DAZ aktuell

Sawicki-Institut nimmt Gestalt an

KÖLN (hb). Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat als neuer "Player" in der Arzneimittelversorgung in Deutschland Einzug gehalten. Verständlich, dass die ersten Schritte des Instituts von allen Beteiligten mit Argusaugen verfolgt werden. Langsam kristallisieren sich die Eckpunkte seiner Arbeitsweise heraus, wie bei Forum-Veranstaltung am 21. Februar 2005 in Köln deutlich wurde.

Neben dem Generalauftrag hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) dem Institut bislang Aufträge zur Nutzenbewertung in insgesamt sieben Indikationsgebieten erteilt. Die resultierenden Bewertungen wird der G-BA nach einem Anhörungsverfahren und einer Prüfung seitens des BMGS auf Rechtsförmigkeit als Bestandteile der Arzneimittelrichtlinien umsetzen. Erst dann werden sie für die verordnenden Ärzte zu einer verbindlichen Norm.

Firmen haben

wenig Rechtsschutz

Die pharmazeutische Industrie sieht den Arbeitsergebnissen des Instituts verständlicherweise mit einer gewissen Besorgnis entgegen. Noch scheint die Abgrenzung der Kompetenzen von Bundesausschuss und Institut nach außen hin unscharf. Zudem sind die Modalitäten der Anhörung noch nicht klar, und last but not least ist der Rechtsschutz gegen die Ergebnisse sehr eingeschränkt, wie Rechtsanwalt Burkhard Sträter, Bonn, darlegte. Als problematisch wertet der Jurist darüber hinaus die Tatsache, dass laut GMG im nachfolgenden Anhörungsverfahren explizit nur den "Spitzenverbänden" die Möglichkeit zur Stellungnahme gegeben wird, nicht aber einzelnen Pharmaunternehmen.

Aufgaben sind klar verteilt

Der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses Dr. Rainer Hess, betonte, dass das Institut lediglich die wissenschaftliche Grundlage für die anschließende Kostenbewertung und Normsetzung seitens des Bundesausschusses liefern solle, "mehr nicht". So liege auch die politische Verantwortung ausschließlich beim Bundesausschuss. Demzufolge beanspruche jener aber auch das Recht, dem Institut im Rahmen der Auftragserteilung klare Vorgaben zu machen, etwa bei der Priorisierung der Aufgabenbereiche und bezüglich den zu bewertenden Endpunkten. Wegen dieser klaren Trennung zwischen Nutzenbewertung und Bewertung der Wirtschaftlichkeit werde der Bundesausschuss in seiner Anhörung keine wissenschaftliche Diskussion mehr eröffnen.

Größtmögliche Transparenz

Auch der Leiter des Instituts, Prof. Dr. Peter Sawicki, versuchte die Gemüter zu beruhigen, indem er den Firmen unter Bezugnahme auf die Verfahrensordnung größtmögliche Transparenz zusagte. Das umfangreiche Dokument ist auf der Homepage des Instituts (www.iqwig.de) im Entwurf verfügbar und soll laut Sawicki Ende Februar verabschiedet sein. In diesem Zusammenhang stellte der Leiter des IQWiG heraus, dass das Institut sich bei der Nutzenbewertung nicht sklavisch an die wissenschaftlich übliche Reihenfolge der Evidenz halten werde. Wichtiger als Krankheits- oder Symptom-bezogene sind für ihn Patienten-relevante Endpunkte. Einen Kostenvergleich fasse er ebenfalls ins Auge, aber nur dann, wenn Produkte als gleichwertig anerkannt werden.

"Wir werden auf keinen Fall ja oder nein zu einem Produkt sagen."

P. Sawicki, Leiter des IQWiG

 

"Es hat noch nie einen Ausschuss gegeben, der so massiv in die Rechte der Arzneimittelhersteller eingreifen konnte."

R. Hess, Vorsitzender G-BA

Qualitätsinstitut offiziell eröffnet

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) ist am 24. Februar in Köln offiziell eröffnet worden. Für Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt steht das IQWiG für einen Paradigmenwechsel im Arzt-Patienten-Verhältnis. Schmidt wünscht sich für die Zukunft ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen Arzt und Patient und eine gemeinsame Arbeit am Heilungserfolg. "Patientinnen und Patienten brauchen dafür mehr Durchblick, mehr Wissen und mehr Beteiligung", so die Ministerin.

Das IQWiG soll nun interessenunabhängige Grundlagen für die Entscheidungen der Ärzte erarbeiten. Schmidt: "Angesichts des immer schneller sich erweiternden medizinischen Wissens und angesichts der schier unübersehbaren Fülle von Publikationen und Studien brauchen Ärztinnen und Ärzte gesicherte Informationen darüber, was machbar ist, was sinnvoll ist und was erfolgreich ist." Die Patienten wiederum bedürften allgemeinverständlicher Informationen zu Therapien, um ihre Kompetenz in eigener Sache zu stärken.

Das IQWiG wurde bereits im Sommer 2004 formell gegründet. Mittlerweile zählt es rund 30 Beschäftigte, bis Ende des Jahres sollen weitere 20 hinzukommen. Derzeit werden die ersten Aufträge des Gemeinsamen Bundesausschusses bearbeitet.

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