Selbstmedikation

K. LenneckeHämorrhoiden – Hilfe gegen den Juc

"Ich hätte gerne eine Hämorrhoidensalbe!" - Schnell können wir unserem Kunden, unserer Kundin Zusammensetzung unserer Hämorrhoidensalben nennen, ihm oder ihr Salbe oder Zäpfchen anbieten und verkaufen. Auf dem Gebiet der Wirkstoffe und Zusammensetzungen fühlen wir uns sicher. Hier beraten wir gut und gerne. Aber wie sieht es mit unserem Anspruch aus, die Eigendiagnose des Kunden abzuklären?

P>Klinik des Hämorrhoidalleidens Hämorrhoiden sind knotenförmige Erweiterungen der Äste der Gefäße, die die Analregion versorgen (Arteria bzw. Vena rectalis superior). Sie äußern sich vor allem durch Juckreiz in der Analgegend (Pruritus ani) und leichten Blutungen vor allem beim Stuhlgang. Es finden sich hellrote Blutspuren an der Stuhloberfläche oder am Toilettenpapier.

Hämorrhoiden höheren Grades verursachen zusätzlich Brennen und Nässen der Analregion, einen dumpfen Druck und Schmerzen am Enddarm. Die Ursachen sind vielfältig. Meist liegt eine Bindegewebsschwäche zugrunde. Chronische Obstipation und ein verlängertes Pressen bei der Defäkation verstärken die Gefahr eines Hämorrhoidalleidens.

Eigendiagnose unbedingt abklären

Für die Abklärung der Eigendiagnose "Hämorrhoiden" lautet die zentrale Frage "Welche Beschwerden haben Sie genau?" Diese Frage wird bei diesem Tabuthema zu selten ausgesprochen, weil Patient und Apotheker davon ausgehen, dass "man ja schließlich weiß, welche Beschwerden man bei Hämorrhoiden hat". Nun werden aber viel zu oft, für alle Arten von analen Beschwerden Hämorrhoiden verantwortlich gemacht. Durch zu starkes Pressen beim Stuhlgang, bei der Entbindung oder beim Kraftsport kann auch eine perianale Thrombose auftreten. Es handelt sich um einen rötlich-bläulichen Knoten am Analrand, der auf Druck sehr schmerzhaft ist. Heftige Schmerzen beim Stuhlgang und peranale hellrote Blutungen am Papier oder Blutstreifen auf dem Stuhl können auch durch Analfissuren ausgelöst werden.

Andere mögliche Differenzialdiagnosen sind Analabszess oder Analfistel. Während der Analabszess durch zunehmende Schmerzen beim Stuhlgang und beim Sitzen, als Rötung und Schwellung in Erscheinung tritt, ist die Analfistel von einer eitrigen Sekretion und Juckreiz begleitet. Auch das Analkarzinom kann sich in vielen Fällen durch Blutung, Juckreiz und einem Fremdkörpergefühl zeigen.

Gerade für Juckreiz (Pruritus ani) können in der Praxis die verschiedensten Ursachen gefunden werden, z. B.

  • unzureichende Reinigung oder falsche Reinigungsverfahren,
  • scharfe Gewürze, geräucherte oder geröstete Nahrungsmittel, reichlicher Alkoholgenuss, Kakaoprodukte, Zitrusfrüchte,
  • proktologische Erkrankungen, hier Hämorrhoiden, aber auch Fissur, Fistel, Stuhlinkontinenz, Feigwarzen, Tumore,
  • Pilzinfektionen, lokal oder intestinal,
  • Wurminfektionen, speziell Oxyuriasis,
  • Feuchtigkeitsabsonderungen bei Harninkontinenz, Vaginalfluor,
  • intestinale Erkrankungen, z. B. Diarrhö, Kolitis, chronische Obstipation, Colon irritabile,
  • systemische Erkrankungen mit Juckreiz, z. B. Diabetes mellitus, Schilddrüsenerkrankungen, Urämie, Cholestase, Lymphome, Eisenmangelanämie,
  • dermatologische Erkrankungen, z. B. Kontaktallergie (aus Slipeinlage, Toilettenpapier, Weichspüler), Psoriasis, endogenes Ekzem.

Allgemeine Empfehlungen zur Analhygiene

Bei Hämorrhoidalbeschwerden gilt die Stuhlhygiene als Basisbehandlung. Die Patienten sollten für weichen Stuhl sorgen. Für die Therapie bei hartem Stuhl gilt folgendes Stufenschema in Anlehnung an die Behandlung der Obstipation:

  • Umstellung auf ballaststoffreiche Kost, Verringerung des Zuckeranteils der Nahrung, Verzicht auf Süßigkeiten, Zufuhr von sechs kleineren, statt drei großer Mahlzeiten;
  • viel trinken, Zufuhr von drei Litern Flüssigkeit pro Tag, Eigenkontrolle der Trinkmenge durch Führen eines Tagebuchs;
  • falls erfolglos, zusätzlich Quellmittel mit niedrigem Quellvermögen zuführen, z. B. zwei Esslöffel Weizenkleie oder Leinsamen in Joghurt oder Buttermilch einrühren und essen, zusätzlich einen halben Liter Wasser morgens und abends trinken;
  • falls weiterhin erfolglos, Quellmittel mit hohem Quellvermögen, z. B. Indischer Flohsamen (Plantago ovata), mit der notwendigen Flüssigkeitsmenge zuführen;
  • keine Abführmittel verwenden.

Beengende Kleidung sollte der Patient vermeiden, vor allem zu enge Gürtel. Dadurch wird auch die Darmmotorik negativ beeinträchtigt. Innerhalb weniger Minuten nach Einsetzen des Stuhldrangs sollte der Patient die Toilette aufsuchen. Ein Abwarten führt zur Eindickung des Stuhls. Zur raschen und vollständigen Entleerung genügt üblicherweise die Entspannung des Schließmuskels. Die forcierte Bauchpresse dagegen fördert die Entstehung von Hämorrhoiden, Analfissuren, Beckenbodensenkung mit konsekutiver Schließmuskelschwäche.

Nach dem Stuhlgang sollte eine ausreichende Reinigung der Analregion erfolgen. Zur Reinigung ist viel Wasser zu verwenden, möglichst ohne Zusätze von reizenden Seifen, und möglichst wenig Papier, um mechanische Reizungen zu vermeiden.

Behandlung von Hämorrhoidalbeschwerden

Neben den allgemeinen Maßnahmen zur Stuhlhygiene erfolgt zur Behandlung von Hämorrhoiden im Stadium I und II eine lokale, symptomatische Therapie. Für die Akutbehandlung stehen Salben, Suppositorien und Sitzbäder zur Verfügung. Sinnvoll ist die Verwendung von Lokalanästhetika (z. B. Benzocain, Lidocain oder Polidocanol) symptomatisch gegen Schmerzen und Juckreiz. Zur Behandlung und Vorbeugung einer perianalen Entzündung eignen sich lokale Antiphlogistika, wie Bufexamac oder Bismutgallat.

Als pflanzliche Wirkstoffe finden Hamamelisrinde und -blätter Verwendung. In Sitzbädern werden vor allem Kamillenblüten und Eichenrinde bzw. synthetische Gerbstoffmischungen verwendet. Die entsprechenden Mittel werden möglichst dreimal täglich verwendet, vor allem nach dem Stuhlgang und vor dem Schlafengehen. Eine Linderung erfolgt innerhalb weniger Tage. Wenn die Beschwerden länger als drei Tage anhalten oder zusätzliche Symptome auftreten, ist ein Arztbesuch anzuraten.

Bei zunehmenden Beschwerden wird der Arzt auch bei Hämorrhoiden des Grades I oder II weiter reichende Maßnahmen vorschlagen. Es gibt die Möglichkeiten der Sklerosierung (z. B. durch 2 bis 4%ige Polidocanollösung oder 20%ige Chininlösung), der Gummibandligatur oder Infrarotkoagulation. Für Hämorrhoiden der höheren Grade besteht die Indikation einer Operation. Zur postoperativen Nachbehandlung werden dieselben Salben wie in der Akuttherapie verwendet.

"Ich hätte gerne eine Hämorrhoidensalbe!" – Schnell können wir unserem Kunden, unserer Kundin die Zusammensetzung unserer Hämorrhoidensalben nennen, ihm oder ihr Salbe oder Zäpfchen anbieten und verkaufen. Auf dem Gebiet der Wirkstoffe und Zusammensetzungen fühlen wir uns sicher. Hier beraten wir gut und gerne. Aber wie sieht es mit unserem Anspruch aus, die Eigendiagnose des Kunden abzuklären?

Ein Arztbesuch ist erforderlich bei...

  • erstmaligem Auftreten von Hämorrhoidalbeschwerden zur Abklärung der Diagnose
  • Blut im Stuhl oder auf dem Stuhl, Teerstuhl, Fremdkörpergefühl im Anus, Schmerzen im Analbereich wegen Verdacht von schwerwiegenderen Erkrankungen
  • ungewöhnlichen Symptomen, z. B. einziges Symptom Juckreiz wegen Verdacht anderer Diagnosen, die mit Hämorrhoidensalben nicht therapierbar sind
  • chronischen oder rezidivierenden Beschwerden zur Entscheidung einer weiterreichenden Therapie

Notwendige Fragen zur Abklärung der Eigendiagnose "Hämorrhoiden"

Welche Beschwerden haben Sie?

Hämorrhoiden treten meist mit mehreren Symptomen gleichzeitig in Erscheinung, z. B. Juckreiz, Nässen, (leichten, hellroten) Blutungen, Fremdkörpergefühl, Schmerzen beim Stuhlgang. Sobald nur ein Symptom genannt wird, z. B. Juckreiz können viele andere Ursachen in Frage kommen.

Wie lange bestehen die Beschwerden?

Treten die Beschwerden das erste Mal auf, ist auf jeden Fall eine ärztliche Diagnose erforderlich, bei wiederholt auftretenden und sich ändernden Beschwerden ebenfalls.

Unter welchen Umständen treten die Beschwerden auf?

Was ist der Auslöser Ihrer Beschwerden?

Bei Hämorrhoiden ist der Auslöser (verstärktes Pressen, harter Stuhlgang) meist bekannt. Sobald der Auslöser unbekannt ist, ist die Bestätigung der Eigendiagnose schwierig.

Welche Mittel wurden in der Vergangenheit bereits angewendet und mit welchem Erfolg?

Bei ausbleibendem Erfolg der in der Selbstmedikation zur Verfügung stehenden Mittel ist auf jeden Fall ein Arztbesuch erforderlich.

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