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Großbritannien: Wettbewerbsverzerrungen befürchtet

LONDON (jr). Im Vereinigten Königreich sorgt der wachsende Einfluss großer Apothekenketten auf den Markt schon seit langem für Diskussionsstoff. Der nun angekündigte Merger der Branchenriesen Boots und Alliance UniChem beunruhigt indessen nicht nur Einzelapotheken. Selbst Ketten und Großhändler befürchten Wettbewerbsverzerrungen.

Für britische Apotheker gehören Unternehmensketten seit Jahrzehnten zum hart umkämpften Markt. Doch seit 2004 ist der Konkurrenzdruck so stark wie nie zuvor. So hatte die britische Wettbewerbsbehörde (Office of Fair Traiding, OFT) der britischen Regierung die totale Öffnung des Apothekenmarktes empfohlen, obwohl bereits wichtige Marktregulierungsregeln außer Kraft gesetzt worden waren. Vor allem Einzelunternehmer beklagten, dem Druck kapazitätsstarker Ketten nicht mehr gewachsen zu sein.

Die Ankündigung der Apothekenkette Boots und des Großhändlers Alliance UniChem, sich zu Alliance Boots vereinigen zu wollen (siehe auch AZ Nr. 41/2005, S. 1), beunruhigt hingegen nicht nur die Einzelunternehmen des Vereinigten Königreichs. Selbst Apothekenketten mit bis zu 1300 Filialen zeigen sich irritiert. Immerhin würde der entstehende Branchenriese Alliance Boots mit einem Marktvolumen von sieben Milliarden Pfund aufwarten. Sollte der Merger zustande kommen, wovon viele Marktbeobachter ausgehen, würde Alliance Boots mit 2600 Apotheken auf dem Markt agieren können. Unter den führenden Apothekenketten des Landes läge das bisher größte Unternehmen, die Lloydspharmacy, mit mehr als 1300 Filialen sowie die Kette Moss Pharmacy mit gut 800 Apotheken dann weit abgeschlagen zum Marktführer.

Ungesundes Monopol

Doch als weitaus wichtiger wird das Zusammengehen einer der größten Apothekenketten Großbritanniens mit einem der einflussreichsten Großhändler gesehen. Nicht nur Apothekenunternehmen bezeichnen das Monopol als ungesund, auch Großhändler schließen sich zunehmend der Kritik an. John Davies, Direktor für Einzelhandel beim Großhändler Mawdsley Brookes erklärte, "es besteht die Sorge, dass dieser Merger ein Viertel aller Apotheken in die Hände eines einzigen Unternehmens legt". Drastischer äußerte sich David Cole, Hauptgeschäftsführer des Großhändlers Phoenix: "Da ist eine traditionelle Feindseligkeit zwischen Unabhängigen und Boots, und ich nehme an, einige wechseln geschäftlich – weg von UniChem – sofern der Merger weiter geht".

Phoenix selbst wollte die Möglichkeit eines Gegenangebots an Alliance UniChem nicht ausschließen, während Celesio keinen Kommentar zu Spekulationen über ein Gegenangebot der Unternehmensgruppe an Boots oder Alliance UniChem abgeben wollte. Während verschiedene Großhändler derzeit noch geschickt taktieren, verfolgen Einzelunternehmer die Entwicklung mit großer Sorge. Die Kapazitäten kleiner Apotheken reichen schon jetzt nicht mehr aus, um das umfassende Serviceangebot der Branchenriesen übernehmen zu können. Öffnungszeiten von zwölf Stunden, Lieferungen frei Haus oder gar ein Optikerservice sind Angebote, die Einzelunternehmer ihren Kunden vielfach versagen müssen. Ein Monopolist wie Alliance Boots mit 2600 Filialen und Tausenden von Mitarbeitern hätte dieses Problem nicht.

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