Aus Kammern und Verbänden

LAK Brandenburg: Beratungschecks nur freiwillig

Auf der Kammerversammlung der LAK Brandenburg am 7. Dezember kritisierte Kammerpräsident Dr. Jürgen Kögel, dass die Regierungskoalition keine neue Finanzierung des Gesundheitswesens beschlossen hat. Deshalb werde es wieder zu Kürzungen bei den Leistungserbringern kommen, und das sei ungerecht, da gerade die Apotheker ihren Beitrag zur Konsolidierung des Gesundheitssystems bereits erbracht haben.

Kögel betonte die Beratungsleistung der Apotheker, die durch Fortbildung ständig besser werde. In Brandenburg habe 2005 jeder Kollege durchschnittlich an zwei von der Kammer angebotenen Fortbildungsveranstaltungen teilgenommen.

Stark in der Fortbildung

Ferner haben 4,5% der Apotheken Brandenburgs einen Pseudo-Customer-Besuch gebucht. Damit haben sich deutlich mehr Kollegen als im Bundesdurchschnitt (2,4%) für die freiwillige Überprüfung der eigenen Beratungsqualität entschieden. Auch die Beteiligung an den ZL-Ringversuchen und die Ergebnisse seien positiv zu bewerten.

Inzwischen gehört Brandenburg fast zu den letzten Kammern, die weder Testkäufe noch Beratungschecks, d.h. verpflichtende Pseudo-Customer-Besuche, durchführen. Die Kammerversammlung lehnt Testkäufe einmütig ab und kann sich auch zu Beratungschecks noch nicht mehrheitlich durchringen. Sie verkennt nicht, dass es sich dabei um eine sehr intensive – wenn auch teure – individuelle Fortbildung handelt, setzt aber weiterhin auf Freiwilligkeit, weil sie die Einstellung und das Bewusstsein als entscheidend für die Beratungsleistung erachtet. In einem Jahr will die Kammerversammlung die Situation neu analysieren und bewerten.

Die Kammer wird weiterhin zentrale und regionale Fortbildungsveranstaltungen und das Fortbildungswochenende finanzieren sowie die Teilnahme an ZL-Ringversuchen und gebuchte Pseudo-Customer-Besuche einmal im Jahr pro Apotheke bezahlen.

Im Weiteren ging es um die Neufassung der Wahlordnung, die nach der anstehenden Änderung des Heilberufsgesetzes beschlossen werden soll. Die Hauptsatzung und Beitragsordnung wurden neu verabschiedet.

Apotheker und Pharmakogenetik

Eckhard Galys berichtete über seine Erfahrungen als Delegierter des Deutschen Apothekertages 2005 in Köln, und Dr. Sabine Gohlke, die am letzten ZL-Expertenforum in Eschborn teilgenommen hatte (s. DAZ 49, S. 76), referierte über die Rolle des Apothekers in der Pharmakogenetik.

In den vergangenen 20 Jahren sind eine Vielzahl von Polymorphismen in den Genen identifiziert worden, die die Synthese der einzelnen CYP450-Enzyme kontrollieren, sodass vier Metabolisierer-Typen beschrieben werden, von "langsam" bis "ultra-schnell".

Die Gene für CYP2D6 und CYP2C19, die besonders viele Arzneimittel abbauen, lassen sich mit dem AmpliChip CYP450 Test von Roche Diagnostics analysieren, der vor einem Jahr zugelassen worden ist. Der Test vereint die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) und die Affymetrix-Technologie der DNA-Chips hoher Dichte.

Dieser Test wird vorerst nur dort eingesetzt, wo CYP2D6 oder CYP2C19 am Metabolismus von Arzneistoffen beteiligt sind, die ein enges therapeutisches Fenster haben und schwere Nebenwirkungen verursachen können. Ein Massenmarkt ist hier in absehbarer Zukunft nicht zu erwarten, geschweige denn, dass Apotheken den Test so einfach durchführen könnten wie Blutdruck- oder Blutzuckermessungen. Ein Test kostet derzeit ca. 700 bis 1000 Euro. Dennoch sollten die Apotheker die Entwicklungen auf diesem Gebiet gespannt verfolgen. Denn es dürfte in Zukunft einen Wandel von der symptomorientierten zur ursachenorientierten Medizin geben. Zuvor müssten die Fragen des Datenschutzes gesetzlich geklärt werden. Apothekern muss es erlaubt sein, pharmakogenetische Daten einzusehen, um der umfassenden Beratungsaufgabe gegenüber Arzt und Patient gerecht werden zu können.

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