veröffentlicht und die geäußerten Argumente gegen die Reform der Bundesgesundheitsministerin überbracht.

Jetzt frage ich mich, was es bringen soll, wenn Apotheker Maierhuber und Müllerfritz in die ABDA-Kamera sagen, dass sie die Reform nicht gut finden. Und was es letztlich bewirken soll, wenn die Apotheker in geschlossenen Hallen sich gegenseitig zurufen, dass sie Nein zur Gesundheitsreform sagen? Eine öffentliche Protestveranstaltung, bei der Apotheker ihren Unmut über die Reform ausdrücken sollen, sieht bei mir anders aus. Sicher, der Marienplatz wäre schon der richtige Ort gewesen – trotz Oktoberfest und Fußballspiel. Aber vielleicht wäre eine Demo in Berlin noch besser gewesen?

Jetzt spielten die Apotheker artig indoor-Protestveranstaltung. Bloß nichts nach draußen sickern lassen, oder? Über die Medien sollte dann kommuniziert werden "Achtung, Gesundheitsreform, die Apotheker streiken". Wie ernst werden solche Proteste im Sandkasten genommen?

Der ABDA-Präsident stellte immerhin in Aussicht, härtere Demonstrationen zu fahren, sollte sich hier nichts ändern. Na, dann bestehen ja noch Hoffnungen.

Peter Ditzel

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.