"Lassen uns nicht einschüchtern": DocMorris-Apotheke ohne Pharmazieräte abgeno

(diz). Die sieben Saarbrücker Pharmazierätinnen und -räte üben ihre Überwachungstätigkeit aus Protest gegen die gesetzeswidrige Eröffnung der DocMorris-Apotheke derzeit nicht mehr aus. Wir sprachen mit Pharmazierat Michael Holzapfel über diese Protestaktion und wie die Eröffnung zustande kam.

AZ:

Die Betriebsgenehmigung für die DocMorris-Apotheke in Saarbrücken war für Sie und weitere sechs Pharmazierätinnen und -räte Grund und Auslöser zu erklären, die Überwachungstätigkeit ruhen zu lassen. Waren Sie oder einer Ihrer Kolleginnen/Kollegen in die Abnahme der DocMorris-Apotheke involviert? Haben Sie diese Apotheke visitiert und geprüft? Oder: Wer hat überhaupt diese Apotheke inspiziert, ob die Vorschriften der Apothekenbetriebsordnung eingehalten werden (Lagerräume, Labor, Grundfläche etc.)?

Holzapfel:

Die Eröffnung der DocMorris-Apotheke wurde uns erst mitgeteilt, nach dem die Genehmigung bereits erteilt war. Die Apotheke wurde wohl abgenommen, aber entgegen dem üblichen Procedere dieses Mal alleine von der Beamtin des Ministeriums, Frau Jeannot. Sie ist Apothekerin und quasi die Chefin der Pharmazieräte. Normalerweise wird eine neu eröffnete Apotheke gemeinsam von dieser Beamtin und dem Pharmazierat aus dem Landkreis abgenommen. Das Ministerium koordiniert dabei bereits Wochen und Monate vorher einen Termin, damit die Beamtin und der Pharmazierat die Abnahme gemeinsam durchführen können.

AZ:

Wann haben Sie zum ersten Mal offiziell erfahren, dass DocMorris in den Räumen der früheren Rats-Apotheke eine Apotheke eröffnen will?

Holzapfel:

Ich habe von der Eröffnung der DocMorris-Apotheke offiziell am Mittwoch, 5. Juli, erfahren. Eröffnet wurde die Apotheke aber bereits am 3. Juli. Der für diese Apotheke zuständige Pharmazierat, Dr. Danzer, wurde erst am 6. Juli davon in Kenntnis gesetzt. Anzumerken ist, dass die Beamtin aus dem Ministerium eine nicht berufsgenossenschaftliche Überprüfung der Apotheke vornimmt, dies ist Aufgabe des Pharmazierats. Man muss demnach festhalten, dass diese Apotheke in dieser Hinsicht noch nicht abgenommen ist, diese Überprüfung müsste noch erfolgen. Hier geht es vor allem um sicherheitsrelevante Fragen wie Bodenbeläge, Leiter, Regale, Elektroinstallationen, Feuerlöscher, Ersthelfer u. ä.

AZ:

Der Minister erklärt, die Pharmazieräte seien bei der Abnahme von Apotheken in Räumen, in denen eine Apotheke bestand, üblicherweise nicht eingebunden.

Holzapfel:

Hier irrt der Herr Minister. Wir wurden hier vorab nicht informiert. Auch die Kammer wusste von nichts.

AZ:

Gibt es einen Unterschied bei der Abnahme zwischen der Neueröffnung und der Übernahme einer Apotheke?

Holzapfel:

Im Prinzip nicht. Der einzige Unterschied besteht darin, dass bei einer Neueröffnung auch die baulichen Dinge abgenommen werden, während man sich bei einer Übernahme auf die vorhandenen genehmigten Baupläne stützt.

AZ:

Der Minister droht in einer Presseerklärung bereits damit, die Überwachungstätigkeit von Dritten aus-üben zu lassen. Schüchtert Sie das ein? Wie ist Ihre weitere Vorgehensweise?

Holzapfel:

Uns Pharmazieräten wurde dies bis jetzt noch nicht übermittelt, davon ist uns noch nichts bekannt. Das schüchtert mich aber auch nicht ein. Wir Pharmazieräte werden weiterhin gemeinsam vorgehen.

AZ:

Herr Holzapfel, wir gehen davon aus, dass Sie /b> die Unterstützung aller Kolleginnen und Kollegen in unserem Land haben. Vielen Dank für das Gespräch.

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.