DAZ Feuilleton

Ausstellung: Hospitäler im Bild

Die Pflege der Kranken und Schwachen in Hospitälern hatte früher mehr mit Theologie als mit Medizin oder gar Pharmazie zu tun. Kranke zu versorgen war eins der sieben Werke der Barmherzigkeit. Die Kranken revanchierten sich, indem sie, so gut sie noch konnten, für das Seelenheil ihrer Wohltäter beteten. Eine Sonderausstellung im Medizinhistorischen Museum Ingolstadt stellt über hundert historisch bedeutende Hospitäler Europas im Bild vor.

Als im späten Mittelalter die europäischen Städte durch Gewerbefleiß und Handel zur Blüte kamen, zeigten sie ihren Reichtum und ihre religiöse Gesinnung nicht nur in prächtigen Kirchenbauten, sondern auch in karitativen Stiftungen für minderbemittelte Personen. Es war eine Sache des Bürgerstolzes, dass eine größere Stadt zumindest ein Hospital in ihren Mauern besaß. Hinzu kam oft ein Leprosorium außerhalb der Mauern, in dem sich Personen mit ansteckenden Krankheiten aufhielten.

Fromme Krankengemeinschaften

Innenarchitektonisch erinnerten die Hospitäler, die auffallend häufig dem Heiligen Geist gewidmet waren, an Kirchen. Der Krankensaal war eine Art Kirchenschiff, das sich oft mit einem Querschiff kreuzte und im Osten mit einem von allen Seiten gut sichtbaren Altar abschloss. In diesen Räumen reihte sich Bett an Bett. Die Kranken und Schwachen waren zwar nach Geschlecht getrennt, bildeten aber ansonsten eine klosterähnliche Gemeinschaft, eine Leidens- und Betgemeinschaft, die sie in der Regel mit ihrem Tod verließen, denn eine Genesung war unwahrscheinlich und auch nicht beabsichtigt.

In dieser Gemeinschaft machte nicht erst der Tod, sondern bereits die körperliche Schwäche alle gleich, und unter seinesgleichen verspürte vermutlich niemand den Wunsch, lieber für sich allein in einer Kammer zu liegen. Im Gegenteil: Jeder war froh, den beengten häuslichen Verhältnissen entronnen zu sein und nun mit den Leidensgenossen geistlichen Trost zu erhalten.

So verwundert es nicht, dass man in Frankreich die Hospitäler als Gasthaus Gottes (Hotel-Dieu) bezeichnete.

Wandel durch Aufklärung

Erst mit der Aufklärung im 18. Jahrhundert wandelte sich die Einstellung der Gesellschaft zum unheilbar Kranken: Sie erwartete nicht mehr von ihm, dass er durch seine Gebete das Seelenheil der Mitmenschen befördert, sondern dass er als "Fall" und Studienobjekt zum medizinischen Fortschritt beiträgt. So trat an die Stelle des mittelalterlichen Hospitals das moderne Krankenhaus, dessen Architektur und Einrichtung primär nach medizinischen, nicht mehr nach religiösen Gesichtspunkten konzipiert sind. Zugleich entstanden Lehrkrankenhäuser im heutigen Sinne.

Zwar waren zur Zeit der Aufklärung die therapeutischen Möglichkeiten noch nicht viel besser als im Mittelalter, aber die kontinuierliche klinische Beobachtung förderte die Krankheitslehre und die Diagnostik. Als dann der therapeutische Fortschritt hinzukam, verringerten sich die Liegezeiten im Krankenhaus kontinuierlich, und ein Ende dieser Entwicklung ist noch nicht abzusehen.

Die Ausstellung zeigt Abbildungen von über hundert Hospitälern, und zwar meistens die jeweiligen Gebäude oder Gebäudeteile von außen. Es sind überwiegend historische Druckgraphiken, zum Teil auch Fotografien. Ganz Westeuropa ist vertreten, mit den Schwerpunkten Spanien, Italien, Frankreich, Alpenländer, Deutschland, Britannien und Skandinavien. Zudem sind Funde aus Gräbern des Friedhofs des ehemaligen Hl. Geist-Spitals in Landshut ausgestellt, zum Beispiel ein Jerusalemer Kreuz, ein gläserner Käfer (Skarabäus?), Fingerringe und metallenes Zubehör von Kleidung und Schuhen. Die Ausstellung läuft bis zum 12. Februar 2006.

Deutsches Medizinhistorisches Museum Anatomiestraße 18 – 20, 85049 Ingolstadt Tel. (08 41) 3 05 18 60 www.ingolstadt.de/ deutschesmedizinhistorischesmuseum Geöffnet: Dienstag bis Sonntag von 10.00 bis 12.00 Uhr und 14.00 bis 17.00 Uhr. Katalog: 288 S., 14,80 Euro.

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