Aus Kammern und Verbänden

AK Westfalen-Lippe: Grippewelle und Gesundheitspolitik

Die drohende Grippe-Pandemie und die Gesundheitspolitik unter der großen Koalition: Das waren die zentralen Themen der Herbstsitzung der Apothekerkammer Westfalen-Lippe am 16. November 2005 in Münster-Hiltrup. Als Gastredner plädierte der FDP-Gesundheitsexperte Daniel Bahr für gleiche Wettbewerbsbedingungen im Gesundheitswesen und für den Erhalt der Individualapotheke.

"Wir möchten nicht in den Chor derjenigen einstimmen, die die zwischen CDU/CSU und SPD getroffene Koalitionsvereinbarung bis ins kleinste Detail kritisieren", betont Kammerpräsident Hans-Günter Friese. "Wir richten aber die Erwartung an die neue Regierung, dass die Apotheken nicht nur als Kostenfaktor, sondern auch als wichtiger Wirtschaftsfaktor und Jobmotor im Gesundheitswesen gesehen werden." Allein die Apotheken in Westfalen-Lippe bieten über 14.000 Arbeitsplätze.

Resolution zur Mehrwertsteuer

In der anschließenden Pressekonferenz wehrte sich Friese dagegen, dass die Apotheker als heimliche Gewinner der Gesundheitsreform dargestellt werden. Der Wertschöpfungsanteil aller 22.500 Apotheken in Deutschland belief sich 2004 auf 3,62 Milliarden Euro; das sind nur 2,5 Prozent der Gesamtausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Demgegenüber liegen die Personal- und Gebäudekosten der GKV bei 8,1 Mrd. Euro.

Um die Beiträge zur GKV und damit auch die Lohnnebenkosten senken zu können, forderten die Delegierten in einer einstimmig beschlossenen Resolution, die Mehrwertsteuer auf Arzneimittel "mindestens auf den reduzierten Satz von sieben Prozent" zu senken.

Vorbereitung auf die Grippe-Pandemie

Als enorme Herausforderung für den Berufsstand wertet Friese die Vorbereitung auf die drohende Grippe-Pandemie. Für den Fall der Fälle hat das Land Nordrhein-Westfalen 33 Mio. Euro in Arzneimittel mit den Wirkstoffen Oseltamivir und Zanamivir investiert. Dies reicht aus, um etwa zehn Prozent der Bevölkerung über die Apotheken zu versorgen.

Beratungsoffensive geht weiter

Auch im Jahr 2006 will die Apothekerkammer wieder Testkäufe in Apotheken durchführen, um die Beratungsqualität zu sichern: Es sind 1000 Testkäufe zu zwei besonders komplexen Beratungsthemen vorgesehen, berichtete Vizepräsidentin Gabriele Overwiening.

Zudem richtet die Kammer ein neues Angebot an die gesamten Apotheken-Teams: Diese können ab Januar 2006 einen von insgesamt 17 Beratungstrainern der Kammer buchen.

Warnung vor Fremdbesitz

Als fatal bezeichnete der FDP-Gesundheitsexperte Daniel Bahr (MdB), der als Gastredner geladen war, die Vertagung der Gesundheitsreform durch die große Koalition auf das Jahr 2007. Bereits für das kommende Jahr rechnet Bahr mit Erhöhungen der GKV-Beiträge um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte. Er sprach sich dafür aus, den Gesundheitsbereich auch als Wachstumsmarkt zu begreifen, auf Freiheit und Wettbewerb zu setzen sowie Forschung und Entwicklung nicht zu reglementieren.

Mit Blick auf den Arzneimittelversandhandel, dem er mittelfristig nicht mehr als ein Nischendasein zutraut, forderte Bahr "gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle". Die deutschen Apotheker seien gegenüber ausländischen Wettbewerbern, denen z.B. keine Nacht- und Notdienste auferlegt sind, benachteiligt. Weiterhin warnte er davor, den Fremdbesitz von Apotheken zuzulassen – auch aufgrund der negativen Erfahrungen in anderen Staaten wie Großbritannien: "Dort werden jetzt mit Millionenbeträgen Aufklärungskampagnen aufgelegt, um die Fehlversorgung mit Arzneimitteln wieder zu reduzieren."

Beeindruckt zeigte sich Bahr von der Beratungsoffensive der westfälisch-lippischen Apotheken, die bundesweit Maßstäbe gesetzt habe. Er ermutigte die Apotheker, auch weiterhin auf pharmazeutische Qualität zu setzen.

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