Ausbildung

A. Karstens, C. KloftDas fünfte Fach im Pharmaziest

Im Oktober 2001 trat die novellierte Approbationsordnung für Apotheker (AAppO) in Kraft. Als zentrale Neuerung ist die Klinische Pharmazie als neues und fünftes Studien- und Prüfungsfach in den pharmazeutischen Fächerkanon eingeführt worden. Die Umsetzung ist seit Herbst 2001 schrittweise erfolgt; die Übergangsphase ging mit dem Sommersemester 2005 zu Ende. Ab 1. Januar 2006 müssen alle Studierenden unabhängig von ihrem Studienbeginn zusätzlich zu den bisherigen Scheinen der anderen vier pharmazeutischen Fächer alle erforderlichen Scheine im Fach Klinische Pharmazie vorlegen, um sich für den Zweiten Abschnitt der Pharmazeutischen Prüfung melden zu können.

Musterstudienplan

Für die Studierenden, die zum Herbst 2001 ihr Pharmaziestudium aufgenommen hatten, mussten bis zum Sommersemester 2005 erstmalig sämtliche Lehrveranstaltungen des Faches Klinische Pharmazie an allen pharmazeutischen Hochschulinstituten angeboten werden.

  • p>Die Lehrveranstaltungen des Faches Klinische Pharmazie sind in der Anlage 1 der AAppO zu finden. Hier umfasst das Stoffgebiet I die Lehrveranstaltungen der Pharmakologie und der Klinischen Pharmazie. Der Prüfungsstoff der einzelnen Fächer ist in der Anlage 14 der AAppO aufgezählt. Der Musterstudiengang, der als Leitfaden für die Umsetzung der Stoffgebiete in die Studienordnungen konzipiert wurde, nennt folgende Lehrveranstaltungen, die ganz oder wesentlich zum Fach Klinische Pharmazie gehören:
  • Seminar "Klinische Pharmazie" mit 84 Stunden,
  • Vorlesung "Krankheitslehre" mit 56 Stunden,
  • Vorlesung und Übung "Pharmakotherapie" mit insgesamt 56 Stunden,
  • Vorlesung und Seminar "Pharmakoepidemiologie und Pharmakoökonomie" mit insgesamt 28 Stunden.

Zudem kann die Klinische Pharmazie auch als Wahlpflichtfach (Stoffgebiet K) angeboten werden.

Bereits im Jahr 2001 hatte die Fachgruppe Klinische Pharmazie (kurz: Fachgruppe) der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) eine Empfehlung zur Ausbildung im Fach Klinische Pharmazie ausgearbeitet [1].

Fragebogen

Um die aktuelle Situation der Umsetzung der Lehre in Klinischer Pharmazie zu erfahren, hat die Fachgruppe – wie in den beiden vorherigen Jahren auch – einen Fragebogen an die 22 pharmazeutischen Hochschulinstitute und die entsprechenden Fachschaften in der Bundesrepublik geschickt. Im Fragebogen wurde gezielt nach den einzelnen Lehrveranstaltungen des Musterstudienganges, den Verantwortlichkeiten (Fach, Qualifikation) und nach zusätzlichem Lehrpersonal (Anzahl, Fach, Qualifikation, besoldet/unbesoldet) gefragt. 21 der 22 pharmazeutischen Institute und sechs Fachschaften sendeten ausgefüllte Fragebögen zurück. Da ein Fragebogen zu spät zurückkam, wurden nur Fragebögen von 20 Instituten ausgewertet.

Verantwortliches Lehrpersonal

Derzeit bestehen an drei Standorten Professuren für Klinische Pharmazie (Bonn, Düsseldorf, Würzburg), von denen allerdings keine eine C4/W3-Position ist. Als unbefristete Positionen mit einer guten personellen Ausstattung erlauben sie eine langfristige Planung und Entwicklung des neuen Faches. In niedrigeren, befristeten Positionen sind für die Klinische Pharmazie zuständig:

  • Juniorprofessoren an zwei pharmazeutischen Instituten (Greifswald, Hamburg)
  • Hochschuldozenten oder Privatdozenten als Oberassistenten an drei Instituten (Berlin, Kiel, Münster).
  • Externe Klinische Pharmazeuten an zwei Standorten (Marburg, Mainz).

An den anderen 14 pharmazeutischen Instituten (einschließlich der beiden Standorte, die nicht in die Auswertung eingegangen sind) sind ein oder mehrere Dozenten anderer pharmazeutischer Fächer für die Lehre im Fach Klinische Pharmazie verantwortlich.

Lehrveranstaltungen gemäß Musterstudiengang

Seminar Klinische Pharmazie Die Fachgruppe hatte im Jahr 2001 empfohlen, dass im Seminar Klinische Pharmazie die sechs Themengebiete Arzneimittelinformation, Klinische Studien, Dosisindividualisierung, Therapeutisches Drug Monitoring, Ernährungstherapie und Pharmazeutische Betreuung vermittelt und die Inhalte patientenorientiert ausgerichtet werden sollen [1].

Die Umfrage zeigt, dass die Verantwortlichkeit für dieses Seminar in elf (von 20) Instituten bei anderen pharmazeutischen Fächern liegt (dies dürfte auch an den beiden Standorten, die nicht in die Auswertung eingegangen sind, der Fall sein). Die Verantwortlichkeiten werden z. T. mit externem Lehrpersonal geteilt, welches aus dem Krankenhaus und dem Fachbereich Medizin kommt. Bei nur neun Instituten liegt die Verantwortlichkeit in Händen von Dozenten der Klinischen Pharmazie.

Die Verantwortlichkeit ist allgemein auf eine Person fokussiert: In 19 Instituten wird der Schein von einem Dozenten des Fachbereiches Pharmazie und in einem Institut von einem externen Dozenten aus der klinisch-pharmazeutischen Praxis unterzeichnet (Abb. 1).

Vorlesung Krankheitslehre In der Vorlesung Krankheitslehre soll den Studierenden die Entstehung, Symptomatik, Diagnostik, Verlauf, Prognose und Prävention von klinisch-pharmazeutisch wichtigen Krankheitsbildern vermittelt werden [1]. An sieben (von 20) Instituten wird die Vorlesung Krankheitslehre als eine eigenständige Lehrveranstaltung angeboten. An zwei Instituten ist diese z. T. und an elf Instituten ganz in eine andere Lehrveranstaltung des Faches Klinische Pharmazie, in ein anderes pharmazeutisches Fach oder in den Fachbereich Medizin integriert (Abb. 2).

Die teilweise Integration in eine Lehrveranstaltung der Pharmakologie ist berechtigt. Die Integrationsvarianten sind allerdings sehr vielfältig. An neun Instituten sind die Verantwortlichen der Vorlesung Krankheitslehre Pharmakologen, an weiteren fünf Instituten Mediziner. Die Einbindung in den medizinischen Fachbereich ist sinnvoll, wenn sie in Kombination mit einem Klinischen Pharmazeuten als interdisziplinäre Veranstaltung stattfindet und die pharmazeutische Sichtweise in der Lehre implementiert wird. Die Erfahrung an manchen Standorten hat bereits gelehrt, dass Mediziner, wenn sie allein die Verantwortung tragen, sich oft nicht für die pharmazeutische Ausbildung verantwortlich fühlen und dass dementsprechend die Lehrveranstaltung nicht auf Pharmazeuten abgestimmt ist.

Vorlesung Pharmakotherapie Im Prüfungsstoffkatalog ist die allgemeine Pharmakotherapie dem Fach Pharmakologie und Toxikologie und die spezielle Pharmakotherapie dem Fach Klinische Pharmazie zugeordnet (Anlage 14 der AAppO). Die Fachgruppe hat deshalb empfohlen, die Lehrinhalte zu verzahnen, indem Vorlesung und Übung Pharmakotherapie von Dozenten der Pharmakologie und Dozenten der Klinischen Pharmazie gemeinsam angeboten werden; ferner hat sie empfohlen, die 56 Stunden (laut Musterstudiengang) jeweils zur Hälfte auf die Vorlesung und die Übung zu verteilen [1].

Sieben Institute (von 20) bieten die Vorlesung Pharmakotherapie als eine eigene Lehrveranstaltung an. An drei Instituten ist sie z. T. und an zehn Instituten vollständig in eine andere Lehrveranstaltung des Faches Klinische Pharmazie, des Faches Pharmakologie und Toxikologie oder des Fachbereichs Medizin integriert. (Bei der nächsten Umfrage ist zu klären, ob bei einer kompletten Integration in die Vorlesung Pharmakologie und Toxikologie auch die Lehrinhalte der speziellen Pharmakotherapie in angemessener Stundenzahl gelehrt werden.)

Aus der Umfrage geht hervor, dass die meisten Verantwortlichen für diese Vorlesung vom Fach Pharmakologie kommen (Abb. 3). In einem Institut wird die Verantwortlichkeit auf alle vier pharmazeutischen Fächer verteilt, was wegen der Koordination problematisch erscheint. Sinnvoll ist, dass jeweils ein Dozent der Pharmakologie und der Klinischen Pharmazie sich die Verantwortlichkeit für die Lehrveranstaltung Pharmakotherapie teilen.

Übung Pharmakotherapie Die Übung Pharmakotherapie wird an elf (von 20) Instituten als eigene Lehrveranstaltung angeboten, an sieben Instituten ist sie in eine andere Lehrveranstaltung integriert (s. u.), und an zwei Instituten findet sie überraschenderweise gar nicht statt.

An zwei Instituten sind die Übungsstunden in eine andere Lehrveranstaltung des Faches Klinische Pharmazie integriert, an jeweils einem Institut in die Vorlesung "Pharmakologie, Toxikologie + Arzneitherapie", in die Vorlesung "Pharmakotherapie/Fertigarzneimittelseminar", in den Pharmakologisch-toxikologischen Demonstrationskurs, in eine "arzneitherapeutische Konferenz mit Patientenvorstellung als interdisziplinäre Veranstaltung mit den Medizinern" oder in eine "Lehrveranstaltung der Mediziner".

Die Einbindung der Übungsstunden in eine Vorlesung, die naturgemäß nicht den Charakter einer Übung hat, ist kritisch zu sehen. Die pauschale Angabe "Lehrveranstaltung ist integriert" lässt keine Schlussfolgerung zu, ob dabei die jeweiligen Lehrinhalte in der vorgesehenen Stundenzahl vermittelt werden. Eine gewisse Freiheit ist sicher wünschenswert, doch darf sie nicht zu Lasten der Inhalte des Faches Klinische Pharmazie gehen.

Vorlesung Pharmakoepidemiologie und Pharmakoökonomie Die Vorlesung Pharmakoepidemiologie und Pharmakoökonomie, die laut Musterstudiengang zusammen mit dem gleichnamigen Seminar (s. u.) 28 Stunden einnimmt, wird an 13 (von 20) Standorten als eigene Lehrveranstaltung angeboten. An vier Instituten ist sie in eine andere Lehrveranstaltung integriert, an einem Institut findet sie statt (aber genaue Angaben fehlen), und an zwei Instituten wird sie nicht angeboten.

An 17 Instituten gibt es zehn verschiedenen Varianten der Verantwortlichkeit für die Lehrveranstaltung, weil sie meistens auf mehrere Köpfe verteilt ist. Oft wird auf externes Lehrpersonal wie z. B. Krankenhausapotheker zurückgegriffen (Abb. 4).

Seminar Pharmakoepidemiologie und Pharmakoökonomie Etwa ein Drittel der pharmazeutischen Institute bieten dieses Seminar nicht an. Es könnten sogar noch mehr sein, da aus den Fragebögen nicht immer verständlich war, ob das Seminar Pharmakoepidemiologie und Pharmakoökonomie als eigene Lehrveranstaltung angeboten wird oder ob es in die Vorlesung Pharmakoepidemiologie und Pharmakoökonomie integriert ist und nicht als Seminar gestaltet wird. Gerade die Studierenden begrüßen nach unserer Erfahrung bei dieser Materie das Seminar als Ergänzung zur Vorlesung. Die (sehr unterschiedlichen) Verantwortlichkeiten sind denen der Vorlesung Pharmakoepidemiologie und Pharmakoökonomie sehr ähnlich.

Wahlpflichtfach Klinische Pharmazie

Jedes pharmazeutische Institut sollte die Klinische Pharmazie auch als Wahlpflichtfach anbieten, durch das die Studierenden ein interdisziplinär vertieftes Wissen erwerben. Laut Umfrage ist dies bei 15 (von 20) Standorten der Fall. Häufig werden Projekte in Kooperation mit Krankenhausapotheken angegeben. Die Pharmazeutische Betreuung, Individualisierung der Therapien und Lösen arzneimittelbezogener Probleme wurden als Schwerpunkte genannt.

Prüfung Klinische Pharmazie im Zweiten Abschnitt der Pharmazeutischen Prüfung

Bereits am Ende des Sommersemesters 2005 legten die ersten Studierenden der Pharmazie im 2. Staatsexamen eine Prüfung in Klinischer Pharmazie ab. Ab Wintersemester 2005/06 ist für alle Pharmaziestudierenden die Prüfung in Klinischer Pharmazie obligatorisch. An neun (von 20) Standorten wird der verantwortliche Prüfer ein Professor oder Dozent der Klinischen Pharmazie sein. An zehn Standorten nimmt ein Professor oder Dozent eines anderen pharmazeutischen Faches die Prüfung ab und an einem Standort ein Professor für Klinischen Pharmakologie (Tab. 1). Es fällt auf, dass an elf Standorten von einer Person, an acht Standorten von zwei Personen und an einem Standort sogar von drei Personen gleichzeitig geprüft wird.

Fazit der Auswertung

An den Instituten bietet sich ein extrem heterogenes Bild hinsichtlich Fachrichtung, Qualifikation und Anzahl der Personen, die für die verschiedenen Lehrveranstaltungen im Fach Klinische Pharmazie verantwortlich sind. Neben Lehrpersonal aus anderen pharmazeutischen Fächern, vor allem der Pharmakologie, werden auch Mediziner und Krankenhausapotheker in die Lehre eingebunden. Die Integration einiger Lehrveranstaltungen des Faches Klinische Pharmazie (Pharmakotherapie, Krankheitslehre) in Lehrveranstaltungen des Faches Pharmakologie oder des Fachbereiches Medizin ist berechtigt und sinnvoll, wenn die klinisch-pharmazeutischen Lehrinhalte durch einen Dozenten der Klinischen Pharmazie und/oder einen Fachapotheker für Klinische Pharmazie vermittelt werden. Ein solches interdisziplinäres Angebot bereichert die Lehre im Fach Klinische Pharmazie.

Nur bei wenigen pharmazeutischen Instituten ist ein nachvollziehbares Gesamtkonzept in der Umsetzung der Lehre des Faches Klinische Pharmazie zu erkennen. Viele "schwammige" Antworten in den ausgefüllten Fragebögen mancher Standorte deuten auf nicht eindeutige Zuständigkeiten und Inhalte der Lehrveranstaltungen hin. Bei etwa einem Drittel der pharmazeutischen Institute weist das Angebot Lücken auf. Die aktuelle Situation ist also nicht zufrieden stellend.

Ausblick

Die Übergangsphase für die Umsetzung der Lehre in Klinischer Pharmazie an den Universitäten ist vorbei. Nach dem Willen des Gesetzgebers sollen alle Pharmaziestudierenden schon heute und nicht erst ab (über)morgen eine Ausbildung in diesem Fach erhalten und als Experten für angewandte und patientenorientierte Arzneimitteltherapie ausgebildet werden.

Durch ein zukunftsweisendes Gesamtkonzept in der Lehre und eine gezielte Schwerpunktsetzung in der Forschung kann die Klinische Pharmazie zur Profilbildung der Pharmazie an den einzelnen Hochschulen beitragen und damit auch deren Attraktivität für die Pharmaziestudierenden fördern.

Im Fach Klinische Pharmazie müssen Kenntnisse und Fähigkeiten auf internationalem Niveau vermittelt werden, um dem pharmazeutischen Nachwuchs im Wettbewerb gleiche Chancen zu bieten. In diesem Sinne ist die Innovationskraft an allen pharmazeutischen Instituten weiterhin gefordert!

Ab Anfang 2006 ist die Klinische Pharmazie ein obligatorisches Prüfungsfach im 2. Abschnitt der pharmazeutischen Prüfung. Werden die Studierenden kompetent darauf vorbereitet, und wie steht es mit der Qualifikation der Prüfenden? Eine Umfrage der DPhG-Fachgruppe Klinische Pharmazie hat mit Fragebögen die Situation an den einzelnen Universitäten erkundet und berichtet hier darüber.

Danksagung Wir danken allen, die den Fragebogen ausgefüllt und zurückgesendet haben. Ein Teil der Auswertung des Fragebogens wurde am 2. 9. 2005 auf dem Workshop "Klinische Pharmazie – Apothekerinnen und Apotheker als Innovatoren im Gesundheitssystem" von Astrid Karstens in Düsseldorf vorgestellt und intensiv von den Teilnehmern diskutiert. Ein besonderes Dankeschön geht an die Arbeitsgruppe (Sebastian Baum, Münster, Stephanie Läer, Düsseldorf, Torsten Wessel, Wesel), die sich auf dem Workshop tiefergreifend mit der Auswertung der Fragebogen beschäftigt hat.

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