DAZ aktuell

BPI-Stellungnahme: Für mehr Forschung zur Homöopathie

Die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft (DPhG) veröffentlichte unter der Überschrift "Homöopathie wirkt, aber nicht die homöopathische Arznei" ein kritisches Statement zur Homöopathie (siehe DAZ 2005, Nr. 44, S. 26). Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) und die Mitglieder des BPI-Ausschusses "Homöopathie und Anthroposophie" reagierten mit der nachfolgenden Stellungnahme darauf:

Die Autoren des o. g. DPhG-Statements beschreiben "Potenzierung der Wirksamkeit der homöopathischen Arznei durch dessen ritualisierte Verdünnung" als eines der Grundprinzipien der Homöopathie. Dabei assoziieren sie einen pharmazeutischen Herstellvorgang, der durch das deutsche homöopathische Arzneibuch exakt beschrieben ist, mit religiösen Bräuchen.

Wissenschaft ist so definiert, dass sie reproduzierbar, standardisiert und kritikfähig sein muss. Wenn mit dem heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisstand aus den Naturwissenschaften z. B. die Effekte der homöopathischen Potenzierung noch nicht erklärt werden können, so muss dies Anlass sein, vermehrt universitäre Grundlagenforschung in dieser Richtung zu etablieren. Auch in anderen naturwissenschaftlichen Disziplinen sind unbekannte oder noch nicht erklärbare Phänomene häufig, stellen dort jedoch einen Anlass dar, vermehrt Forschung zu betreiben. Dies muss im Falle der Homöopathie in gleicher Weise geschehen. Doch die Gegner der Homöopathie versuchen, diese mit den immer gleichen Unterstellungen zu diskreditieren. "Die Überzeugung, dass dem homöopathischen Arzneimittel eine tragende Rolle für die Genesung eines Patienten zukommt", sei lt. den unterzeichnenden Vertretern der DPhG "Glaubenssache". Homöopathische Arzneimittel hätten "keine somatische Wirkung".

Das Verfahren trage nur "wegen dessen günstiger psychischer Wirkung dennoch zur Heilung" bei. – Auf welcher Grundlage beruht diese negative Behauptung? Was ist Glaube, was ist Wissen?

Die deutsche Apothekerschaft zeigt breites und weiter wachsendes Interesse an der Homöopathie. Dies belegen die stark frequentierten Weiterbildungsangebote zur Zusatzbezeichnung "Homöopathie und Naturheilkunde". Dies zeigt sich ferner in Hausapothekenverträgen der Kassen in Zusammenarbeit mit dem Zentralverein der homöopathischen Ärzte und den Landesapothekerverbänden. – Betätigt sich also nach Einschätzung der DPhG der naturwissenschaftlich ausgebildete Apotheker hier als Scharlatan? Sollten diese Mitglieder tatsächlich keine Heimat mehr in der DPhG haben?

Ein DAZ-Bericht über den Rückzug einer Kurznotiz mit dem Titel "In-vitro-Testung von homöopathischen Verdünnungen" in der Zeitschrift Biologische Medizin dient als Anlass für diese vernichtende Äußerung über die Homöopathie in ihrem Selbstverständnis als Arzneimitteltherapie. Doch eine Doktorarbeit mit bestätigendem positivem Ergebnis hinsichtlich der Effekte homöopathischer Zubereitungen ist unangefochten. Die Vertreter der DPhG stellen fest: "Es gibt weder aus experimentellen noch aus klinischen Untersuchungen eine wissenschaftliche Basis dafür, die postulierte Wirkungsweise homöopathischer Arzneimittel für plausibel zu halten".

Es ist nicht bekannt, dass die DPhG sich in den letzten Jahren mit der wissenschaftlichen Literatur zur Homöopathie fachlich intensiv und fundiert auseinandergesetzt hätte. Doch der Publikationsbestand zur klinischen und experimentellen Forschung in der Homöopathie ist umfangreich. – Wo also bleiben sorgfältige Recherche und ausgewogene Betrachtung als Grundelemente wissenschaftlichen Handelns?

Dieses Jahr veröffentlichte die renommierte Fachzeitschrift "The Lancet" eine Publikation zur Homöopathie (Shang et al. [2005] in The Lancet, 366 [9487]: 726 – 732: "Are the clinical effects of homeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homoeopathy and allopathy"). Sie kommentierte diese durch ein Editorial über "The end of homeopathy". An diesem Beispiel konnte die interessierte Fachwelt erleben, wie isolierte wissenschaftliche Ergebnisse politisch ausgeschlachtet wurden. Eines der zahlreichen Beispiele der folgenden wissenschaftlichen Auseinandersetzung bietet M. Aickin: "The end of biomedical journals: There is madness in their methods".

In: Journal of Alternative and Complementary Medicine 11 (2005) 755 – 757, frei zugänglich unter www.liebertonline.com/toc/acm/11/5. Jetzt erleben wir eine nur scheinbar wissenschaftliche Diskussion über Teilergebnisse zur Homöopathie, bei der die Voreingenommenheit ihrer Urheber mehr als offenkundig ist (http://skeptiker.de/themen/texte/homoeopathie/). Zu guter Letzt gibt nun die DPhG ebenfalls einen negativen Kommentar zur Homöopathie ab. – Sollten sich hier Verhaltensmuster wiederholen?

Eine Aussage des Statements aber teilen wir voll und ganz, nämlich die, "dass wissenschaftliche Aussagen zu homöopathischen Arzneimitteln äußerst kritisch zu überprüfen sind". Ja, Forschung über homöopathische Arzneimittel ist notwendig! Dabei ist Grundlagenforschung in der Homöopathie nicht einfach und die hier gefragte "Rechtfertigungsforschung" für die therapeutische Alltagspraxis wenig relevant. Diese komplexen Fragestellungen sind mit den herkömmlichen Standard-Methoden offensichtlich nicht zu lösen.

In diesem Zusammenhang halten wir die unbewiesene Behauptung, die "homöopathische Arznei" sei unwirksam, für unsachlich und diese Art der öffentlichen Diskussionsführung in Deutschland für kontraproduktiv. – Welcher deutsche Lehrstuhl hat nun noch den Mut, die in Leipzig durchgeführten Versuche zu reproduzieren bzw. zu vertiefen? Ist Forschung für die Homöopathie einer deutschen Forscherkarriere zukünftig überhaupt noch zuträglich? Oder wird Grundlagenforschung zur Homöopathie bald nur noch in Großbritannien, Frankreich, Italien und Indien stattfinden? So gibt es beispielsweise in Frankreich im Rahmen der Hochschulausbildung zum Pharmazeuten ein Ausbildungsangebot für homöopathische Pharmazie, in Deutschland – dem Mutterland der Homöopathie – hingegen nicht.

Das Homöopathische Arzneibuch sowie eine vom Bundesministerium für Gesundheit eingesetzte Expertenkommission nach § 25 Absatz 7 Arzneimittelgesetz regeln u. a. die Belange dieser Arzneimittel. Ferner sind auch in das Europäische Arzneibuch inzwischen homöopathische Monographien aufgenommen worden; sicherlich hätte die Europäische Arzneibuchkommission dem niemals zugestimmt, wenn homöopathische Arzneimittel reine "Scharlatanerie" wären. Die Homöopathie selbst ist in der Bevölkerung fest verankert. Und die Befunde, dass homöopathische Behandlungen z. B. im Bereich der ärztlichen Behandlung chronischer Krankheiten sehr gute Effekte zeigen, mehren sich – u. a. anhand von Studien, die an der Charité Berlin durchgeführt wurden (z. B. Becker-Witt et al. [2005] in Complementary Therapies in Medicine 13 [2]: 79-86: "Outcome and costs of homoeopathic an conventional treatment strategies: A comparative cohort study in patients with chronic disorders").

Die DPhG vertritt die pharmazeutisch-wissenschaftliche Fachwelt eines Landes, in dem die Homöopathie im Rahmen der besonderen Therapierichtungen gesetzlich als gleichberechtigt anerkannt ist. Gerade vor diesem Hintergrund ist der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie, dessen Mitgliedsfirmen Pharmazeuten beschäftigen, die auch in der DPhG vertreten sind, über diese Vorgehensweise verwundert. Zu einer kollegialen Auseinandersetzung hätte es gehört, auch die Wissenschaftler aus der Industrie vorab in die Diskussion einzubeziehen.

Notwendig ist also nicht die Wiederholung althergebrachter Vorurteile, sondern der Aufruf zur Intensivierung der Forschung. Erforderlich sind die Schaffung entsprechender Strukturen und wissenschaftlicher Netzwerke. – In der gegenwärtigen Diskussion erwartet der BPI und seine Mitgliedsunternehmen von der DPhG Fairness im Rahmen einer wissenschaftlichen Debatte.

Die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft (DPhG) äußerte sich in einem Statement kritisch zu Homöopathie. Die Mitglieder des BPI-Ausschusses "Homöopathie und Anthroposophie" reagierten mit einer Stellungnahme darauf: Notwendig sei nicht die Wiederholung althergebrachter Vorurteile, sondern der Aufruf zur Intensivierung der Forschung.

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