Praxis aktuell

Kopfläuse – was tun?

Immer häufiger hört man in letzter Zeit vom Auftreten von Kopfläusen, eine seit dem 2. Weltkrieg in Deutschland schon fast in Vergessenheit geratene Plage. Betroffen sind vor allen Dingen Kinder, die sich in Gemeinschaftseinrichtungen aufhalten, in erster Linie Kindergärten und Schulen, wo es zu engem, auch körperlichem Kontakt kommt. Welche Tipps die Apotheke ihren Kunden zu diesem Thema geben kann, finden Sie nachfolgend aufgelistet.

Vorweg: Das vermehrte Vorkommen von Kopfläusen liegt keineswegs daran, dass der hygienische Standard in diesen Einrichtungen, bei den betroffenen Personen oder in Deutschland allgemein sinken würde, sondern oftmals daran, dass der Umgang mit Kopfläusen in unserer Zeit verlernt wurde. Also, was tun?

1. Ruhe bewahren!

2. Ruhe bewahren!

3. Ruhe bewahren! 

Auch wenn man beim Gedanken an Kopfläuse primär Ekel und Abscheu empfindet, müssen sich die Betroffenen in aller Ruhe dem Problem stellen und nüchtern die Beseitigung der Kopfläuse planen. Der Befall mit Kopfläusen ist letztlich nichts anderes als das Auftreten anderer Infektionserkrankungen, nur dass in diesem Fall die Erreger mit bloßem Auge sichtbar sind. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie jedem sofort als Krabbeltiere auffallen. Kopfläuse wirken häufig wie Schuppen, Brotkrumen oder Flusen. Erst beim Betrachten durch eine Lupe sind sie in ihrer Form und auch in ihren Bewegungen erkennbar.

4. Dies bedeutet, dass in Zeiten drohenden Läusebefalls die eigenen Haare und die der nahen Angehörigen häufig und sorgfältig zu kontrollieren sind:

  • Frühsymptom: Lange bevor die Läuse zu sehen sind, werden die Betroffenen von heftigem Juckreiz mit Ausschlag bzw. Kratzspuren am Haaransatz im Nacken und/oder über den Ohren geplagt. Läuse sind Stechtiere, die vom Blut ihrer Wirte leben. Der Juckreiz stammt von den äußerst kleinen Stichen.
  • Am besten sind Läuse dann zu erkennen, wenn die Haare mit einem "Läusekamm" (Plastik- oder Metallkamm mit sehr eng stehenden Zähnen) ausgekämmt werden, und der Kopf dabei so über ein Waschbecken gehalten wird, dass an den Haaren anhaftende Läuse beim Kämmen von hinten nach vorne in das Waschbecken fallen. Dort sind diese "Schuppen", "Krümel" oder "Flusen" mit einer Lupe problemlos als Läuse zu erkennen.

5. Nissen, das heißt die Eier der Läuse, sind nur unzureichend auskämmbar. Vermeiden Sie daher Verletzungen der Kopfhaut durch zu intensives oder auch zu häufiges Kämmen, mit dem allein der Läusebefall ohnehin nicht zu beseitigen ist.

6. Einsatz handelsüblicher Läusevertilgungsmittel. Erhältlich sind:

  • Präparate mit Pflanzenextrakten aus Chrysanthemenblüten. Hierbei handelt es sich um Phytopharmaka (zum Beispiel Goldgeist forte). Der Extrakt enthält hochwirksame Pyrethrum-Alkaloide, die gegen die Läuse als Kontaktinsektizide wirken. Bei Aufnahme in den menschlichen Körper können sie Nerven- und Leberschädigungen verursachen. Auch aus diesem Grunde sollte nicht zu intensiv (das heißt verletzend) mit dem Läusekamm gearbeitet werden. Pyrethrum-Alkaloide töten zuverlässig alle lebenden Läuse ab, die Wirkung auf Nissen ist aber nicht hundertprozentig.
  • Präparate mit künstlich hergestellten Pyrethroiden (zum Beispiel Infectopedicul).
  • weitere Medikamente auf pflanzlicher Basis, zum Beispiel mit dem Hauptinhaltstoff Kokosöl (Beispiel: Aesculo, Gel L). Dieses Präparat enthält aber auch zahlreiche Lösungs- und Konservierungsmittel wie Methyl- und Propylhydroxybenzoat oder Phenethylalkohol. Die Wirkung dieses Präparates beruht auf einem Verkleben der Atmungslöcher der Läuse. Die Haare werden außerdem wie nach einer Spülung glatt und geschmeidig, so dass sich die Läuse daran schlechter festhalten können und die Nissen schlechter kleben bleiben. Die abtötende Wirkung auf lebende Tiere ist ebenfalls relativ zuverlässig, auf die Läuseeier jedoch nur unzureichend.

7. Bei der Anwendung dieser Präparate sollte sorgfältig auf die Einhaltung der Gebrauchsanweisung geachtet werden. Es gilt "klotzen, nicht kleckern!", das heißt, bei einem Schulkind mit langen Haaren müssen die Haare mit dem Inhalt einer ganzen Flasche des Präparates gründlich durchtränkt werden, um die Wirkung sicher zu stellen. Die Haare müssen wirklich überall feucht sein!

8. Es hat keinen Zweck, die Behandlung im Abstand weniger Stunden zu wiederholen. Wichtig hingegen ist, dass die Behandlung in einem Zeitraum zwischen acht und zehn Tagen ein zweites Mal wiederholt wird, nicht früher, aber auch nicht später! Zu diesem Zeitpunkt sind aus den in den Haaren verbliebenen Läuseeiern junge Läuse geschlüpft, die aber noch nicht ihre Geschlechtsreife erreicht haben. Nur durch die zweite Behandlung in diesem Stadium wird der Läusebefall erfolgreich und zuverlässig beendet.

9. In der Folgezeit sollte eine sorgfältige Eigenkontrolle sowie Kontrolle der nahen Angehörigen stattfinden, um ein Wiederaufflackern des Läusebefalls frühestmöglich zu erkennen und zu bekämpfen.

10. Die Haare sollten während der Zeit des Läusebefalls und bei drohender Neuinfektion regelmäßig mit üblichem Shampoo gewaschen und anschließend mit einer Spülung ("conditioner") nachbehandelt werden. An solchermaßen behandelten Haaren können sich die Läuse schlechter festhalten und auch die Läuseeier bleiben deutlich schlechter kleben.

11. Gründliche Reinigung aller Stoff-, Plüsch- und Polsterteile, die mit den befallenen Kopfhaaren in Berührung gekommen sind, in der Waschmaschine bei einer Temperatur über 60 °C; Wäschetrockner benutzen! Nicht waschbare Teile, wie beispielsweise. Plüschtiere, Kissen, Kämme, Bürsten, können in einem Plastiksack verknotet und an einem warmen Ort drei bis vier Wochen aufbewahrt werden. In diesem Zeitraum verhungern die Läuse. Bei Aufbewahrung an einem kühleren Ort muss der Plastiksack entsprechend länger verschlossen bleiben. Bei Temperaturen unter 0 °C sterben die Läuse allerdings bereits binnen weniger Stunden ab. Dies kann man sich zum Beispiel dadurch zu Nutze machen, dass Kleidungsstücke in Plastiktüten für ein bis zwei Tage in den Gefrierschrank gelegt werden.

12. Nicht vergessen: Absaugen der Autositze, insbesondere der Nackenstützen, am besten mit einem Dampfstrahler.

13. Und immer wieder: Sorgfältige Eigenkontrolle sowie Kontrolle der nahen Angehörigen. Und keine Panik!

 

Ekkehard Haen, Martin Geller in Zusammenarbeit mit der Grund- und Teilhauptschule Großberg (Rektorin: Cäcilia Mischko) und der Bayerischen Landesapothekerkammer 
München 


Die Verfasser haben die vorliegenden Informationen mit größtmöglicher Sorgfalt zusammengetragen. Dennoch übernehmen Verfasser und Herausgeber keinerlei Gewähr, insbesondere für Vollständigkeit, auch hinsichtlich der genannten Fertigarzneimittel, Richtigkeit und Aktualität. Stand September 2005

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.