Aus Kammern und Verbänden

Apotheker im Internet e.V.: Einsatz für integrierte Versorgung

Am 9. November 2005 fand in München die Jahresversammlung des gemeinnützigen Vereins Apotheker im Internet e.V. statt. Nach Begrüßung, Geschäftsbericht und Wiederwahl des Vorstandes (1. Vorsitzender Florian Picha, 2. Vorsitzende Sigrid-Renate Drasch, 3. Vorsitzender Dr. Hermann Vogel jun.) wurde eine Satzungsänderung beschlossen. Der einstimmige Beschluss sieht vor, dass der Verein sich in Zukunft auch für eine bessere Kommunikation der Heilberufe untereinander und somit auch im Bereich der integrierten Versorgung einsetzen wird.

Die DAZ hat sich mit dem 1. Vorsitzenden des Vereins Apotheker im Internet, Apotheker Florian Picha unterhalten.

DAZ:

Herr Picha, in welchen Bereichen ist der Verein Apotheker im Internet e. V. heute aktiv bzw. wo trägt er Verantwortung?

Picha:

Wir tragen dazu bei, dass die elektronischen Medien beim Umgang mit Arzneimitteln verantwortlich und zum Wohl des Verbrauchers eingesetzt werden. Konkret begleiten wir derzeit die Websites von apotheken.de und meineapotheke.de, stehen für Gespräche mit den Akteuren und den Betroffenen des Gesundheitsmarktes zur Verfügung und, last but not least, unterstützen wir den Ausbau der Notdienst-Datenbank und -Hotline der Kassenärztlichen Vereinigung in Bayern. Seit wenigen Tagen können Patienten sich über diese Hotline mit der nächsten Barmer-Hausapotheke verbinden lassen.

DAZ:

Der Verein Apotheker im Internet wurde vor fünf Jahren gegründet, um eine sinnvolle Nutzung des Internets für die Patienten zu erreichen. Ist der Verein in der heutigen Zeit, wo der Versandhandel von Arzneimitteln über das Internet gesetzlich geregelt ist, überhaupt noch zeitgemäß?

Picha:

Ja und nein. Ja, er ist zeitgemäß, weil das Internet immer stärker in immer mehr Lebensbereiche vordringt, als Informations-, Kommunikations- und als Bestellmedium. Darum wird es immer wichtiger, den Verbrauchern zu zeigen, wo die Chancen und Risiken des Internets liegen. Nein, weil das Internet inzwischen durch die weltweite Vernetzung beginnt Einfluss zu nehmen auf die Art und Weise, wie z. B. die Heilberufler miteinander und den Daten ihrer Patienten umgehen. Denken Sie nur an die elektronische Patientenakte oder an die elektronische Gesundheitskarte. Deren Implikationen gehen weit hinaus über Surf-Tipps für Gesundheitsbewusste.

DAZ:

In der Jahresversammlung 2005 wurde die Vereinssatzung erweitert. Welche Intention steckt hinter dieser Entscheidung?

Picha:

Die Mitgliederversammlung hat uns am 9. November ermächtigt, die Vereinssatzung zu ändern. Neu eingefügt wird folgender Passus: Der Verein fördert den Informationsaustausch und die Zusammenarbeit der einzelnen Heilberufe untereinander im Interesse der Patienten mit dem Ziel, Zeit- und Kostenaufwand der Patienten für die Heilbehandlung zu vermindern und die Heilbehandlung selbst zu verbessern. Diese Satzungsänderung stellt die Aufgaben des gemeinnützigen Vereins auf eine breitere Basis.

DAZ:

Die Zusammenarbeit der Heilberufe soll also verbessert werden. Welchen Schritt wollen Sie als erstes tun?

Picha:

Als erstes wird eine Projektgruppe eingerichtet, die eine Analyse der Kommunikationshemmnisse erstellt und darauf aufbauend Wege suchen wird, um die chinese walls zwischen den Heilberufen zumindest so in ihrer Höhe zu reduzieren, dass man drüber schauen kann.

DAZ:

Im Bereich integrierte Versorgung sind bereits Apothekerverbände bzw. andere Apothekerorganisationen tätig. Arbeiten Sie mit diesen zusammen oder vertreten Sie hier andere Positionen?

Picha:

Das "Spielfeld" integrierte Versorgung hat der Gesetzgeber geschaffen, um einen Strukturwandel im Gesundheitswesen anzustoßen, mit dem Ziel, die Behandlung von Patienten in der GKV wirtschaftlicher und/oder besser zu gestalten. Derzeit befinden sich alle Player im Gesundheitsmarkt in der Experimentierphase. Die große potenzielle Gefahr der integrierten Versorgung ist die Atomisierung der Vertragslandschaft, wodurch die Verwaltungskosten in die Höhe getrieben und die Transparenz drastisch reduziert werden. Der Verein ist nicht zuständig für die Vertretung der wirtschaftlichen Interessen der Apotheker. Das ist die Domäne der Apothekerverbände. Diese stellen sich auf die neue Vertragswelt ein und schließen neben den klassischen Kollektivverträgen wie dem Arzneimittelliefervertrag auch Verträge, an denen Apotheken teilnehmen können, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen. Ein Beispiel dafür ist der Barmer-Vertrag. Die Apothekerverbände wollen den Wettbewerb über die Qualität, sehen aber andererseits deutlich die Gefahr eines Preis- oder Cleverness-Wettbewerbs. Mit einer qualifizierten pharmazeutischen Dienstleistung kann die Krankenkasse aber viel mehr sparen als mit einem Arzneimittel, das ein paar Prozent billiger ist. Der Verein Apotheker im Internet e.V. vertritt hier – gemäß seiner Satzung und im Gegensatz zur Aufgabe der Apothekerverbände – die Interessen der Patienten.

DAZ:

Im vergangenen Jahr wurde von Ihnen die erste gemeinsame telefonische Notdienstauskunft von Ärzten und Apothekern mitbegründet. Dieses Jahr wurde die erste Hausapotheken-Service-Hotline realisiert. Was ist hier in Zukunft geplant?

Picha:

Im nächsten Schritt ist die Einbindung des zahnärztlichen Notdienstes geplant.

DAZ:

Zur Zusammenarbeit der Heilberufe gehört ja auch die Zusammenarbeit innerhalb eines Heilberufs. Wie sehen Sie als Apotheker das Thema Kooperationen?

Picha:

Dieses Thema wird sowohl bei den praktischen Apothekern als auch von den Standespolitikern sehr kontrovers diskutiert. Das liegt nicht zuletzt daran, dass im großen Sack mit der Aufschrift Kooperationen ganz unterschiedliche Konzepte stecken. So viel lässt sich aber sagen: Apotheken haben in den meisten Punkten gleichgerichtete Interessen – dafür sind die Apothekerverbände da. Daneben und in wesentlich geringerem Umfang haben die Apotheken auch noch Partikularinteressen – und dafür kann eine Kooperation da sein. Da beide, der Verband und die Kooperation, Dienstleister für die gleiche Apotheke sind, ist es für die Apotheke sehr wichtig, dass beide Dienstleister nicht gegeneinander arbeiten.

DAZ:

Herr Picha, wir danken Ihnen für das Gespräch!

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