Aus Kammern und Verbänden

Sachsen-Anhalt: Apotheken bieten Sozialberatung an

Die Apotheken in Sachsen-Anhalt erweitern ihre Hausapothekenfunktion um das neue Angebot der sozialen Beratung. Dabei stützen sie sich auf die Leistungen und Daten des beta Instituts für sozialmedizinische Forschung und Entwicklung.

Angebot flächendeckend

Die Apotheken können mit Hilfe der Informationen des beta Instituts umfassend über vielfältige soziale Dienstleistungen im Zusammenhang mit Krankheit und Pflege informieren und den Betroffenen damit praktische Hilfe anbieten. Im Kundengespräch in der Apotheke werden auch Patienten erreicht, die möglicherweise von der Existenz der relevanten Hilfsangebote nichts wissen. Damit übernehmen die Apotheken auch in sozialer Hinsicht eine Lotsenfunktion.

Mathias Arnold, Vorsitzender des Landesapothekerverbandes Sachsen-Anhalt, berichtete bei der Mitgliederversammlung des LAV am 4. November in Halle/Saale, dass bereits Teilnehmer aus 465 Apotheken geschult wurden. Die neue Leistung könne damit in Sachsen-Anhalt als erstem Bundesland flächendeckend angeboten werden. Den Zugriff auf die notwendigen Medien habe sich der Verband über fünf Jahre vertraglich gesichert.

Das betaCare-Konzept möchte der LAV den Krankenkassen als Partner anbieten und in den derzeit verhandelten Hausapothekenvertrag mit der AOK des Landes einbringen, möglicherweise mit zusätzlichen inhaltlichen Modulen. Das Grundkonzept werde den Patienten auf jeden Fall angeboten, vor einer öffentlichen Präsentation sollen aber die Vertragsverhandlungen mit der AOK abgewartet werden.

Hausapotheken weiterentwickeln

Die gleiche Philosophie gelte für das Hausapothekenkonzept insgesamt. Die Hausapotheke als Marke könne auch unabhängig von Kassenverträgen existieren. Sie sei ein qualitatives Leistungsversprechen und biete sich darüber hinaus als Modul für Verträge an. Die Einheitlichkeit des Markenauftritts müsse bundesweit gewahrt bleiben. Der LAV Sachsen-Anhalt arbeite weiter an Neuerungen für die Hausapotheken, die auch auf die Honorierung zielen, und betrachte sich dabei als "Kreativschmiede". Doch müsse eine Leistung erst angeboten und definiert werden, bevor über ihren Preis verhandelt werden kann. Alle Leistungen sollten in einheitlicher standardisierter Qualität geboten werden. Sie sollten für wohnortnahe Hausapotheken authentisch und nur individuell im persönlichen Kontakt zu erbringen sein.

Ein wichtiges Werkzeug für die Hausapotheken biete das Hausapothekenscheckheft, weil mit ihm ideelle Leistungen materialisiert werden und so einen besser erkennbaren Wert verkörpern. Arnold appellierte an die Apotheker, eingereichte Schecks weiterzugeben, damit der LAV gegenüber Politikern mit den Daten argumentieren kann. Bisher wurden 12.850 Schecks aus 97 Apotheken eingereicht, zur Arbeitsgemeinschaft Hausapotheke gehören aber 519 Apotheken, und 544 Apotheken im Land beteiligen sich am Barmer-Vertrag. Für die Arbeit der Hausapotheken biete der Verband außerdem beispielsweise Patientenflyer, Präsentationsmappen und neuerdings auch Schecks für Einzelleistungen.

Zusammenarbeit mit Rundfunk und Fernsehen

Als weitere Tätigkeiten des Verbandes stellte Arnold die Kooperation mit dem regional führenden Radiosender SAW und die geplante Zusammenarbeit mit der MDR-Fernsehredaktion "Hauptsache Gesund" vor, an der auch die Apothekerverbände Sachsens und Thüringens beteiligt sind. Die zur Sendung gehörende Publikumzeitschrift solle auch über die Apotheken dieser Länder vertrieben werden.

Zur gesundheitspolitischen Entwicklung auf Bundesebene meinte Arnold, frühere Zusicherungen seien wieder unklar geworden. Die Große Koalition werde weiter bei den Leistungserbringern kürzen, durch mehr Wettbewerb sollen jährlich 2 Mrd. E gespart werden. Daher müssen die Apotheker die Patienten für sich gewinnen und ihnen verdeutlichen, was die Apotheken für sie leisten.

Die Arbeit des LAV-Vorstandes bezeichnete Arnold als kontinuierliche Fortsetzung der Konzepte seines Vorgängers. Arnold hatte das Amt des Verbandsvorsitzenden im vorigen Jahr nach dem plötzlichen Tod von Knut Vocke übernommen. Ursprünglich war die Übergabe für die diesjährige Mitgliederversammlung nach dem 15-jährigen Bestehen des LAV langfristig geplant worden. Im Jahr 2006 stehen Neuwahlen zum Vorstand an.

Der Vorstand wurde einstimmig entlastet. Verbandsgeschäftsführer Matthias Clasen hob in seinem Bericht den großen und zudem immer weiter wachsenden Umfang der Retaxationen hervor, die in der Geschäftsstelle bearbeitet werden.

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