Prisma

Impfung gegen Hirntumor in Entwicklung

Patienten mit der Diagnose Glioblastom haben eine durchschnittliche Überlebenszeit von weniger als einem Jahr. Der Hirntumor legt die gehirneigene Immunabwehr lahm, so dass sich entartete Zellen ungestört vermehren können. Eine Therapie zu entwickeln, die das Immunsystem wieder auf Trab bringt, machten sich Forscher der Universität Heidelberg zur Aufgabe.

Glioblastome gehören zu den bösartigsten Krebsarten überhaupt und sind durch ihr schnelles Wachstum schwer behandelbar. Ausgehend von den Zellen der Neuroglia des Großhirns durchdringen sie das umliegende Gewebe und setzen dabei Substanzen frei, die dessen Immunabwehr hemmen. Um das körpereigene Abwehrsystem wieder zu aktivieren und auf die fremden Zellen aufmerksam zu machen, setzen die Wissenschaftler auf eine Impfung der Patienten mit modifizierten Tumorzellen. Im Rahmen einer Pilotstudie wurden Tumorzellen mit einem für den Menschen ungefährlichen Vogelvirus infiziert, um ein zusätzliches Gefahrensignal zu installieren. Gewonnen wurden die Krebszellen bei der operativen Entfernung des Tumors. Anschließend erhielten die Betroffenen bis zu achtmal eine Injektion dieses Impfstoffs mit körpereigenen Tumorzellen. Insgesamt wurden 23 Patienten mit dem Impfstoff behandelt. Bei ihnen konnten deutlich mehr Anti-Tumor-Immunzellen nachgewiesen werden als bei 87 Patienten einer Kontrollgruppe.

Schwerwiegende Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet und die durchschnittliche Überlebenszeit stieg bei den geimpften Studienteilnehmern auf 100 Wochen an. Beiden Probandengruppen waren zuvor die Tumore operativ entfernt worden und sie hatten sich Strahlen- oder Chemotherapien unterzogen. Die Ergebnisse sind viel versprechend, sollten aber nicht verallgemeinert werden, sagen die Forscher, da es sich nur um eine kleine, nicht randomisierte Pilotstudie handelt, die durch größere Studien belegt werden sollte. war

Quelle: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Heidelberg, 18.11.2005

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