Arzneimittel und Therapie

Johanniskraut: wirksame Präparate empfehlen

Bei der Behandlung von mittelschweren Depressionen ist zunächst ein Therapieversuch mit Johanniskrautpräparaten sinnvoll, da sie in vielen Fällen genauso gut wirken und weniger Nebenwirkungen haben als chemische Antidepressiva. Diese Wirkungen sind klinisch nachweisbar. Allerdings wirkt nicht jedes Präparat, das Johanniskraut enthält. Johanniskrautpräparate mit klinischem Wirksamkeitsnachweis gibt es nur in der Apotheke.

Für die Wirkung entscheidend ist die Zubereitungsform der Droge. Vor allem der traditionelle Tee ist für Johanniskraut keine optimale Arzneiform, weil hier vor allem die wasserlöslichen Inhaltsstoffe aufgenommen werden.

"Den" Extrakt aus einer Arzneipflanze gibt es nicht

Bei unterschiedlichen Pflanzenextrakten werden verschiedene Auszugsmittel in unterschiedlichen Verhältnissen eingesetzt. Auf diese Weise erhält man Spezialextrakte mit unterschiedlichen Inhaltsstoffen. Neben dem Lösungsmittel ist auch die Qualität der eingesetzten Droge für die Wirkung eines Phytopharmakons ausschlaggebend. Der Wirksamkeitsnachweis eines Extraktes kann daher nicht auf einen anderen übertragen werden, der möglicherweise ganz andere Wirkstoffe enthält.

Laif® 900: Spezialextrakt gegen Depressionen

Der Wirkstoff eines Phytopharmakons ist demnach nicht die Droge, sondern der Extrakt. Zum Beispiel enthält das Johanniskrautpräparat Laif® 900 den Spezialextrakt STW3. Laif® 900 ist zur Behandlung von depressiven Verstimmungszuständen indiziert. Jede Tablette enthält 900 Milligramm eines Johanniskrautextraktes, der aus einer Gesamtpflanzenmenge (getrocknet) von vier Gramm gewonnen wird. Diese Gesamtpflanzenmenge ist die höchste von der Kommission E des damaligen Bundesgesundheitsamtes empfohlene Tagesdosis. Der Trockenextrakt wird mit 80%-igem Ethanol hergestellt. Das Droge-Extrakt-Verhältnis beträgt 3-6:1.

Laif® 900 wurde in einer multizentrischen, randomisierten, doppelblinden, placebo- und verumkontrollierten Studie mit 388 Patienten mit mittelschweren Depressionen geprüft, in der der Johanniskraut-Extrakt (einmal täglich 900 mg) mit Citalopram und Placebo über einen Behandlungszeitraum von sechs Wochen verglichen wurde. Trotz eines hohen Placeboeffekts, der bei Depressionen bis zu 60% betragen kann, wirkte der Johanniskraut-Extrakt nachweisbar genauso gut wie Citalopram, war aber signifikant besser verträglich.

Kontraindiziert ist Laif® 900 bei Asthma bronchiale, einigen Herzerkrankungen, nach einer Organtransplantation und bei einer HIV-Infektion. Klinisch relevante Wechselwirkungen mit Hormonpräparaten ("Pille") sind nicht bekannt.

Nur geprüfte Präparate empfehlen

Johanniskraut-Präparate kann man nicht nur in der Apotheke, sondern auch in Reformhäusern, in Supermärkten und sogar beim Billiganbieter Aldi kaufen. Es gibt Hypericum-Präparate in den verschiedensten Darreichungsformen, zum Beispiel als Tee, als Öl oder als Tinktur. Neuerdings werden sogar Joghurts mit Johanniskraut angereichert. Die meisten dieser Präparate dürften nicht die erhoffte Wirkung auf die Stimmung zeigen.

Viele Johanneskrautpräparate, die in Drogerien und Supermärkten verkauft werden, sind "traditionell" zugelassene Mittel. Hier musste der Hersteller nie mit Hilfe klinischer Studien einen Nachweis der Wirksamkeit erbringen. In der Regel werden diese Präparate mit dem Pflanzennamen bezeichnet und enthalten den Hinweis "traditionell angewendet" zur Stärkung und Kräftigung, zur Besserung des Befindens, zur Unterstützung der Organfunktion, zur Vorbeugung oder als mild wirkendes Arzneimittel. So entsteht beim Verbraucher der Eindruck, dass freiverkäufliche und apothekenpflichtige Johanniskrautpräparate miteinander vergleichbar sind.

Zuverlässig wirkende pflanzliche Arzneimittel hingegen werden genauso geprüft wie chemisch synthetische Wirkstoffe. In der Apotheke sollten deshalb nur Extrakte von Herstellern empfohlen werden, deren Wirksamkeit in klinischen Studien nachgewiesen ist. hel

 

Quellen
Prof. Dr. Theodor Dingermann, Presse- konferenz „Raus aus dem Stimmungstief!
– Aktuelle Studie zeigt: Johanniskraut hilft“, Bilbao, 2. September 2005, ver- anstaltet von Steigerwald, Darmstadt.

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