Arzneimittel und Therapie

Kognitive Beeinträchtigungen: Begrenzter Benefit von Donepezil

Leichte kognitive Beeinträchtigungen gehen häufig innerhalb weniger Jahre in eine Alzheimer-Erkrankung über. Ob Vitamin E und Donepezil diesen Prozess verhindern können untersuchte eine amerikanische Studie. Donepezil zeigt einen gewissen, allerdings zeitlich begrenzten Nutzen, die präventive Gabe von Vitamin E erscheint nutzlos.

Unter leichten kognitiven Beeinträchtigungen (MCI; mild cognitive impairment) versteht man einen transitorischen Zustand zwischen den kognitiven Veränderungen des normalen Alterns und dem Frühstadium einer Alzheimer-Erkrankung. Während beim normalen physiologischen Alterungsprozess 1 bis 2% der älteren Menschen pro Jahr an einem Morbus Alzheimer erkranken, sind es 10 bis 15% bei den Patienten, die unter leichten kognitiven Beeinträchtigungen des amnestischen Subtyps leiden. Das bedeutet, dass innerhalb von sechs Jahren bei rund 80% dieser Patienten ein Morbus Alzheimer manifest wird. Bei Träger von einem oder mehreren Apolipoprotein Ee4-Allelen geht der Übergang von leichten kognitiven Beeinträchtigungen zu einer Alzheimer-Erkrankung noch rascher von statten. Auf der Suche nach präventiven Maßnahmen, die diesen Prozess verhindern oder verlangsamen können, stieß man auf Vitamin E und den Cholinesteraseinhibitor Donepezil (Aricept®), die beide im Rahmen einer Alzheimer-Therapie eingesetzt werden.

Tab. 1: Hazard ratio für die Entwicklung eines Morbus Alzheimers unter Donepezil und Vitamein E im Vergleich zu Placebo.

 

alle Probanden

Träger von Apolipoprotein Eε4

 Hazard ratio 
95% Konfidenzintervall
p-WertHazard ratio 
95% Konfidenzintervall
p-Wert 

Donepezil vs. Placebo

12 Monate0,42 (0,24 – 0,76)0,0040,34 (0,16 – 0,69)0,003
24 Monate0,64 (0,44 – 0,95) 0,030,54 (0,35 – 0,86) 0,009
36 Monate0,80 (0,57 – 1,13)0,21 0,66 (0,44 – 0,98)0,04

Vitamin E vs. Placebo

12 Monate0,83 (0,52 – 1,32)0,43 0,78 (0,46 – 1,34)0,37
24 Monate0,95 (0,67 – 1,36)   0,790,95 (0,64 – 1,41)0,79
36 Monate1,02 (0,74 – 1,41)0,91  0,95 (0,66 – 1,36) 0,77

Studie mit Vitamin E und Donepezil

In die Studie wurden 769 Patienten aufgenommen, bei denen ein amnestischer Subtyp von MCI vorlag. Sie wurden randomisiert drei Gruppen zugeteilt und erhielten für die Dauer von drei Jahren täglich entweder 2000 IE Vitamin E, 10 mg Donepezil oder eine Placebo. Der primäre Studienendpunkt war ein klinisch möglicher oder wahrscheinlicher Morbus Alzheimer; sekundäre Studienendpunkte waren Kognition und Funktion. Die Wirkungen der Therapie wurden alle sechs Monate festgehalten. Die endgültige Auswertung erfolgte nach drei Jahren. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich bei 212 Patienten ein möglicher oder wahrscheinlicher Morbus Alzheimer entwickelt. Das bedeutet, dass bei jährlich 16% dieser Patienten die leichte kognitive Beeinträchtigung in eine Alzheimer Erkrankung übergegangen war. Betrachtet man die drei Studiengruppen genauer, ergibt sich folgendes Bild:

Benefit nur für Subgruppe

Die Wahrscheinlichkeit, nach drei Jahren einen Morbus Alzheimer zu entwickeln, unterschied sich in den drei Studiengruppen nicht signifikant. Die Hazard Ratio (Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmtes Ereignis eintritt) betrug für die Vitamin-E-Gruppe 1,02 und für die Donepezil-Gruppe 0,8 – jeweils im Vergleich zu der Placebo-Gruppe.

Analysen, die im Halbjahresabstand durchgeführt wurden, zeigten, dass die Wahrscheinlichkeit einer Progression zur Alzheimer-Erkrankung in der Donepezil-Gruppe gegenüber der Placebo-Gruppe während der ersten zwölf Monate herabgesetzt war. Auch die Daten der sekundären Studienendpunkte bekräftigten die Aussage, dass unter Donepezil die Erkrankung anfänglich langsamer fortschreitet.

Träger von einem oder mehreren Apolipoprotein Eε4-Allelen profitierten über den gesamten Studienzeitraum hinweg von einer Therapie mit Donepezil.

Die Wirkungen von Placebo und Vitamin E auf den Krankheitsverlauf unterschieden sich zu keinem Zeitpunkt der Studie; dies traf auf alle Patienten (also auch einschließlich der Träger von Apolipoprotein Eε4-Allelen) zu.

 

DIE DATEN DER SEKUNDÄREN STUDIENENDPUNKTE (Abnahme der kognitiven Leistung) zeigen, dass unter Donepezil die Erkrankung anfänglich 
langsamer fortschreitet als unter Placebo. Nach drei Jahren allerdings 
war die Progressionsrate nicht niedriger als unter Placebo.

 

Wichtige Schlussfolgerungen

Kommentatoren halten diese Studie trotz ihrer enttäuschenden Resultate für bedeutsam, da sie folgende Aussagen zulässt:

  • Gedächtnistrübungen bei älteren Menschen müssen ernst genommen werden, da sie möglicherweise auf eine Alzheimer-Erkrankung hinweisen.
  • Donepezil zeigt einen gewissen, allerdings zeitlich begrenzten Nutzen. Dieser tritt vor allem bei Trägern von einem oder mehreren Apolipoprotein Eε4-Allelen hervor.
  • Die präventive Gabe von Vitamin E ist nutzlos. Diese Aussage untermauert Ergebnisse ähnlicher in jüngster Zeit veröffentlichter Studien.

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

Quelle 
Petersen, R.; e al.: Vitamin E and Donepezil for the treatment of mild cognitive impairment. N. Engl. J. Med. 352, 2379 – 2388 (2005). 
Blacker, D.: Mild cognitive impairment – no benefit from Vitamin E, little from Donepezil. N. Engl. J. Med. 352, 2439 – 2441 (2005).

Das könnte Sie auch interessieren

Supplementation zögert Pflegebedürftigkeit hinaus

Hilft Vitamin E bei Alzheimer?

Donepezil verlangsamt den Verlust an Hippocampus-Volumen

Kann eine frühzeitige Therapie Alzheimer bremsen?

Donepezil in der Alzheimer-Therapie

Bei Progress: Fortführen, abbrechen oder kombinieren?

Die Folgen eines Vitamin-B12 -Mangels werden unterschätzt

Vitamin B12 fürs Gehirn

Mediterrane Kost senkt das Demenz-Risiko – können das auch Supplemente?

Nervennahrung gegen Alzheimer

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.