Selbstmedikation

Bindehautreizung – Selbstbehandlung

Augentropfen gegen Bindehautreizung gehören fast in jede Hausapotheke. Dabei ist die Selbstbehandlung am Auge keine Bagatelle. Erstens müssen die Grenzen der Selbstmedikation jedes Mal neu bestimmt werden, zweitens muss jedes Mal die Indikation hinterfragt werden und drittens ist die Anwendung von Augentropfen mit einigen Tücken behaftet.

"Ich hätte gerne die XY-Augentropfen. Die helfen mir immer am besten gegen meine Bindehautentzündung." Mit solchen Fragen zeigen unsere Kunden ganz deutlich, dass sie die Selbstbehandlung am Auge auf die leichte Schulter nehmen. Echte Bindehautentzündungen sind eine Sache der ärztlichen Behandlung, für die Selbstmedikation kommen höchstens Bindehautreizungen in Frage. Immer wiederkehrende Bindehautreizungen sind dringend augenärztlich abzuklären. Es ist also dringend erforderlich nachzufragen.

Welche Beschwerden haben Sie genau?

Die wichtigste Frage ist die nach den genauen Beschwerden. Meist ist das Auge gerötet. Neben der Ausprägung der Rötung sind die entscheidenden Faktoren auftretende Schmerzen, eingeschränktes Sehvermögen und eine erweiterte oder verengte Pupillengröße. In diesen Fällen ist ein sofortiger Arztbesuch notwendig. Mögliche Diagnosen sind ein akutes Glaukom, eine akute Hornhaut- oder Regenbogenhautentzündung, die eine ärztliche Behandlung erfordern.

Oft leidet der Patient unter vermehrtem Tränenfluss. Ein starker wässriger Tränenfluss und ein zähes, gelbliches Sekret sind nicht in der Selbstmedikation behandelbar. Eitriges Sekret ist ein Hinweis auf eine bakterielle Bindehautentzündung, für die die Anwendung von antibiotischen Augentropfen erforderlich ist. Ein anderes wichtiges Symptom ist das Fremdkörpergefühl. Es gilt abzuklären, ob sich tatsächlich ein Fremdkörper im Auge des Patienten befinden kann, eine Lidschwellung (Gerstenkorn) dieses Gefühl auslöst oder ein trockenes Auge die Ursache dafür ist.

Was, glauben Sie, ist wohl die Ursache für diese Beschwerden?

Eventuell erst bei konkreter Nachfrage erzählt der Patient davon, dass er gestern ein paar Tropfen eines Reinigungsmittels ins Auge bekommen hat, ihm ein Holzspan ins Auge geflogen ist oder welche anderen Ursachen hinter seinen Beschwerden stecken könnten.

Verletzungen des Auges gehören auf keinen Fall in die Selbstmedikation. Bei Verätzungen sind sofortige Augenspülungen und der Transport in eine Augenklinik angezeigt. Besonders gefährlich sind Laugenverätzungen (z. B. Kalk, Zement, Waschlauge im Haushalt, Kontaktlinsenreiniger). Fremdkörper im Auge sind sofort zu entfernen. Anschließend ist allerdings eine augenärztliche Untersuchung notwendig, um Verletzungen der Hornhaut auszuschließen.

Allergische Konjunktivitis

Manchmal lassen sich die Beschwerden eindeutig zuordnen. Im Frühjahr sehen wir häufig Patienten mit tränenden, geröteten Augen, die außerdem noch unerträglich jucken. Die Diagnose "allergische Konjunktivitis" ist den meisten Patienten bekannt. Die Behandlung richtet sich nach den vorherrschenden allergischen Symptomen. Vor allem werden lokal H1-Antihistaminika am Auge angewendet, z. B. Levocabastin (Lephopta®, Livocab®). Eventuell hat der Patient auch schon gute Erfahrung mit Cromoglicinsäure-haltigen Augentropfen. Die Anwendung von antiallergischen Augentropfen hilft zweifach, erstens werden durch das Tropfen von Flüssigkeit die Pollen aus dem Auge gespült und zweitens unterdrücken sie bei regelmäßiger Anwendung die Histaminausschüttung bzw. -wirkung.

Virale Konjunktivitis

Häufig treten Bindehautreizungen im Zuge viraler Infekte auf. Nicht nur die Nasenschleimhaut ist geschwollen und sondert Sekret ab, sondern auch die Schleimhäute im Augenbereich. Tritt in solchem Zusammenhang eine leichte Bindehautrötung mit leichtem Tränenfluss auf, ist eine kurzfristige Selbstbehandlung mit alpha-Sympathomimetika-haltigen Vasokonstringenzien, wie Tetryzolin (Berberil®, Ophthalmin®, Vasopos N®, Yxin®) oder Tramazolin (Biciron®) möglich. Die Beschwerden bessern sich meist innerhalb weniger Minuten und sollten nicht länger als zwei Tage anhalten. Schlägt die Behandlung nicht an, verschlimmern sich die Symptome oder halten länger an, ist auch hier der Gang zum Arzt unerlässlich. Denn nicht immer sind banale Rhinoviren die Auslöser, auch z. B. Masern, Mumps, Influenza, Röteln und Herpes lösen virale Konjunktivitiden aus.

Die Behandlung mit Vasokonstringenzien sollte immer auf wenige Tage begrenzt bleiben. Durch die Gefäßverengung wird die Gewebedurchblutung verringert und die Empfindlichkeit des Auges allgemein erhöht.

Allgemeine Maßnahmen bei der Behandlung

einer Bindehautreizung

Zur Reizlinderung sind folgende allgemeine Verhaltensmaßnahmen sinnvoll:

  • Genügend Schlaf zur Regeneration des Auges.
  • Lange Bildschirmarbeit und Naharbeit möglichst meiden.
  • Kontaktlinsen in der Zeit der Bindehautreizung und vor allem bei der Behandlung mit wirkstoffhaltigen Augentropfen durch Brille ersetzen.
  • Kühle Auflagen bzw. Kompressen für die Augen.
  • Verwendung von Dexpanthenol-haltigen Augenzubereitungen zur Unterstützung der Heilung von Schleimhautschäden.
  • Bei großer Lichtempfindlichkeit durch möglichen Vitamin-A-Mangel Retinol-haltige Augentropfen.

Nicht-infektiöse Konjunktivitis – das "trockene Auge"

Auf Nachfrage antworten Patienten häufig, die Ursache für eine Bindehautreizung sei übermäßiger Windzug, Stäube oder UV-Strahlung. Treten diese Beschwerden zum ersten Mal oder sehr selten auf, so kann diese einmalige mechanische Reizung in der Selbstmedikation mit den zur Verfügung stehenden Augentropfen behandelt werden.

Schwieriger wird es, wenn diese Beschwerden häufiger auftreten. Patienten antworten zwar, diese Beschwerden selten zu haben. Auf genaue Nachfrage ergibt sich aber dennoch, dass sie sich daran erinnern, innerhalb eines Jahres doch mehrmals an einer starken Bindehautreizung zu leiden. Wenn die Augen zwischendurch immer wieder jucken und brennen, dann spricht viel dafür, dass der Patient an einem "trockenen Auge" leidet. Der chronische Reizzustand des Auges wird in diesem Fall durch Tränenmangel ausgelöst.

In der Arztpraxis kann diese Reizbarkeit mit einem Haarfön simuliert werden. Der Patient wird aus ca. einem Meter Entfernung mit dem Fön angeblasen. Bei Tränenmangel tritt innerhalb von zehn Sekunden ein unangenehmes Trockenheits- und Fremdkörpergefühl im Auge auf. Spricht man den Patienten darauf an, so kennt er häufig bereits diese Diagnose, wendet nur die vom Augenarzt empfohlenen Augentropfen bzw. -gele mit künstlicher Tränenflüssigkeit oder Hyaluronsäure nicht an. Diese sind regelmäßig ein- bis zweimal täglich anzuwenden.

Patienten mit trockenem Auge dürfen Augentropfen mit Vasokonstringenzien gar nicht verwenden. Sie würden die Beschwerden nur verstärken. Das trockene Auge ist ein weit verbreitetes Symptom unter älteren Menschen. Neben dem allgemeinen Verlust an Feuchtigkeit der Haut und Schleimhäute, lässt auch der Tränenfluss nach. Dazu kommt, dass eine Reihe von Arzneimitteln den Tränenfluss reduzieren können. Dazu gehören folgende Wirkstoffgruppen:

  • Alpha-2-Sympathomimetika (z. B. Clonidin, Moxonidin),
  • Anticholinergika als Spasmolytikum (z. B. Butylscopolaminiumbromid, Trospiumchlorid), als Parkinsonmittel (z. B. Biperiden) oder als Broncholytikum (z. B. Ipratropiumbromid),
  • zentrale Muskelrelaxanzien (z. B. Baclofen),
  • tricyclische Antidepressiva (z. B. Amitriptylin, Doxepin, Imipramin, Opipramol),
  • Phenothiazine (z. B. Levomepromazin, Perazin, Promethazin),
  • Lipidsenker (z. B. Cerivastatin),
  • H1-Antihistaminika als Antiallergika (z. B. Clemastin, Dimetinden) oder als Sedativa und Antiemetika (z. B. Diphenhydramin),
  • Diuretika (z. B. Furosemid).

Wer ist der Patient?

Bei allen Beratungssituationen gehen wir davon aus, dass der zu behandelnde Patient der Kunde ist, der vor uns in der Apotheke steht. Sobald der Patient nicht selbst zur Beratung kommt, ist eine Beurteilung der Selbstbehandlung sehr schwierig. Generell sollten Säuglinge und Kleinkinder nur nach ärztlichem Rat behandelt werden. Scheinbar banale Bindehautreizungen können in diesen Fällen Symptome von schwerwiegenden Problemen sein. So sind Stenosen im Bereich des Tränenkanals bei Säuglingen, hoch ansteckende virale Konjunktivitiden und Verletzungen des Auges in Abwesenheit der Eltern häufig. In diesen Fällen ist die ärztliche Diagnose notwendig, um kein Risiko einzugehen und das Augenlicht des Kindes nicht zu gefährden.

 


Fragen zum Einstieg ins Beratungsgespräch

 

 Einmal die XY-Augentropfen, bitte! 

  • Sind die Tropfen für Sie? Ich frage Sie, weil Kleinkinder nicht ohne ärztlichen Rat behandelt werden sollten. Ich frage außerdem, um zu erfahren, gegen welche Beschwerden Sie sie einsetzen wollen. Sie eignen sich nur für wenige Anwendungsgebiete. Die Selbstbehandlung der Augen sollte nur mit besonderer Vorsicht durchgeführt werden.
  • Welche Beschwerden haben Sie genau? Ist das Auge gerötet? Tritt starker Tränenfluss auf? Handelt es sich um wässriges oder um zähes, gefärbtes Sekret? Haben Sie Augenschmerzen? Ich frage Sie, weil bestimmte Symptome Hinweise auf schwer wiegende Augenerkrankungen geben können, die auf jeden Fall vom Augenarzt behandelt werden müssen.
  • Was ist, Ihrer Meinung nach, die Ursache für Ihre Beschwerden? Ich frage Sie, weil Sie sich bestimmt erinnern können, wann und nach welchem Ereignis die Beschwerden zum ersten Mal aufgetreten sind.
  • Kennen Sie diese Beschwerden oder treten sie zum ersten Mal auf?
  • Waren Sie mit ähnlichen Beschwerden schon einmal beim Arzt? Immer wiederkehrende Beschwerden sind häufig auf ein so genanntes trockenes Auge zurückzuführen. Eventuell hat Ihnen der Arzt diese Diagnose schon einmal gestellt.

Anwendung von Augentropfen

Erst wenn die Selbstdiagnose abgeklärt ist und die Entscheidung für eine Selbstmedikation gefallen ist, können wir uns um die Anwendung der Augentropfen bzw. -gele kümmern. Zur Behandlung wird jeweils ein Tropfen möglichst in den äußeren Augenwinkel getropft, ohne das Auge dabei zu berühren und damit die Tropföffnung zu verunreinigen. Danach ist das Auge leicht zu schließen, um die Flüssigkeit auf der Augenoberfläche zu verteilen. Beim Zupressen der Augen würde die Flüssigkeit über den Lidrand abfließen und nicht zur Wirkung kommen. Das Eintropfen mehrerer Tropfen macht keinen Sinn, weil das Aufnahmevermögen des Lidspalts begrenzt ist.

Wichtig ist der Hinweis, dass Zubereitungen zur Anwendung am Auge nach Anbruch nur begrenzt haltbar sind.

  • Einzelophthiolen in der Regel 24 Stunden,
  • Augentropfflaschen oder -salbentuben vier bis sechs Wochen je nach Angabe des Herstellers.

Dem Kunden wird empfohlen, sich das Datum des ersten Öffnens auf die Packung zu schreiben und die Tropfen nach Ablauf der Haltbarkeitsfrist zu vernichten.

Manche Einzelophthiolen sind zu viert oder fünft verblistert. Grund dafür ist nicht die Lichtempfindlichkeit der Wirkstoffe, sondern des Kunststoffs der Ophthiolen. Die Einschränkung der Haltbarkeit bezieht sich hier ebenfalls auf die Eigenschaften der Kunststoffgefäße.

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