Die Seite 3

Die Beraterin

Mein Frühstücksbrötchen hat mir am vergangenen Sonntag richtig gut geschmeckt. Denn als ich dazu die Seite 46 der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS-Ausgabe Nr. 5 vom 6. Februar) aufschlug, konnte ich einen gut geschriebenen Beitrag über unsere "Oberapothekerin" lesen: die FAS porträtierte die neue Präsidentin der Bundesapothekerkammer, Magdalene Linz. Der Beitrag stellte die Person Linz vor, brachte aber gleichzeitig ihr Anliegen über, nämlich das, was im Mittelpunkt der pharmazeutischen Tätigkeit in der öffentlichen Apotheke stehen muss, wenn wir auch weiterhin einen Platz im Gesundheitswesen haben wollen: die Beratung.

Linz' Botschaft an uns Apothekerinnen und Apotheker: "Die Apotheker müssen ihren Anspruch als Heilberuf wieder deutlicher machen." Diese Aussage bringt es auf den Punkt. Die Apotheker müssen sich ändern, wenn sie überleben wollen, einfach Arzneimittel über den Tisch schieben und fragen, ob man noch eine Tüte will – das reicht nicht. Sie ruft allen zu: Beratung, Beratung, Beratung. Schon legendär ist ihre vor einigen Jahren in Niedersachsen angestoßene Aktion: "Ein Satz geht immer", der auch auf einen Zettel geschrieben in ihrer Apotheke hängt. Einprägsam erinnert dieser Satz daran, worauf es ankommt.

Es muss nicht immer gleich die große all umfassende Beratung sein – das lässt sich im Praxisalltag auch nicht realisieren, zumal dies auch nicht jeder Kunde will. Aber die Apotheke muss ein Gesprächsangebot signalisieren, dem dann eine weitergehende Beratung folgen kann, sofern sie der Kunde wünscht. Linz hat in ihrer Apotheke einen zweiten Zettel dazu gehängt, wie die FAS berichtet, der erklärt wofür dieser Satz steht: "Ganz wichtig für Patienten und für unsere Arbeitsplätze." Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Die BAK-Präsidentin weiß, dass es in Zukunft härter wird, Liberalisierungstendenzen sind nicht zu übersehen, deswegen müssen sich die Apotheken noch viel klarer von Drogeriemärkten absetzen, führt sie in dem FAS-Porträt aus. Sie weiß auch, dass dies nicht allen Apothekern gefallen wird, vor allem nicht der Druck, mit dem die Kammern die bessere Beratung durchsetzen wollen, z. B. mit Hilfe von Testkäufen. Aber die Rolle der Apotheke als Logistikunternehmen reicht nicht länger aus – die beratungsstarke und serviceorientierte Apotheke ist die Zukunft.

Der Beitrag in der Frankfurter Sonntagszeitung vermittelte gut die Aufbruchstimmung, die von der neuen Präsidentin ausgeht, zum einen im Bereich des Berufsbilds der Apotheker, zum andern auch auf berufspolitischer Ebene: Jetzt weht ein frischer Wind bei der Bundesapothekerkammer, sie ist eine Kollegin, die auf Augenhöhe mit den Ärzten kommuniziert. Ihren Erfolg verdankt sie berufspolitischem Fachwissen und ihrem Engagement – ich hoffe, der Funke, der von ihr ausgeht, springt auf möglichst viele von uns über.

In Sachen Beratung unterstützen wir Sie in dieser DAZ wieder mit einer weiteren Folge unserer Serie "Beratung in der Selbstmedikation", dieses Mal zum Thema Bindehautreizung. Üben Sie Beratungsgespräche, spielen Sie in Ihrer Apotheke Beratungsszenen nach, denken Sie vor allem an das Motto unserer Oberapothekerin: Ein Satz geht immer.

Peter Ditzel

PS Etwas in eigener Sache: In der letzten Ausgabe befasste sich die Pharmazeutische Zeitung gleich in zwei Kommentaren mit uns und unserer Kritik an der verspäteten und selektiven ABDA/PZ-Reaktion zum Berliner Versandurteil. Während ABDA-Geschäftsführer Lutz Tisch in seinem Kommentar (der – mit Erwiderung – auch in der DAZ zu lesen war) immerhin die Contenance wahrt, scheinen beim "Leiter der PZ-Hauptstadtredaktion" Thomas Bellartz alle Sicherungen durchgebrannt zu sein. In einem wortgewaltigen, gleichwohl ziemlich redundanten und substanzarmen Ein-Seiten(!)-Kommentar ist in Richtung DAZ von tumber Ballerei, dem Abladen ätzender Gülle (darauf muss man erst einmal kommen), Rufmord und manch anderen Nettigkeiten die Rede. Der Stachel muss tief sitzen. Wir möchten, auch wenn's schwer fällt, an dieser Stelle die Ausführungen des eitlen Heißsporns nicht weiter kommentieren. Stattdessen empfehlen wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, die beiden letzten Ausgaben der DAZ und PZ nebeneinander zu legen und selbst zu urteilen ...

C. Rotta

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