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IGeL zur Krebsfrüherkennung selten sinnvoll

BERLIN (ks) | Die Stiftung Warentest hat für einen neuen Ratgeber Krebsfrüherkennungstests unter die Lupe genommen. Welche von Ärzten angebotenen Leistungen taugen, um eine etwaige Krebserkrankung frühzeitig zu erkennen und damit die Sterblichkeit zu senken? Das Ergebnis ist bescheiden: Von den 50 bewerteten Leistungen wurde lediglich die Mammografie bei Frauen zwischen 50 bis 70 Jahren für "geeignet" befunden.

Der Markt der Krebsfrüherkennungsuntersuchungen boomt. Neben den Leistungen, die von den gesetzlichen Kassen übernommen werden, gibt es auch immer mehr Individuelle Gesundheits-Leistungen (IGeL), die vom Patienten selbst zu zahlen sind. Im Angebot der Ärzte ist beispielsweise eine Röntgenuntersuchung der Lunge zu einem Preis zwischen 26 und 48 Euro. Eine Doppelkontrastuntersuchung des Dickdarms kostet zwischen 81 und 147 Euro. Doch bei beiden Methoden fällt die Nutzen-Risiko-Abwägung der Stiftung Warentest negativ aus. Auf der einen Seite gibt es keine Studien, die den Nutzen belegen können.

Auf der anderen Seite kommt es zu einer erhöhten Strahlungsbelastung und insbesondere bei der Lungenuntersuchung nicht selten zu falsch-positiven Befunden. Die Methoden sind daher nach dem Urteil der Tester "nicht geeignet", das Risiko, an Lungen- oder Dickdarmkrebs zu sterben, zu senken. Auch 34 weitere Untersuchungsmethoden erhielten die Bewertung "nicht geeignet". 13 Leistungen wurden als "wenig geeignet" oder "mit Einschränkung geeignet" eingestuft.

Bei Mammografie entscheidet das Alter

Einzig die Film-Mammografie zur Erkennung von Brustkrebs wurde von den Testern positiv bewertet. Bei dieser Methode wird die Brust mit Röntgenstrahlen durchleuchtet, die dabei auf einen speziellen Röntgenfilm treffen und dort Schwärzungen auslösen. Mithilfe dieser Bilder lassen sich Veränderungen erkennen. Bei der Nutzen-Risiko-Abwägung ist jedoch das Alter von entscheidender Bedeutung:

So gibt es bei Frauen zwischen 50 und 70 Jahren zwar falsch-positive Befunde und ein Potenzial für Überdiagnosen. Bei einer guten Aufklärung schätzen die Tester das Risiko aber gering ein, während der Nutzen belegt ist. Für diese Altersgruppe wird die Methode daher als "geeignet" eingestuft. Bei Jüngeren ist der Nutzen hingegen weniger gut belegt. Zugleich ist die Treffsicherheit schlechter und die Gefahr eines falsch-positiven Befundes größer. Für Frauen zwischen 40 und 49 Jahren bewertet der Ratgeber die Untersuchung deshalb als "mit Einschränkung geeignet". Für über 70-Jährige ist sie "wenig geeignet" – insbesondere weil für diese Altersgruppe die Studienlage schlecht ist.

Der Ratgeber "Früherkennung Krebs" informiert auf 290 Seiten über Ziele, Nutzen, Funktionen und Risiken diagnostischer Tests zur Früherkennung von Krebs. Darüber hinaus wird erklärt, was Krebs überhaupt ist: Wie entsteht er, welche Formen gibt es? Das Buch ist für 19,90 Euro im Buchhandel erhältlich.

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